Stoffe zur Verkleidung von Wänden und Absorbern

Auch wenn man es zunächst nicht erwarten würde, sind Stoffe einer der wichtigsten Werkstoffe für den Heimkinobau. Hinter Verkleidungen aus Stoff lassen sich jede Menge Dinge verstecken, die niemand sehen will, die aber akustisch noch vorhanden sein sollen: Lautsprecher und Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik sind die wichtigsten. In diesem Beitrag zeige ich dir, worauf du bei der Auswahl eines Stoffs achten musst.

4 Absorber der Größe 60×110 cm mit einem durchgehenden Motiv bedruckt
Absorber mit durchgehendem Fotodruck
Motiv: Adobe Stock

Stoffe wirken sich akustisch relativ gering aus. Je nach Typ sind sie irgendwo zwischen “fast gar nicht” und “nur im Hochton” absorbierend einzuordnen. Gleichzeitig bieten sie vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und sind leicht zu verarbeiten. Du musst dafür nicht nähen können. Diese Eigenschaften kannst du dir im Heimkino zunutze machen.

Gründe für die Verkleidung mit Stoff

Schon bei der Planung des Heimkinos stellt sich die Frage, wie akustische Maßnahmen versteckt oder ganze Wände verkleidet werden sollen. Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass Teppich in zu großen Mengen schädlich für die Akustik ist, weil er den Hochton überdämpft. Diese aus alten Kinos bekannte Lösung ist also nicht zielführend. Optisch ähnlich aber akustisch unbedenklich ist hingegen Baumwollputz als Wandverkleidung.

Die Eingangstür mit Absorber-Keilen
Wandverkleidung mit Stoffrahmen
Foto: Nils Hitschke

Stoffe kommen dann ins Spiel, wenn einzelne Akustikelemente wie Absorber, Resonatoren oder Diffusoren verkleidet werden sollen. Aber auch für einen komplexeren, modularen Wandaufbau oder eine abgehängte Decke kommt eine Verkleidung mit Stoff in Frage. Hierbei solltest du den Stoff allerdings nicht direkt auf die Unterkonstruktion tackern, sondern Rahmen damit bespannen und diese zum Beispiel mittels Klettverschlüssen darauf anbringen.

In jedem Fall geht es darum, etwas hinter dem Stoff zu verstecken. Ihn einfach nur vor eine harte Wand zu spannen bringt herzlich wenig. Darin liegen die größten Vorteile von Stoffen gegenüber anderen Wandverkleidungen:

  • Stoffe sind relativ günstig: Der Quadratmeterpreis liegt umgerechnet meist deutlich unter 10 €.
  • Es gibt sie in allen Farben. Muster sind ebenso möglich wie individuelle Motivdrucke.
  • Die Auswahl an Händlern und passenden Produkten ist riesig.
  • Verkleidungen aus Stoff sind reparabel und jederzeit mit vertretbarem Aufwand austauschbar.
  • Für jede optische und akustische Anforderung gibt es eine Lösung.

Dem gegenüber steht, dass man sich in der Welt der Stoffe schnell verirren kann. Das Angebot ist so groß, dass man leicht den Überblick verliert und am Ende gar nicht mehr weiß, was man kaufen soll. Die folgenden Abschnitte sollen Abhilfe für dieses Problem schaffen.

Schalldurchlässig oder nicht?

Von allen Anforderungen an passende Stoffe für dein Heimkino ist eine Eigenschaft besonders wichtig. Es geht darum, ob der Stoff akustisch transparent sein muss oder nicht.

Akustisch transparent bedeutet: Der Stoff absorbiert nahezu keinen Schall, er stellt kein Hindernis für Schallwellen dar. Das steht im Gegensatz zu normalen Stoffen, die immer einen gewissen Anteil des Schalls schlucken bzw. nicht durchlassen.

Stoff kann grundsätzlich nur den Hochtonanteil des Schalls absorbieren. Die längeren Schallwellen tieferer Töne gehen ungehindert hindurch. Stoff bietet keinen ausreichenden Widerstand für tiefere Töne. Aus diesem Grund klingt es zunehmend dumpf, wenn jemand hinter einem Vorhang spricht.

Akustisch transparenten Stoff benötigst du für genau zwei Anwendungsfälle:

  1. Wenn sich hinter dem Stoff Lautsprecher befinden sollen, die das volle Frequenzspektrum wiedergeben (somit sind Subwoofer davon ausgenommen). Das beste Beispiel hierfür sind die Stoffabdeckungen, die viele Lautsprecher ab Werk mitbringen.
  2. Wenn der Stoff eine Verkleidung für Diffusoren darstellt. Diffusoren sind in der Regel dafür gedacht, das volle Frequenzspektrum und besonders den Hochton zu streuen. Normaler Stoff vor dem Diffusor würde den Hochton absorbieren, so dass der Diffusor nur noch ab dem oberen Mittelton abwärts wirken würde. Das kann beabsichtigt sein, ist es in der Regel aber nicht.

Sobald du aber Absorber verkleidest, ist kein akustisch transparenter Stoff notwendig, wohl aber möglich. Da praktisch alle Absorber im Hochton wirken, ist es egal, ob bereits der Stoff den Schall absorbiert, oder erst der Absorber dahinter.

Wenn du an einigen Stellen im Heimkino akustisch transparenten Stoff einsetzen musst, weil du Lautsprecher verstecken willst, dann kannst du diesen Stoff auch an allen anderen Stellen verwenden, um ein einheitliches Erscheinungsbild zu bekommen. Es schadet nicht, macht die Sache aber teurer, weil akustisch transparenter Stoff in der Regel etwas hochpreisiger ist.

Stoffe nach Anforderungen

In vielen Fällen lässt sich die gigantische Produktauswahl schon extrem reduzieren, wenn du einfach die Entscheidung für oder gegen einen akustisch transparenten Stoff getroffen hast. Die Qual der Wahl hast du nur bei normalen Stoffen.

➀ Normale Stoffe

Bei normalen Stoffen zum Verkleiden von Absorbern hast du die freie Auswahl und kannst dich voll und ganz auf das Aussehen bzw. die optische Wirkung konzentrieren. Trotzdem gibt es zwei wesentliche Kriterien, auf die du achten solltest:

  • die Elastizität
  • eine mögliche Schallreflexion

Die Elastizität betrifft vor allem spezielle “Stretch-Stoffe”. Man sollte meinen, wenn man damit etwas bespannen möchte, wäre das eine gute Eigenschaft, weil man den Stoff dann einfach etwas überspannen kann und er sich dann selbst glatt zieht. Dem ist aber leider nicht so. Die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch, dass genau diese Spannung mit der Zeit nachlässt und der Stoff dann vom Rahmen herunterhängt oder Wellen wirft. Ein weniger elastischer Stoff ist daher in den meisten Fällen besser geeignet.

Schallreflexionen können im Hochton auftreten, wenn der Stoff sehr glatt und dicht ist. Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist, wenn er sich störrisch und dick anfühlt. Der Mittelton und Bass wird weiterhin nahezu ungehindert hindurch gehen. Aber der Hochton kann dann schon wieder vom Stoff reflektiert werden, so wie es bei einer Folie der Fall wäre. Der Absorber dahinter würde dann im hohen Frequenzbereich entsprechend weniger oder keine Wirkung mehr zeigen.

Im Allgemeinen kannst du dich an Stoffen auf Basis von Baumwolle orientieren. Ein hoher Baumwollanteil bietet fast automatisch die richtigen Eigenschaften. Polyester-Stoffe sehen dagegen nochmal etwas besser (glatter) aus, dehnen sich aber stärker.

Bei einfarbigen Stoffen hast du in der Regel keine Problem; Vorsicht ist dagegen bei Stoffen mit Mustern geboten – und seien es auch nur Streifen. Muster werden heute meistens auf den fertig gewebten Stoff gedruckt. Dazu gleich mehr.

Wenn es für den Einstieg ein sehr preiswerter Stoff sein soll, mit dem du günstig große Flächen bearbeiten kannst, wird gerne Ditte von IKEA empfohlen. Der ist zwar nicht richtig tiefschwarz, aber vielleicht ist das für dich ja nicht relevant. Mehr zu verschiedenen Schwärzegraden ebenfalls weiter unten.

➁ Akustisch transparente Stoffe

Wenn es ein akustisch transparenter Stoff sein muss, ist die Auswahl deutlich eingeschränkter. Diese Art ist meist nur in einer kleinen, speziellen Kategorie zu finden, bietet wenig Auswahl hinsichtlich Farben und ist etwas teurer als andere Stoffe.

Früher oder später wirst du über sogenannten “Akustikstoff” stolpern. Dieser Begriff ist leider sehr irreführend. Je nach Anbieter kann Akustikstoff beides bedeuten:

  • Entweder ist ein akustisch transparenter Stoff gemeint, zum Beispiel für den Lautsprecherbau – also ein Stoff, der “akustisch neutral” ist.
  • Oder es ist ein stark absorbierender Stoff gemeint, der Schall stärker schluckt als gewöhnliche Stoffe, und so der Akustik nachhilft, indem er die Nachhallzeit reduziert. Also das genaue Gegenteil von dem, was du suchst.

Deshalb ist Vorsicht geboten. Lies die Produktbeschreibung sehr genau durch, um herauszufinden, was genau die Wirkung des Stoffs hinsichtlich der Akustik sein soll.

➂ Bedruckte Stoffe

Eine der häufigsten Anforderungen und zugleich Ursache für die größten Fragezeichen sind mit Bildern bedruckte Stoffe. Akustikbilder, wie sie gemeinhin genannt werden, sind besonders in Wohnräumen wünschenswert, weil sie nicht wie abstrakte Kunst wirken, was bei einem einfarbig bespannten Absorber schon mal passieren kann.

Tipp: Finger weg von fertigen Akustikbildern, wie es sie hier und da zu kaufen gibt. In den meisten Fällen sind sie das viele Geld nicht wert. Die darin verbauten Absorber haben meist eine Stärke von höchstens 2 oder 3 cm, wodurch sie nur im Hochton wirken. Zudem musst du für einen wahrnehmbaren Effekt je nach Raumgröße mindestens 2–6 m² damit verhängen, was finanziell und optisch eine Herausforderung sein dürfte.

Fahnenstoff mit Fotodruck gegen das Licht gehalten. Die offenen Poren des Stoffs sind deutlich zu erkennen.
Fahnenstoff mit Fotodruck

Fertige Stoffe mit Mustern oder Bildern werden nicht im Hinblick auf akustische Anforderungen hergestellt. Um kräftige Farben zu erzielen sind sie oft relativ dick bedruckt, was dazu führt, dass die Farbe die Poren des Stoffs verschließt und so eine glatte, geschlossene Oberfläche erzeugt. Daraus ergibt sich der weiter oben beschriebene Effekt, den du nicht haben willst: Der Stoff reflektiert den Hochton.

Wenn es Stoff mit Bildern sein soll, empfiehlt es sich daher diesen individuell mit eigenen Motiven bedrucken zu lassen. Achte dabei auf zwei wesentliche Schlüsselbegriffe:

  • Fahnenstoff
  • Sublimationsdruck

Fahnenstoff ist, wie der Name schon sagt, für Fahnen gedacht. Die müssen sehr leicht sein, um im Wind zu wehen. Weniger Gewicht deutet darauf hin, dass der Stoff schalldurchlässiger ist.

Sublimationsdruck ist ein Verfahren, bei dem die Farbe in den Stoff eingedampft wird. Dadurch bleibt keine Farbe in den Poren zurück und der Stoff bleibt so schalldurchlässig bzw. nicht-reflektierend wie möglich.

Auch wenn ich sehr gute Erfahrungen mit Fahnenstoff hinsichtlich möglichst geringer akustischer Auswirkungen gemacht habe, würde ich nicht so weit gehen, ihn akustisch transparent zu nennen. Die Kombination Lautsprecher hinter Fotostoff ist also sehr kritisch zu sehen und sei hiermit ganz klar nicht empfohlen. Diffusoren von mir aus gerne und Absorber sowieso.

Ein zuvor mit Unkrautvlies bespannter Keilrahmen aus Holz liegt auf bedrucktem Stoff.
Für die hier gezeigten Absorber wurde zuerst Unkrautvlies auf Rahmen gespannt, bevor der eigentliche Stoffbezug folgte.

Tipp: Fahnenstoff ist am Ende relativ durchsichtig. Wenn du ihn auf einen Rahmen spannst, wird der Rahmen wahrscheinlich deutlich hindurch scheinen, genau wie sich auch der Absorber davon abhebt. Du umgehst dieses Problem am einfachsten dadurch, dass du den Rahmen zunächst mit billigem schwarzen Unkrautvlies mit 50 g/m² bespannst, und erst dann den Stoff darüber tackerst.

Anbieter-Empfehlung für Stoffdrucke

Die hier auf den Bildern zu sehenden Stoffdrucke habe ich bei MaXxPrint anfertigen lassen, die ich dafür wärmstens empfehlen kann. Mit der gesamten Abwicklung bis hin zur Druckqualität bin ich außerordentlich zufrieden.

Das Produkt Stoffbanner lässt nahezu beliebige, individuelle Größen zu und ermöglicht die Auswahl von Fahnenstoff mit 110 g/m² als Trägermaterial. Der Stoff ist fast nicht dehnbar und lässt sich dadurch perfekt spannen.

Als Motive kannst du eigene Fotos verwenden oder dir für ein paar Euro ein Stockfoto kaufen. Mein Motiv mit Thema “postapokalyptische Stadt” habe ich zum Beispiel bei Adobe Stock gefunden. Kostenlose Anbieter wie Pixabay haben aber oft auch sehr gute Motive.

Wichtig ist für große Motive auf Stoff, dass die Bilddaten eine Auflösung von mindestens 100 dpi haben. Das heißt konkret: pro 100 cm Ausgabegröße sollte ein Foto knapp 4.000 Pixel vorzuweisen haben.

Angebot: Professionelle Druckdatenaufbereitung

An dieser Stelle etwas Eigenwerbung — Da es sich bei Anbietern rund um Stoffdruck oft um professionelle Druckereien handelt und nur solche die bestmögliche Druckqualität erreichen, ist auch die Anlieferung der Druckdaten in einem entsprechenden Format Voraussetzung. Du kannst zwar bei vielen Anbietern auch einfach eine JPG-Datei hochladen und einen Bildausschnitt wählen, aber das Ergebnis bleibt dann dem Zufall überlassen. Technisch gibt es noch weitere Dinge zu beachten wie:

  • exakte Maße zzgl. Beschnittzugabe und Sicherheitsabstand
  • weitere Zugaben für den Randumschlag bei Keilrahmen oder anderen Befestigungsarten
  • Bildqualität und Schärfe, insbesondere bei erforderlicher Hochskalierung
  • Einhaltung des korrekten Farbraums und Anwendung des von der Druckerei vorgegebenen Farbprofils, damit die Farben auch wirklich wie gewünscht ausgegeben werden
  • Wahl des besten Bildausschnitts aus fotografischen und gestalterischen Aspekten
Motiv des oben abgebildeten Absorbers mit diversen Hilfslinien für Druckzugabe und Randumschlag.
Berechnung des durchgehenden Fotodrucks für mehrere Absorber
Motiv: Adobe Stock

Spätestens wenn du ein durchgehendes Motiv bei gleichzeitig komplexer Anordnung mehrerer Absorber umsetzen willst, artet das in Millimeterarbeit aus, die ohne professioneller Software nicht mehr zu leisten ist.

Ich biete daher die Aufbereitung der Druckdaten für die Druckerei deiner Wahl an – das Rundum-sorglos-Paket von der Beratung bei der Motivauswahl über die Berechnung der Absorberanordnung nach deinen Vorgaben bis hin zu den fertigen PDF-Druckdaten für den Upload bei der Druckerei.

Fordere einfach ein unverbindliches Angebot an:
stoffdruck@heimkino-praxis.de

Stoffe nach Anwendungsfällen

Ergänzend zu den drei häufigsten Anforderungen ➀ normale, ➁ akustisch transparente und ➂ bedruckte Stoffe, gehe ich nun auf weitere Sonderfälle ein, mit denen du dich vielleicht konfrontiert siehst.

Schwarze Stoffe

Besonders gefragt sind im Heimkinobau natürlich schwarze Stoffe. Wer einen separaten Heimkinoraum bauen kann, tut gut daran, Wände, Decke und Boden möglichst dunkel zu gestalten. Dadurch entsteht weniger Streulicht im Raum, das auf die Leinwand zurück fällt. Kontrast und Schwarzwert im Bild werden so erheblich gesteigert, was maßgeblich für die Bildqualität verantwortlich ist.

Schwarz ist dafür die klassische Farbe – wenn man es eine Farbe nennen kann, denn das ist Schwarz laut Farbenlehre genau genommen nicht. Schwarz ist eine Helligkeit, oder besser: Schwarz ist das Fehlen von Licht.

Wie auch immer, Schwarz sowie dunkle bis mittlere Grautöne sind eine gute, neutrale Ausgangslage für die Heimkinogestaltung. Dazu kann sich eine kräftige Akzentfarbe gesellen, die dezent eingesetzt wird.

Egal wie man es dreht: Schwarze Stoffe sind für den Heimkinobau beliebt und gefragt. Damit das Streulicht auch wirklich bis zum Anschlag heruntergefahren wird, kann es gar nicht schwarz genug sein. Die folgende Tabelle listet einige schwarze Stoffe auf, die gerne und häufig verwendet werden. Einen interessanten Vergleich einiger Farben findest du bei projectiondream.com.

StoffATPreis/mBezugsquelle
Bühnen-Molton7 €diverse deutsche Shops
Satin-Molton10 €diverse deutsche Shops
Ditte4 €ikea.de
Triple Black Velvet8 €syfabrics.com
MVEL2218 €ebay.co.uk
Devore27 €whaleys-bradford.ltd.uk
Adamantium8 €adamantium-audio.de
LT.ONE15 €lautsprecherteile.de
Du findest, hier fehlt ein Stoff? Kennst du eine gute Bezugsquelle?
Dann schreib uns bitte einen Kommentar!

Einige dieser Stoffe sind im deutschsprachigen Raum sehr schwer zu beziehen. Oft geht das nur über den Import aus USA oder von anderswo, mit allen damit verbundenen Nachteilen: Zollgebühren, lange Lieferzeiten, Kreditkartenzahlung, eingeschränkte Gewährleistung, hohes Risiko usw. Wenn der Hersteller nicht direkt versenden kann, gibt es oft Angebote bei eBay (de oder co.uk).

Dennoch: für entsprechende Mengen lohnt sich das unter Umständen. Das Zauberwort lautet hier: Sammelbestellungen!

Der Klassiker: Molton

Molton ist der Stoff schlechthin, wenn es um Bühnenbau und -vorhänge geht. Dieser günstige Stoff auf Baumwollbasis ist sehr robust und dick, weshalb er den Hochton sehr gut absorbiert. Die Oberfläche ist eher filzartig und weich. Molton eignet sich sehr gut zum Bespannen von allen möglichen Sachen.

Roter Vorhang aus Dekomolton-Stoff
Vorhang aus Dekomolton

Molton ist in verschiedenen Farben erhältlich und hat meist die Stärken 150 g/m² (Dekomolton) oder 300 g/m² (Bühnenmolton). Für die Anwendung zuhause genügt die leichtere Variante vollkommen!

Allerdings finde ich Molton auch nicht besonders “edel”. Wenn der Stoff irgendwo schleift, kann es leicht passieren, dass sich raue Stellen bilden oder er aus anderen Gründen nicht mehr schön aussieht. Farben kommen zudem meist nicht besonders kräftig rüber. Besser ist dabei Satinmolton mit seiner einseitig glatten Oberfläche.

Schallschluckende Stoffe

Gelegentlich findet man Angebote für besonders stark schallabsorbierende Stoffe, die die Raumakustik verbessern sollen, indem sie den Nachhall senken. Beim Kauf von Vorhängen ist das zum Beispiel keine Seltenheit, denn schließlich ist hier jeder sofort überzeugt, der schon mal gehört hat, wie ein Raum klingt, wenn die Vorhänge in der Wäsche sind.

Ich will nicht behaupten, dass diese Stoffe nicht tatsächlich mehr bringen als gewöhnliche. Man muss aber genauer betrachten, was die Anforderungen beider Seiten sind.

Fakt ist zunächst, dass es keine speziellen “Wunderstoffe” gibt, die die Physik überlisten können. Besagte Produkte bestehen meist aus mehreren miteinander vernähten Lagen Stoff, die somit insgesamt dicker sind und dadurch selbstverständlich mehr Schall schlucken. Dennoch kann Stoff physikalisch bedingt nur Hochton absorbieren. Wenn du zu viel davon in deinem Raum unterbringst, erst recht wenn es solche speziellen schallabsorbierenden Stoffe sind, kannst du dir sehr leicht den Hochton überdämpfen, was den Klang deines Heimkino-Systems dumpf und muffig werden lässt.

Für HiFi und Heimkino will man möglichst das gesamte Frequenzspektrum gleichmäßig absorbieren, nicht nur den Hochton. Das geht nur mit wirksamen Absorbern von 5 oder besser 10 cm Stärke und noch tiefer mit Bassfallen bis 50 cm Stärke bzw. Kantenlänge. Den Tiefbass nehmen wir an dieser Stelle mal aus, da versagen auch dickere Absorber kläglich.

Spezielle schallabsorbierende Stoffe sind also toll, um Unterhaltungen mit dem Besuch angenehmer zu machen oder das Klappern der Teller in der Küche zu mindern. Für dein Heimkino sind sie unbrauchbar und in großen Mengen sogar schädlich. In jedem Fall gibt es keinen Grund, extra viel Geld dafür zu bezahlen.

Stoffe für Vorhänge

Besonders Vorhänge gehören neben Teppich zu den Hausmitteln zur Reduzierung des Nachhalls. Du kannst zum Beispiel Vorhänge in den Raumecken nutzen, um Kantenabsorber (auch bekannt als Basstraps) zu verstecken. Ich erinnere: Es ist egal, ob schon der Stoff eine Frequenz absorbiert, oder erst der Absorber dahinter. Vorhänge ohne weitere breitbandig absorbierende Maßnahmen sind jedoch in großen Mengen schädlich.

Aber manchmal geht es eben nicht anders und Vorhänge sind ja zugegebenermaßen auch besser als nichts. Außerdem: Vorhänge müssen oft weitere Anforderungen erfüllen, die nichts mit Akustik zu tun haben:

  • den Raum verdunkeln, also Tageslicht so gut es geht abschotten, weil dadurch der Kontrast auf der Leinwand extrem gesteigert wird
  • die Sonne reflektieren, also den Raum im Sommer möglichst kühl halten

Diese Anforderungen beißen sich nicht mit dem Wunsch, dass Vorhänge Schall absorbieren und so Reflexionen an einer seitlichen Fensterfront zumindest im Hochton entgegen wirken. Stoffe sind nicht weniger schallschluckend, nur weil sie blickdicht oder komplett lichtundurchlässig sind. Auch reflektierende Beschichtungen befinden sich nur zur Außenseite hin, während die Innenseite aus gewöhnlichem Stoff besteht.

Du bist also bei der Auswahl eines Vorhangstoffs nicht eingeschränkt – entscheide dich für den, der dir gefällt!

Tipp: Wähle als Breite eines Vorhangs ungefähr das 1,5-fache der tatsächlich abzuhängenden Strecke. Dadurch hängt der Vorhang auch im geschlossenen Zustand noch leicht gerafft. Sollte der Stoff wider Erwarten doch ein wenig vom Hochton reflektieren, so reflektiert er wenigstens diffus in alle Richtungen.

Stoffe in Überbreite

Wenn es darum geht, großflächige Absorber zu verstecken, etwa in einem Deckensegel, stößt du leicht an eine typische Grenze von Stoffen: die Bahnbreite. Stoffe werden in Bahnen von ca. 140–160 cm Breite gewebt. Das kommt daher, dass die bezahlbaren Maschinen dafür nur diese Breite ermöglichen. Stoffe mit 200 cm Breite und mehr benötigen erheblich teurere Maschinen.

Deshalb ist das Angebot an Stoffen mit Überbreite auch nicht besonders groß und der Preis meist höher. Viele Shops haben eine eigene Kategorie extra für Überbreiten.

Deckensegel mit Stoffbespannung in Übergröße.
Herausforderung angenommen: Deckensegel mit Stoffbezug in Übergröße

Beim Bau von Abdeckrahmen oder Absorbern solltest du daher immer darauf achten, eine Seitenlänge nicht größer als 140 cm werden zu lassen. Etwas Platz muss links und rechts noch bleiben, um den Stoff umschlagen bzw. tackern zu können. Anderenfalls schränkst du dich in der Stoffauswahl erheblich ein.

Um trotzdem ein Deckensegel mit einem 200×200 cm großen Absorber bauen zu können, kannst du die Verkleidung über mehrere getrennte Rahmen realisieren. Dabei kannst du auch gleich verschiedene Stofffarben verwenden, wenn gewünscht. So eine bewusste Unterbrechung in der Verkleidung sieht besser aus, als zwei zusammengenähte Bahnen.

Rückgaberecht beim Kauf von Stoffen im Internet

Eine Besonderheit gibt es weiterhin zu beachten, wenn du Stoffe in Online-Shops kaufst. Weil Stoffe praktisch immer Meterware sind und den Händlern auf großen Ballen vorliegen, wird dir deiner Bestellung entsprechend ein Stück passender Länge abgeschnitten. Das ist zunächst mal gut, weil du so die Chance hast, dass der Händler etwas großzügiger abschneidet und du so mehr für dein Geld bekommst. (Ob dir das etwas nützt, steht auf einem anderen Blatt.)

Das bedeutet aber auch, dass Stoffe als Meterware ein individuell auf den Kunden angepasstes Produkt sind. Das führt dazu, dass du als Verbraucher kein Widerrufsrecht nach § 312g Abs. 2 BGB hast. Zurückschicken geht also nicht, außer der Händler macht das auf Kulanz. Überlege dir deshalb immer genau, was du bestellst, und lies ggf. genau die Produktbeschreibung und AGB des Händlers.

Viele Shops bieten auch Stoffmuster bzw. Musterkoffer an, damit du dir vorab ein Bild von Farben, Mustern, Haptik und Qualität machen kannst. Auch diese Muster kosten oft einen kleinen Betrag, was sich aber auszahlen kann.

Damit weißt du nun so ziemlich alles, was es über Stoffe für den Heimkinobau zu wissen gibt. Eigentlich ist das gar nicht so schwer, denn wirklich aufpassen musst du nur bei ganz bestimmten Dingen:

  • Ist ein akustisch transparenter Stoff notwendig?
  • Soll der Stoff bedruckt werden?
  • Muss der Stoff eine andere wichtige Funktion erfüllen und steht diese den Interessen eines Heimkinos im Weg?

Wenn du das alles mit “nein” beantworten kannst, hast du die freie Auswahl und kannst dich voll und ganz auf Farben, Elastizität und Haptik konzentrieren. Wenn du hingegen eine dieser Fragen mit “ja” beantworten musst, kannst du dich darüber freuen, dass dir die Qual der Wahl nahezu erspart bleibt.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

2 Gedanken zu „Stoffe zur Verkleidung von Wänden und Absorbern

  1. Hallo Bert

    Vielen Dank für den gelungenen Beitrag. Hier noch ein interessanter Stoff, welcher speziell für die Schallabsorption entwickelt wurde. Optisch ist er von einem “normalen” durchsichtigen Vorhang nicht zu unterscheiden. Somit ist er perfekt für Wohnzimmer geeignet, in welchen die Optik eine wichtige Rolle spielt.
    Ich habe in meinem Wohnzimmerkino folgende Akustikvorhänge montiert: https://www.douglas-textiles.ch/acoustic/acoustic-fabric-streamer-pro/
    Der Hochtonanteil konnte ich somit auf einen sehr angenehmes Level reduzieren. Das allgemeine Wohnzimmerfeeling hat sich dadurch deutlich verbessert.

    Gruss
    Reymar

    1. Interessantes Produkt! Aber ich bezweifle stark, dass der Stoff bis 500 Hz runter volle 80% des eintreffenden Schalls absorbiert, wie es uns das Diagramm dort weismachen will. Man weiß halt nie sicher, wie das gemessen wurde. Dennoch sicher eine gute Lösung, wenn nichts anderes in Frage kommt.

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