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Wie du ein Basskonzept für dein Heimkino findest

Wenn du dich schon eine Weile mit deinem Heimkino beschäftigt hast, wirst du früher oder später über den Begriff Basskonzept gestolpert sein. Du hast bestimmt auch schon gemerkt, dass viele Heimkino-Enthusiasten nicht nur einen Subwoofer verwenden, sondern eine ganze Reihe davon. Was steckt also hinter einem Basskonzept?

Sehr rustikales Subwoofer-Chassis
Foto: Chris Sansbury auf Pixabay

Ich werde hier im Detail darauf eingehen, warum du möglicherweise ein Basskonzept brauchst und was das überhaupt ist. Weiterhin will ich dir die gängigen Basskonzepte für anspruchsvolle Heimkinos vorstellen und ihre Vor- und Nachteile erläutern.

Warum brauchst du ein Basskonzept?

Um die Idee hinter Basskonzepten besser zu verstehen, müssen wir uns kurz mit den physikalischen Grundlagen von Schall im Tiefbassbereich beschäftigen. Mit Tiefbass sind alle Frequenzen ab ca. 10 Hz (fühlbar) bzw. ca. 20 Hz (hörbar) bis hinauf auf mindestens 100 Hz gemeint. Bis zu welcher Frequenz genau, das hängt vom Raum ab und wird unter dem Begriff Schröderfrequenz genauer beschrieben. Für den Moment kann uns das aber mal egal sein.

Schallwellen werden im Tiefbass kugelförmig abgestrahlt – wie ein Ball, der sich ausdehnt. Das ist grundlegend anders als bei höheren Frequenzen, wo man vom Strahlenmodell bzw. einer mehr oder weniger trichterförmigen Ausbreitung ausgeht.

Diese kugelförmige Ausbreitung führt in geschlossenen Wohnräumen dazu, dass sich alsbald eine chaotische Suppe aus Direktschall und reflektierten Schallwellen im Raum ansammelt – in etwa so wie das Chaos aus Wellen an der Wasseroberfläche eines Pools. Reflektierte Wellen überlagern sich mit nachfolgenden Wellen und beginnen sich gegenseitig auszulöschen oder hochzuschaukeln, was zu nicht hörbarem Bass oder unerträglichem Dröhnen führt.

Auf irgendeine Weise wirken sich diese Effekte auch auf den wahrgenommenen (und messbaren) Bass an deinem Sitzplatz und möglichen anderen Sitzplätzen aus. Dieses Wellen-Chaos, erzeugt durch einen einzigen Subwoofer, ist der Grund dafür, warum du mit dem Bass in deinem Heimkino möglicherweise unzufrieden bist.

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Basskonzepte beinhalten normalerweise immer mehrere Subwoofer. Damit wird es möglich, der ungleichen, chaotischen Verteilung der Schallwellen im Raum entgegenzuwirken und sie in begrenzte Rahmen zu ordnen und zu lenken.

Nur einen einzigen Subwoofer an irgendeinem Punkt im Raum zu betreiben ist dennoch auch ein Basskonzept – wenn auch kein besonders gutes! Es ist nicht sonderlich vielseitig (außer die Position des Subwoofers zu verändern kannst du nicht viel machen) und es löst keines der typischen Probleme, die der Raum verursacht.

Ausdrücklich nicht Bestandteil der hier vorgestellten Basskonzepte sind Tuning-Maßnahmen am Subwoofer selbst oder durch zusätzliche elektronische Komponenten:

Derartige Stellschrauben sind mehr oder weniger unabhängig vom grundlegenden Basskonzept und können bzw. sollten immer nach Bedarf hinzugezogen werden.

Typische Basskonzepte

Ich gehe im Folgenden verschiedene Basskonzepte durch und erkläre, was die Idee dahinter ist. Die Reihenfolge der Konzepte beinhaltet kein Wertung – sie bedeutet also nicht, dass irgendeines der Konzepte “das Beste” ist. Es gibt nicht das beste Basskonzept. Es kommt immer auf deinen Raum an.

Ich habe diese Reihenfolge vielmehr gewählt, weil ich dich so schrittweise an die Idee hinter den einzelnen Konzepten heranführen kann und leichter erklären kann, wie und warum sie funktionieren. Legen wir also los.

Basskonzept: SBA – Single Bass Array

Ein Array ist im Allgemeinen eine Aneinanderreihung mehrerer gleichartiger Dinge. So spricht der Informatiker zum Beispiel von einem Array aus Integer-Werten (Ganzzahlen):

[ 4, 2, 1, 3 ]

In der gleichen Weise können wir von einem Array aus mehreren gleichartigen Subwoofern sprechen – einem Bass Array.

[ Subwoofer 1, Subwoofer 2, Subwoofer 3, Subwoofer 4 ]

Single Bass Array bedeutet also, dass wir es mit einer einzelnen Anordnung gleichartiger Subwoofer zu tun haben. Genau genommen könnte ein Array auch aus 2 Subwoofern bestehen, jedoch wird der Begriff SBA dafür noch nicht genutzt.

Das SBA ist eines der einfachsten Basskonzepte: 4 an der Front, jeweils bei ¼ der Raumbreite und Raumhöhe, mit Absorption an der Rückwand
Subwoofer in klassischer SBA-Aufstellung mit Absorption an der Rückwand

Entscheidend ist, dass mit diesen Subwoofern ein bestimmter Zweck erfüllt wird. Wir möchten eine durchgehende Wellenfront erzeugen, die sich durch den Raum schiebt. Im hinteren Teil des Raums wird diese Wellenfront dann passiv ausgelöscht – also zum Beispiel von entsprechend dicken Absorbern geschluckt.

Das SBA ist also der erste Schritt zum Basskonzept der durchgehenden Wellenfront.

Durchgehende Wellenfront

Tiefbass-Schallwellen aus einer einzigen Schallquelle breiten sich kugelförmig aus und erzeugen dadurch akustisches Chaos. Durch eine gleichmäßige Anordnung mehrerer Schallquellen, beispielsweise an der Frontwand, lassen sich diese Wellen jedoch in eine Richtung lenken.

Ist das Gitter aus Subwoofern eng genug, verbinden sich die kugelförmigen Wellen nach kurzer Zeit (wünschenswert wäre: vor der ersten Sitzreihe) zu einer durchgehenden Wellenfront, die sich von vorne nach hinten durch den Raum bewegt.

Dadurch werden die Raummoden, die sich aus der Höhe und Breite des Raums ergeben, weitestgehend aufgehoben – denn es gibt keine nennenswerten Reflexionen zwischen diesen Begrenzungsflächen mehr. Allerdings wird die gesamte Schallenergie auf die Raumlänge konzentriert, wodurch die Raummoden, die sich aus der Länge ergeben, maximal angeregt werden. Deshalb ist starke Absorption an der Rückwand angebracht.

Das Konzept der durchgehenden Wellenfront liegt vielen anderen Konzepten zugrunde, insbesondere auch dem DBA, auf das ich gleich zu sprechen komme. Weiterhin kann es auch bei einfacheren Konzepten zumindest ansatzweise zum Einsatz kommen, zum Beispiel indem statt einer Wellenfront eher sowas wie eine “Tonne” erzeugt wird

SBA von hinten nach vorne

Das Schöne am SBA ist, dass es bei Bedarf auch in einer anderen Richtung funktionieren kann. Wenn es aus Platzgründen nicht anders möglich ist, könnten die Subwoofer zum Beispiel an der Rückwand platziert werden. Die Absorption muss dann natürlich vorne im Raum stattfinden.

Das Basskonzept SBA kann auch von hinten nach vorne funktionieren.
Subwoofer in umgekehrter SBA-Aufstellung an der Rückwand, mit Absorption an der Front

Problematisch ist daran nur der Bereich der Trennfrequenz, also um etwa 80-120 Hz herum. In diesem Bereich wird der Bass sowohl von den Subwoofern als auch den Hauptlautsprechern wiedergegeben. Es wird also von vorne und hinten gefeuert. Das muss sehr gut aufeinander abgestimmt sein, damit es nicht zu Auslöschungen oder anderen unschönen Effekten kommt.

Sehr sinnvoll ist es zu diesem Zweck, die Flankensteilheit um die Trennfrequenz herum anpassen zu können, um den kritischen Bereich zu verkleinern. Dafür ist auf jeden Fall ein DSP und eine separate Endstufe mindestens für die Frontkanäle notwendig – mit gewöhnlichen AV-Receivern der Mittelklasse geht das in der Regel nicht.

SBA an einer Seitenwand

Wenn es der Raum verlangt, kann ein SBA auch “quer” funktionieren – von links nach rechts oder umgekehrt. Manchmal geben es die Platzverhältnisse eben nur so her, zum Beispiel bei einem quadratischen bzw. eher breiten Raum.

Gegenüber der Von-hinten-nach-vorne-Lösung ist das eher Vorteilhaft bei mehreren Sitzreihen. Jedoch wird der Bass auf den jeweils linken, mittleren und rechten Sitzplätzen immer ein wenig anders ausfallen. Die Abstimmung im Bereich der Trennfrequenz ist ähnlich schwierig.

SBA ohne Absorption

Subwoofer in SBA-Aufstellung: 4 an der Front, jeweils bei ¼ der Raumbreite und Raumhöhe, ohne Absorption an der Rückwand
Subwoofer in SBA-Aufstellung ohne Absorption an der Rückwand

In manchen Fällen ist ein SBA ohne rückseitige Absorption eine brauchbare Lösung. Das kommt gelegentlich in Wohnzimmern vor, wo die Rückwand aus einer größeren Fensterfläche besteht.

Der wesentliche Nachteil ist der, dass es nur einen sehr kleinen Bereich zwischen der Front- und Rückwand gibt, an dem der Bass dann für die gesamte Sitzreihe sehr gut ist. Du brauchst also äußerste Flexibilität bei der Wahl der Sitzposition. Die fehlende Absorption muss dann zumindest an der Front sichergestellt werden.

SBA an der Decke

Auf ähnliche Weise lässt sich ein SBA auch in die Decke integrieren. Bedingung ist hierfür, dass die gesamte Decke ein gutes Stück abgehängt wird und entsprechend flache Subwoofer zum Einsatz kommen.

Da starke Absorption auf dem Boden ausgeschlossen ist und sich die Ohrhöhe praktisch immer im Bereich um 90 cm über dem Boden herum befinden wird, ist die Raumhöhe bzw. der Abstand der Subwoofer vom Boden ausschlaggebend für das Ergebnis und kann nur wenig variiert werden.

Problematisch ist zudem, dass die Decke (Grundfläche) zumeist die größte Fläche eines Raums ist. Ein ausreichend enges Gitter, um rechtzeitig eine durchgehende Wellenfront von oben nach unten zu erzeugen, erfordert also eine ziemlich große Anzahl Subwoofer.


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Basskonzept: DBA – Double Bass Array

An die vorangegangenen Ausführungen anknüpfend haben wir es bei einem Double Bass Array mit einer doppelten Anordnung gleichartiger Subwoofer zu tun – also mit zwei Arrays.

[ Subwoofer 1, Subwoofer 2, Subwoofer 3, Subwoofer 4 ]
[ Subwoofer 5, Subwoofer 6, Subwoofer 7, Subwoofer 8 ]

Zwei dieser Arrays zu haben, könnte nun alles Mögliche bedeuten – zum Beispiel ein Array aus kleinen und ein weiteres aus großen Subwoofern (siehe unten, ungewöhnliche Basskonzepte), beide an der Front. Doch das ist nicht gemeint. Der Begriff DBA findet nur dann Gebrauch, wenn damit aktive Auslöschung realisiert werden soll.

Basskonzept-Klassiker: das DBA mit 4 Subwoofern an der Front, 4 an der Rückwand, jeweils bei ¼ der Raumbreite und Raumhöhe
Minimal-Konfiguration eines richtigen DBA: 4 Subwoofer an der Front, 4 an der Rückwand

Zunächst werden die Vorzüge der sich schnell ausbildenden, durchgehenden Wellenfront genutzt, wie sie auch beim SBA entsteht. Im Falle des DBA bildet sich diese Wellenfront sowohl von vorne als auch von hinten.

Anstatt jetzt beide Fronten in der Mitte des Raums einfach aufeinanderprallen zu lassen, wird das hintere Array invertiert (die Phase umgekehrt) und entsprechend der Raumlänge und Subwoofer-Wandabstände zeitverzögert.

Damit ist ein Double Bass Array die konsequenteste Ausführung des Basskonzeptes der aktiven Auslöschung.

Aktive Auslöschung

Mit aktiver Auslöschung ist gemeint, dass überschüssige Schallenergie nicht von Akustikelementen wie Absorbern oder Resonatoren passiv ausgelöscht wird (durch Reibung oder Kompression in Wärme umgewandelt wird). Stattdessen übernimmt ein weiterer Subwoofer einen aktiven Gegenpart. Er erzeugt sozusagen “Antischall”, der den eigentlichen Schall aufhebt.

Im Falle eines DBA heißt das: Wenn der Schall vom vorderen Array einen Überdruck durch den Raum schickt, der an der Rückwand reflektiert wird und wieder nach vorne wandert, schickt das hintere Array im richtigen Moment einen Unterdruck hinterher. Wenn alles richtig gemacht wird, heben sich Überdruck und Unterdruck gegenseitig auf und du hast perfekten, gleichmäßigen, trockenen Bass auf allen Sitzplätzen im Raum.

Wir werden später nochmal auf das Konzept der aktiven Auslöschung zurückkommen.

DBA Light / Pseudo-DBA / Nubert-DBA

Weil ein Double Bass Array einen relativ hohen Hardware-Aufwand bedeutet und im Wohnzimmer zumeist keine Akzeptanz findet, erfreut sich eine Art „DBA Light“ zuweilen großer Beliebtheit. Unter dem Begriff „Pseudo-DBA“ (kein richtiges DBA, aber irgendwie die Idee davon) oder gelegentlich auch „Nubert-DBA“ (da es der Lautsprecher-Entwickler Günther Nubert als einer der ersten empfohlen haben soll) lässt sich mit vertretbaren Hardware-Anforderungen in manchen Räumen ein schon ziemlich gutes Ergebnis erzielen.

Die Pseudo-DBA-Aufstellung als relativ beliebtes Basskonzept: 2 Stück an der Front, 2 Stück an der Rückwand, jeweils auf dem Boden und bei ¼ der Raumbreite
Subwoofer in der Pseudo-DBA-Aufstellung

Die Funktionsweise und Abstimmung der Subwoofer untereinander ist gegenüber der eines richtigen DBA weitestgehend identisch. Der wesentliche Unterschied ist der, dass alle Subwoofer (in der Regel 2 vorne und 2 hinten) auf dem Boden verbleiben.

Die Ausbildung einer durchgehenden Wellenfront ergibt sich dadurch nicht ganz so perfekt; die Wirkung beschränkt sich eher auf die untere Hälfte des Raumes, während sich zwischen Boden und Decke nach wie vor Raummoden bilden. Dennoch ist diese Lösung häufig weitaus besser als Konzepte mit weniger Subwoofern.

Warum ein DBA nicht immer die beste Lösung ist

Ein Double Bass Array ist zweifellos ein geniales Konzept, das vielen Heimkinos den perfekten Bass beschert. Das hat aber auch dazu geführt, das ein maßloser “Hype” um dieses Konzept entstanden ist. Wann immer jemand nach einem Basskonzept fragt, wirft jemand das DBA als das Allheilmittel in den Raum, ganz gleich, ob es wirklich sinnvoll ist oder nicht.

Nüchtern betrachtet hat das DBA einen sehr großen Vorteil:

  • nahezu perfekter Bass auf allen Punkten im Raum

Das ist natürlich nicht zu unterschätzen.

Dennoch dürfen auch einige Nachteile nicht unerwähnt bleiben:

  • extremer Hardware-Aufwand (doppelte Anzahl Subwoofer, doppelte Endstufenleistung, DSP, Aufwand zur Einmessung)
  • höhere Stromrechnung
  • starke Einschränkungen bei der Raumnutzung (insbesondere die Rückwand wird komplett belegt)
  • in der Realität eben doch nicht ganz perfekte Wirkung

Die “nicht ganz perfekte Wirkung” ergibt sich aus zwei wesentlichen Effekten:

  1. Durch Reibungsverluste entlang der Seitenwände, der Decke und durch Hindernisse im Raum. Dort wird der Schall abgebremst bzw. gestört. Wie ein Stück Kreide, das sich abnutzt, während es an der Tafel entlangfährt.
  2. Zudem benötigt die durchgehende Schallfront eine gewisse Strecke, bis sie sich voll ausgebildet hat. Das hintere Array reißt also immer zuerst mehrere Löcher in die reflektierte Welle, die es auszulöschen gilt. Häufig befindet sich die hintere Sitzreihe zu nah an diesem Punkt.

Weiterhin muss der Raum möglichst gut dafür geeignet sein. Er muss lang genug sein und im Wesentlichen symmetrische Wände haben – eigentlich ein perfekter Quader. Jede Asymmetrie oder Abweichung von diesem Ideal macht das System schwieriger abzustimmen und bewirkt ein ungenaueres Ergebnis.

Am Ende erreichst du vielleicht nur noch 70-80% dessen, was ein DBA eigentlich leisten könnte. Dafür den vollen Hardware-Aufwand und alle weiteren Nachteile in Kauf zu nehmen ist möglicherweise keine kluge Entscheidung – gerade wenn ein SBA auch schon sehr gute Dienste leisten würde.

Ich rate keinesfalls davon ab, ein DBA umzusetzen. Aber du solltest es dir gut überlegen, ob es in deinem Raum wirklich sinnvoll ist.

Basskonzept: Diagonale Aufstellung

Wenn die Anzahl der Subwoofer und die übrige Hardware für ein SBA oder DBA einfach zu viel des Guten ist (für den Geldbeutel, für das Wohnzimmer), gibt es kleinere Basskonzepte, die als gute Alternative herhalten können. Zwar sind diese nicht mehr die erste Wahl, aber immer noch um Längen besser als ein einzelner Subwoofer. (Denk immer daran: So ziemlich alles ist besser als nur ein Subwoofer.)

Die Rede ist hier vor allem von diagonalen Aufstellungen. Das heißt: die eine Hälfte der Subwoofer steht vorne, die andere hinten, genau spiegelverkehrt, bzw. so, als hättest du dich einfach in der Raummitte stehend um 180° gedreht.

Auch hier kommt wieder aktive Auslöschung zum Einsatz. Wie schon beim DBA wird also auch bei diesem Basskonzept ein DSP benötigt, das den/die vorderen und hinteren Subwoofer perfekt aufeinander abstimmt. Die im AV-Receiver integrierten Einstellmöglichkeiten genügen hier bestenfalls gerade so, und auch nur dann, wenn beide Subwoofer-Ausgänge vollkommen getrennt voneinander konfiguriert werden können.

Vorne / hinten

Bereits mit 2 Subwoofern kann der Spaß beginnen: einer vorne links, der andere hinten rechts – oder umgekehrt. Je nachdem, was der Raum daraus macht, musst du ein wenig mit den Abständen zu den Raumecken spielen.

Basskonzept diagonale Aufstellung: ein Subwoofer vorne links, einer hinten rechts, auf dem Boden, jeweils bei ¼ der Raumbreite
Subwoofer in diagonaler Aufstellung: vorne links und hinten rechts

Aber auch eine diagonale Aufstellung entlang der Seitenwände kommt in Frage. In vielen Räumen befindet sich eine sehr gute Position für einen einzelnen Subwoofer im vorderen Bereich an einer der Seitenwände. Diese Position lässt sich deshalb auch sehr gut als Ausgangspunkt für eine diagonale Aufstellung verwenden.

Der Einfachheit halber stehen beide Subwoofer ganz klassisch auf dem Boden. Das macht gerade diese Lösung für viele Wohnzimmer interessant.

Vorne / hinten + oben / unten

Genau genommen müsste man die diagonale Aufstellung aber nicht nur auf die Länge und Breite des Raums beziehen, sondern auch in der dritten Dimension denken: die Raumhöhe mit einbeziehen.

Subwoofer in diagonaler Aufstellung: einer vorne links unten, einer hinten rechts oben, jeweils bei ¼ der Raumbreite
2 Subwoofer in diagonaler Aufstellung

Das heißt konkret: Entweder der vordere oder der hintere Subwoofer müsste direkt unter der Decke hängen. Erst auf diese Weise würde er den perfekten Gegenpol zum anderen Subwoofer auf dem Boden bilden. Eigentlich logisch, oder?

Vorne / hinten als Säule

Eine weitere Variante der diagonalen Aufstellung benötigt schon wieder mehr Subwoofer – mindestens vier. Genau wie beim SBA bzw. DBA werden 2 Subwoofer übereinander bei jeweils 1/4 der Raumhöhe platziert. Insbesondere in kleinen Räumen bietet es sich an, das Gitter enger zu machen und noch einen dritten Subwoofer in jedes Array zu stecken.

Das Basskonzept der diagonalen Aufstellung noch konsequenter: 2 Subwoofer an der Front, 2 Stück an der Rückwand, jeweils bei ¼ der Raumbreite und ¼ der Raumhöhe
4 Subwoofer in diagonaler Aufstellung

Es entstehen also 2 diagonal im Raum angeordnete Subwoofer-Säulen. Die Idee ist hierbei, das Konzept der durchgehenden Schallfront zumindest in einer Raumdimension (der Höhe) anzuwenden. Dadurch entsteht zwar keine glatte Schallfront, aber zumindest eine Tonne anstatt einer Kugel. Raummoden-Effekte, die sich aus der Raumhöhe ergeben, werden so bereits weitestgehend eliminiert.

Dieser Ansatz ist immer dann interessant, wenn sich ein richtiges DBA aufgrund gewisser Gegebenheiten im Raum nicht realisieren lässt, beispielsweise weil sich eine Tür an der Rückwand oder ein Kaminschacht in einer Ecke befindet.

Basskonzepte wie diese, welche nicht zwingend eine Unmenge an Subwoofern auffahren, sind gut geeignet,

  1. um einerseits schon in die professionellere Ecke der passiven Subwoofer einzusteigen, wo du mehr Kontrolle bekommst (die du auch brauchst),
  2. um dennoch auf fertige Produkte setzen zu können (keine Bausatz- oder Selbstbau-Lösungen), die von Haus aus gut aussehen und deshalb einfach ins Wohnzimmer gestellt werden können.

Eine Empfehlung für einen schönen & passiven Subwoofer wäre der AperionAudio Theatrus TS15 – eine echte Urgewalt mit neutralem Design.

Basskonzept: Symmetrische Aufstellung

Eine symmetrische Aufstellung ist eigentlich das einfachste Basskonzept, das sich mit nur 2 Subwoofern realisieren lässt. Beide Subwoofer werden symmetrisch zum Gesamtsystem bzw. zum Raum aufgestellt, zum Beispiel an der Front.

Symmetrie kann in diesem Fall zwei unterschiedliche Sachen bedeuten:

  • Symmetrisch zur Mittellinie durch das Heimkino-System: Hier verläuft die Spiegelachse aus dem Center nach hinten, egal wo sich der Center im Bezug auf den Raum befindet.
  • Symmetrisch zur Mittellinie des Raums: Bass interessiert sich herzlich wenig für die Aufstellung deiner übrigen Lautsprecher. Für ihn ist immer nur das rohe Raummaß interessant (i.d.R. auch ohne Trockenbaumaßnahmen) und wie die Subwoofer relativ dazu angeordnet sind.

Im Idealfall sollten die Mittellinie durch das Heimkinosystem und die Mittellinie durch den Raum identisch sein. Dann ist das System nicht nur in sich symmetrisch, sondern auch symmetrisch im Raum aufgestellt — Idealzustand! In einem Großteil der Wohnzimmer und auch in vielen dedizierten Kinoräumen ist das leider nicht in Vollendung möglich.

Symmetrische Aufstellung an der Front

Zwei Subwoofer an der Front werden sehr häufig realisiert – aber weniger, weil das ein besonders gutes Basskonzept wäre. Es ist nur einfach sehr gefällig fürs Auge und fürs Ego, wenn die beiden Brummer da vorne links und rechts zwischen Center und Frontlautsprechern stehen.

2 Subwoofer in symmetrischer Aufstellung, auf dem Boden, jeweils bei ¼ der Raumbreite
2 Subwoofer in symmetrischer Aufstellung an der Frontseite des Raums

Eine durchgehende Schallfront ergibt sich dadurch noch nicht – sondern eher sowas wie eine liegende Vierteltonne, die sich nach hinten und oben ausbreitet.

In dem Fall, das die Symmetrie der Subwoofer zum Raum eingehalten wird (gleicher Abstand zur linken und rechten Seitenwand) kann es zu unschönen Auslöschungen entlang der Mittellinie durch den Raum kommen, die dann wahrscheinlich genau deinen Hauptsitzplatz treffen. Du wirst also in der Mitte möglicherweise weniger Bass haben, als auf nebenstehenden Sitzplätzen. Das macht dieses Konzept so fragwürdig.

Symmetrische Aufstellung hinten im Raum

2 Subwoofer in symmetrischer Aufstellung an der Rückwand, auf dem Boden, jeweils bei ¼ der Raumbreite
2 Subwoofer in symmetrischer Aufstellung an der Rückwand

Gerade in vielen Wohnzimmern bietet es sich an, diese symmetrische Aufstellung stattdessen hinten im Raum vorzunehmen. Das ist besonders praktisch, wenn die Subwoofer so hinter dem Sofa verschwinden können.

Es gelten ähnliche Einschränkungen wie schon beim rückwärtigen SBA, was die Abstimmung der Subwoofer auf die Hauptlautsprecher angeht. Das ist aber ehrlicherweise auch nicht schlimmer, als bei einem einzelnen Subwoofer, der irgendwo hinten im Raum untergebracht wird.

Ungewöhnlichere Basskonzepte

Darüber hinaus kann es viele weitere Basskonzepte geben, die dann zunehmend ungewöhnlicher werden. Es schadet aber nicht, zumindest mal davon gehört zu haben. Eines davon will ich dir hier noch schnell vorstellen.

Mehrere unterschiedliche Subwoofer

Es heißt ja eigentlich, dass man durchgehend nur lauter Subwoofer absolut identischer Bauart verwenden soll. Das sollte klar sein, denn die meisten der hier vorgestellten Basskonzepte funktionieren nur, wenn sich alle verwendeten Subwoofer absolut gleich verhalten.

Dennoch gibt es Lösungen, die zum Beispiel im Rahmen eines SBA oder DBA eine Kombination aus unterschiedlichen Subwoofern bilden. Hier könnten beispielsweise 2 sehr große und 8 kleinere Subwoofer an einer Wand unterkommen.

  • Die großen Subwoofer übernehmen den absoluten Tiefton bzw. sogar den Infraschall-Bereich.
  • Die kleineren Subwoofer kümmern sich um den etwas höheren Tiefbass hinauf bis zur Übernahme durch die Hauptlautsprecher.

Diese Lösung hat durchaus ihren Reiz, weil so die allertiefsten Frequenzen nochmal durch ein separates technisches Setup gezielt angesteuert werden können.

Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass so nochmal eine weitere Trennfrequenz hinzukommt. Nicht nur diejenige zwischen Hauptkanälen und Subwoofer kommt dann zum Tragen, sondern eine zweite zwischen den großen und kleinen Subwoofern. Trennfrequenzen sind immer problematisch, weshalb man diese eigentlich vermeiden will. Eine Lösung könnte sein, die großen Subwoofer nur als Ergänzung mitlaufen zu lassen.

So oder so ist das schon kein einfaches Basskonzept mehr. Du solltest dafür schon sehr genau wissen, was du tust und wie die verschiedenen Subwoofer zusammenarbeiten. Eine Empfehlung gibt es deshalb von mir ganz klar nicht.


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Basskonzept immer individuell auf den Raum abstimmen!

Du hast hier nahezu alle im Heimkino üblichen Basskonzepte kennengelernt. Eine klare Aussage, welches davon nun das Beste ist, lässt sich nicht treffen. Es gibt nicht das beste Basskonzept.

Es kommt immer darauf an, was dein Raum ermöglicht und wie gut er ein Basskonzept bei der vorgesehenen Nutzung als Heimkino oder Wohnraum überhaupt unterstützt. Wie schon weiter oben erwähnt: Wenn sich der Raum einem bestimmten Basskonzept partout nicht “fügen” will, ist das wahrscheinlich nicht die richtige Lösung dafür.

Ich habe in den vielen Jahren, seit ich Heimkinos plane, vor allem immer wieder eines festgestellt: Sehr viele Räume “verlangen” geradezu nach einem bestimmten Basskonzept. Sie rufen förmlich danach, “bau hier ein SBA ein!” Das klingt vielleicht ein bisschen verrückt, aber wenn du mal genug Raumpläne vor der Nase hattest, wirst du vielleicht verstehen, was ich meine.

Unterschätze zumindest nicht die Wirkung eines guten Basskonzepts, insbesondere gegenüber einem einzelnen Subwoofer. Mehrere Subwoofer sind so gut wie immer die bessere Option.

5 Kommentare zu „Wie du ein Basskonzept für dein Heimkino findest“

  1. Hallo Bert,

    klasse Artikel, du verkaufst einem das DBA zur Abwechslung mal nicht als Heiligen Gral der Basskonzepte. Erfrischend…

    Zum Thema DBA und/oder SBA hab ich mal ne grundsätzliche Frage: wie entscheidend ist es, welche Art Subwoofer ich wähle?
    Z.B. sollte ich bei 4 Subs an der Front ja quasi die Wand in beide Richtungen vierteln und daran die Positionen bestimmen. Klingt demnach schonmal so, dass nur Frontfire Sinn macht, woran soll man sonst ausrichten?!
    Aber weiter gedacht, würde ja z.B. ein Port oder eine Passivmembran an der Unterseite diese Positionierung wieder in gewisser Weise Stören.

    Hast du solche Fälle schon erlebt und könntest mal diene Erfahrungen dazu teilen?

    Wäre super, vielen Dank schonmal!
    LG, Marv

    1. Hi Marv,

      aus meiner Sicht machen nur passive Frontfire-Subwoofer für SBA und DBA Sinn. Alles andere erzeugt nur wieder neue Probleme, die man lieber nicht haben möchte. Weiterhin würde ich nur auf geschlossene Subs setzen, weil diese besser kontrollierbar sind. Zudem ist eine geringe Tiefe u.U. entscheidend, um Platz zu sparen.

      Aber genau dafür gibt es ja zum Beispiel den BS12-Bausatz. 😉

  2. Für ein SBA mit 4 Subs am Boden. Was ist der maximale Abstand von Sub zu Sub, um eine vernünftige Wellenfront zu bekommen. Trennfrequenz unter 100Hz. Abstand zur Hörposition 3,5m. Klappt das überhaupt auf der kurzen Distanz?

    1. Das klappt schon. Wenn die so 1 m Abstand haben reicht das locker. Fraglich ist eher, ob alle am Boden einen Sinn haben. Mit 4 Subwoofern würde ich da eher mal über das Pseudo-DBA nachdenken.

      Hängt aber natürlich alles auch sehr stark vom Raum ab.

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