Raumakustik im Heimkino verbessern

Diffusoren: Funktionsweise, Berechnung und Selbstbau

Neben Absorbern gibt es eine weitere Maßnahme zur Verbesserung der Raumakustik, die häufig auf Bildern von Heimkinos, Studios und Musikzimmern zu sehen ist: Diffusoren. Sie haben eine gänzlich andere Funktionsweise als poröse Absorber, und erfüllen doch einen ähnlichen Zweck.

Seitliches Profil von Skyline-Diffusoren.

In diesem Artikel lernt Ihr die Funktionsweise von Diffusoren näher kennen. Wir sehen uns außerdem an, wie Diffusoren berechnet werden, damit sie wie erwartet funktionieren. Zuletzt werfen wir einen Blick auf den Eigenbau der zwei beliebtesten Arten von Diffusoren.

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Aufgabe und Funktionsweise von Diffusoren

Schall verhält sich an einer Wand wie das Licht in einem Spiegel – der Einfallswinkel entspricht auch dem Ausfallswinkel. Beschallt man einen unbehandelten Raum, so wird der Schall hart an den Begrenzungsflächen reflektiert. Dabei kann die Reflexion genauso klingen wie das Direktsignal selbst, die Reflexion kommt lediglich aus einer anderen Richtung. Dabei verschlechtert sich die Lokalisation massiv, es wird keine Bühne aufgebaut und man kann die Instrumente nicht eindeutig orten.

Es gibt verschiedene Wege, dieses Problem in den Griff zu bekommen: entweder durch Absorption mittels poröser Absorber oder durch Diffusion. Gerade in Abhörräumen, Studios oder Musikzimmern ist es oft nicht gewünscht, den kompletten Raum mit Dämmmaterial zu behandeln, da dies auf Kosten der Lebendigkeit geht.

Das menschliche Gehör hat im Laufe der Evolution Mechanismen entwickelt, um sich an Räume und ihre Akustik zu gewöhnen. Wenn Ihr Euch mit verbunden Augen in einer Kirche aufhaltet, kann Euer Gehör in Verbindung mit dem Gehirn ungefähr bestimmen, wie groß der Raum sein muss. Das funktioniert hauptsächlich über die Nachhallzeit und erlernte Reflexionsmuster.

Absorbiert man den Nachhall in einem Raum, reduziert sich die Nachhallzeit im Idealfall über den kompletten Frequenzbereich. Bei stark bedämpften Räumen erwartet das Gehirn aber aufgrund der Größe ein anderes Schallereignis und ist dann verwirrt. Dadurch kann der Raum schnell tot und sehr ungewöhnlich klingen. Viele Menschen fühlen sich in überdämpften Räumen unwohl. Im schlechtesten Fall befestigt man Teppich oder einfachen Noppenschaum an der Wand und schluckt so nur den Hochton, anstatt, wie eigentlich wünschenswert, das gesamte Frequenzspektrum.

Aus diesem Grund wählt man entweder eine Mischung aus Absorbern und Diffusoren oder man behandelt den Raum nur mit Diffusoren. Das hat den Vorteil, dass man die Lebendigkeit erhalten kann, aber die harten Reflexionen aufgesplittet werden. Aus einer harten Schallwelle werden viele kleine — oder aus viel punktueller Energie werden viele kleine Energiestrahlen, die man auch leichter in Absorber leiten kann.

Merke: Diffusion ist immer besser als eine harte Reflexion, denn sie werden sowohl qualitativ als auch quantitativ besser im Raum verteilt!

Berechnung von Diffusoren

Es steht unterschiedliche Software zur Verfügung um einfach, schnell und unkompliziert einen Diffusor zu berechnen. Zu empfehlen ist hierfür die kostenlose Software QRDude.

Wichtig ist es, sich von vorneherein Gedanken zu machen, was mit dem Diffusor erreicht werden soll – also in welchem Frequenzbereich er wirken soll und wie viel Fläche er an der Wand oder Decke einnehmen kann.

Es gibt verschiedene Arten von Diffusoren:

  • Primitive Root Diffusoren (PRD)
    • 1D-PR-Diffusoren
    • 2D-PR-Diffusoren („Skyline Diffusoren“)
  • Quadratic Residue Diffusoren (QRD)
    • ­1D-QR-Diffusoren
    • 2D-QR-Diffusoren
  • Maximalfolgendiffusoren

Im wesentlichen sollen hier 1D-QR-Diffusoren und 2D-PR-Diffusoren besprochen werden. Der wesentliche Unterschied zwischen Primitive Root und Quadratic Residue sind die zusätzlichen Zwischenwände (Finnen) bei letzteren. Ein 2D-PR-Diffusor sieht demnach wie die typische Skyline aus, während ein 2D-QR-Diffusor mehr wie ein Setzkasten mit verschieden tiefen Fächern wirkt. Bei QR-Diffusoren ist der Wirkungsgrad etwas höher.

Geöffnete Ansicht eines 1D-QR-Diffusors.
Aufbau eines 1D-QR-Diffusors
Frontale Ansicht eines 2D-QR-Diffusors.
Aufbau eines 2D-PR-Diffusors

Quadratic Residue bedeutet „der quadratische Rest“. Dies hat mit der Formel und der Berechnungsweise des Diffusors zu tun. Es wird eine Zahl quadriert, durch eine Primzahl dividiert und nur der Rest genommen, der übrig bleibt. Die Formel zur Berechnung lautet:

d = n² mod p

Ich möchte nicht weiter auf die Berechnung eingehen, da das für die Verwendung der Software nicht relevant ist. Das läuft im Hintergrund ab. Was man dazu aber wissen sollte: Die Primzahl kann zwar frei gewählt werden, hat aber Einfluss auf die untere Grenzfrequenz.

Die Tiefe ist auch ein entscheidender Faktor bei der Wahl. Die untere noch wirksame Grenzfrequenz hängt nämlich von der Tiefe des Bauteils ab.

Merke: Aufgabe eines Diffusors ist es, den Schall in einem möglichst großen Frequenzbereich gestreut zu reflektieren.

Einsatzgebiete von 1D- und 2D-Diffusoren

1D-Diffusoren werden oft an Seiten und Rückwänden verwendet, um die Energie auf ihrer horizontalen Achse zu halten. Eine Streuung nach oben und unten findet nicht statt. Gerade im Heimkino ist es sinnvoll, die Übergänge von den Surround-Lautsprechern akustisch kleiner zu halten. Es klingt eher wie aus einem Guss und die Übergänge von Lautsprecher zu Lautsprecher sind nicht zu hart — man schließt Schalllöcher.

2D-Diffusoren werden oft an der Decke eingesetzt, um in 2 Achsen zu reflektieren. Das Ergebnis ist eine Art akustische Glocke, bei der man vom Sound umhüllt wird.

Da Schallwellen umgelenkt werden, kann bei einem nicht weiter behandeltem Raum, der Raum selbst größer klingen als er ist, da der Weg der Schallwellen länger wird.

In Tonstudios wird gerne das Konzept LEDE (Live End, Dead End) eingesetzt. Dabei wird der vordere Teil absorbierend ausgelegt und der hintere Teil reflektierend.

Achtung: Dies ist kein akustisches Rezept! Ein Raum bzw. ein Konzept muss immer individuell ausgearbeitet werden.

Das sind nur zwei von vielen Möglichkeiten die man hat, dennoch werden diese sehr häufig eingesetzt.

Anleitung für den Bau

Das schöne an Diffusoren ist, dass man sie relativ leicht selbst bauen kann. Es kommt im Wesentlichen nur darauf an, die berechnete Form exakt einzuhalten, damit der Diffusoren seine Aufgabe wie vorgesehen erfüllt. Alles weitere ist reine Fleißarbeit.

Material

Fertiglösungen bestehen häufig aus Leichtbaumaterial, wie aufgeschäumtem Styropur (EPS/XPS). Der Vorteil dabei ist das geringe Gewicht bei der Überkopfmontage.

Ein Diffusor muss aber eine schallharte Oberfläche besitzen, um ein möglichst großes Frequenzspektrum zu reflektieren. Dafür eignen sich hauptsächlich viele Holzarten. Theoretisch würde aber auch Metall oder Glas funktionieren, auch wenn das natürlich schwieriger zu verarbeiten ist.

Ihr solltet aber darauf achten, eine Holzart zu wählen, die nicht viel Wasser aufnimmt, weil das sonst unter Umständen zu schimmeln beginnt. Ein guter Anhaltspunkt ist, sich für Holz zu entscheiden, das auch für eine Sauna geeignet wäre — zum Beispiel nordische Fichte.

Bei den 1D-Diffusoren kann Styrodur unterbaut werden. Das hat den Vorteil, dass man die Zwischenbretter beim Leimen darauf ablegen kann.

Abmessungen

Je größer die Fläche von einzelnen Diffusoren oder auch Verbunden aus mehreren Diffusoren, desto effizienter ist die Funktion. Es bringt nichts, wenn ein einzelner Diffusor an einer Wand hängt. Dafür ist das Verhältnis zu gering und Ihr werdet keinen Unterschied hören und messen können.

Materialstärke

Wichtig ist es, dass der Diffusor eine gewisse Eigenstabilität aufweist. Das geht bei der Rückseite los. Ich empfehle hier mindestens 15 mm Materialstärke, besser noch 18 mm. Bei den Stellbrettern (Fins) sollten es mindestens 6 mm sein, besser 8 mm. Die Abmessungen kommen aber auch auf das Verhältnis an und in welchem Frequenzbereich der Diffusor spielen soll. Das wird Euch aber die Software sagen.

Werkzeug und Verarbeitung

Ihr benötigt jede Menge Schraubzwingen, einen Band- ­oder Schwingschleifer, Holzleim, Runddübel oder Lamellos, eine Dübelfräse, eine Kappsäge und eine Handkreissäge. Zusätzlich ist eine Tischkreissäge zu empfehlen.

Natürlich könnt Ihr auf die Sägen verzichten und Euch das Holz gleich im Baumarkt fertig zusägen lassen. Dazu solltet Ihr aber alle Maße vorher sauber notieren, damit der Mitarbeiter am Holzzuschnitt keinen Anfall bekommt.

Vorgehensweise

Zuerst sägt Ihr Euch die Grundplatte zu. Das ist beim 1D- und 2D-Diffusor der gleiche Vorgang.

1D-QR-Diffusoren

Ein im Bau befindlicher 1D-QR-Diffusor, bei dem bereits mehrere Etagen verleimt wurden.

Als nächstes solltet Ihr die Seitenbegrenzung sägen, dies sollte das gleiche Material sein, wie auch der Boden, um dem Kasten Stabilität zu verleihen. Zwei Seitenwände, die sich an einer Ecke treffen, sollten zuerst verschraubt und verdübelt werden. Bevor es weiter gehen kann muss der Leim trocknen und mit Schraubzwingen fixiert werden.

Nun habt Ihr einen Anschlag an zwei Seiten des Diffusors. Darin könnt Ihr nun das erste zugesägte Styrodurteil auflegen. Das erste Stellbrett kann danach senkrecht eingeklebt werden.

Ein im Bau befindlicher 1D-QR-Diffusor, der mit Schraubzwingen und Spanngurten fixiert wurde.

Habt Ihr diese Vorgänge wiederholt bis Ihr auf der anderen Seite angekommen seid, dann gilt es jetzt, die anderen beiden Seitenbegrenzungen zu fixieren und zu kleben. Am besten Ihr spannt das Ganze mit großen Schraubzwingen oder mit Spanngurten zusammen.

Dann entfernt Ihr alle Zwingen und Spanngurte und schleift die Kanten und die Übergänge. Gerne könnt Ihr auch die Kanten mit einer Oberfräse und einem 45-Grad- oder Radienfräser brechen. Falls der Diffusor sichtbar ist, könnt Ihr diesen lackieren, um ein optisches Highlight zu schaffen.

2D-PR-Diffusoren

Der Bau von 2D-Diffusoren macht Spaß, ist aber eine Fleißaufgabe. Ihr kürzt dabei hauptsächlich Holzlatten und achtet darauf, wohin die entstandenen Klötze verleimt werden. QRDude gibt Euch eine schöne Übersicht, wie viele Klötze Ihr mit welcher Länge benötigt.

Am wenigsten durcheinander kommt Ihr, wenn Ihr die Klötze zur Probe aufbaut und nach einer Kontrolle Stück für Stücke alle miteinander verleimt. Dazu klebt Ihr die Klötze auf die Grundplatte und wenn möglich auf die sich treffenden Flächen, um eine Stabilität untereinander zu erzielen.

Das ist schon alles — keine große Sache, wenn man den Dreh einmal raus hat. Nur ist das eben mit viel Sägearbeit und Holzstaub verbunden.

Brauchst du überhaupt Diffusoren?
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Ein Diffusor ist eine gute Möglichkeit, Eure Raumakustik zu verbessern. Der Selbstbau ist relativ einfach, wenn man Spaß an der Arbeit mit Holz hat. Zudem sehen Diffusoren einfach cool aus und beeindrucken besonders unerfahrene Gäste.

Zubeachten ist letztendlich noch, dass Diffusoren ein wenig Platz brauchen, um richtig funktionieren zu können. In sehr kleinen, engen Räumen kann sich der Schall nicht ausreichend entfalten, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Wenn Ihr also ein Platzproblem habt, ist es ratsam, die verfügbaren Flächen lieber für Absorption durch poröse Absorber zu nutzen.

24 Gedanken zu „Diffusoren: Funktionsweise, Berechnung und Selbstbau

  1. danke für deinen super artikel,
    habe schon viele ideen im kopf…. leider zu wenig zeit um es in meinem „fantasietempo“ zu realisieren…
    im moment liegt mei schwerpunkt beim design, und hoffe das die diffusoren auch so einen positiven einfluss auf die raumakustik nehmen, wenn auch nicht 100% perfekt im akustischen sinne

    über ein kurzes feedback wäre ich dir sehr dankbar

    liebe Grüsse nick

  2. Die Audioszene lebt von Beiträgen wie diesem, deshalb auch von mir nochmal ganz herzlichen Dank für die tollen Anregungen und Erklärungen.
    Eine Frage habe ich noch: Verstehe ich richtig, dass es bei gegebener Breite immer besser ist, einen entsprechend breiten 1D QR Diffusor mir mehr Vertiefungen zu bauen als zB zwei mit jeweils nur der Hälfte nebeneinander zu hängen? Man könnte ja laut QRDude in beiden Fällen denselben Frequenzbereich abdecken, aber ich vermute, dass es für das Stereobild besser ist, wenn man einen großen baut, da die ja immer symmetrisch aufgebaut sind. Liege ich da richtig?

    Vielen Dank nochmal und herzliche Grüße!

    Clemens

    1. Hallo Clemens,

      mehr Fläche (insbesondere in der Breite) vergrößert den Bereich, für den der Diffusor optimal wirkt (mehr Sitzplätze abgedeckt). Größere Tiefe vergrößert den Frequenzbereich nach unten. Beides hat Wechselwirkungen je nach Berechnung. Es ist also durchaus eine gute Idee, beide Größen so gut es geht auszureizen.

  3. Hallo, eine sehr informative Seite. Man hat regelrecht Freude am lesen.

    Meine Frage wäre, ich habe ein Musikzimmer in dem ich Schallplatten über eine HiFi Anlage genieße. Natürlich Stereo. 🙂

    Zwei Bassabsorber 60x60cm müssen nur noch bespannt werden und kommen dann in die Raumecken hinter den Standlautsprechern.

    Absorber für die Erst-Reflexionen sind auch schon in Planung. Ich weiß noch nicht ob ich auch welche für die Zweit-Reflexion baue.

    Meine Frage Bezüglich der Diffusoren ist, wenn ich gerade im Musik Bereich zu viel absorber verwende, kann ja die Räumlichkeit der Musik darunter leiden.

    Macht es da Sinn zusätzlich Diffusoren zu bauen? Wenn ja wo sollte man welche Bauart Positionieren? An der Rückwand bzw. Decke, oder macht an der Decke ein Deckensegel mehr Sinn?

    Vielen Dank!

    1. Hallo Kai-Uwe,

      für Musik in Stereo macht das durchaus Sinn. Welche Diffusoren und wo, das kommt eben darauf an, was du erreichen willst. Normalerweise nimmt man 1D-Diffusoren auf Ohrhöhe an der Rückwand und/oder hinteren Seitenwänden, oder 2D-Diffusoren im oberen Bereich der Wände oder an der Decke.

      1. Vielen Dank Bert,

        Ich möchte meine Raumakustik verbessern, aber den Raum nicht zu doll dämpfen. Das musikalische soll halt nicht drunter leiden bzw verloren gehen.

        Rückwand wird schwierig, (müsste ich aufm Foto zeigen) aber Decke würde gehen wenn das mehr Sinn gegenüber einem Deckensegel macht.

          1. Hallo Bert, vielen Dank.

            Also vorne hinter den Lautsprechern zb Bassabsorber, die Erst-Reflexion mit absorber und das Deckensegel mit Absorber.

            Diffusoren dann auf höhe der Zweitreflexion und wenn möglich hinter mir auf Kopfhöhe?

            Gibt es eig. eine Seite oder App wo man den Raum visuell darstellen kann?

  4. Wieder ein sehr interessanter Beitrag.

    Ist es erforderlich, den Raum zu messen, bevor ich mich an die Konstruktion und Eigenbau eines Diffusors angehe oder sind die Standards, welche auch fertig zu kaufen sind annähernd gut?
    Mal ausgehend von einem normalen Raum und keinem Sonderfall.

    Kann qualitativ gesagt werden, wie viel besser ein 2D QRD Diffusor im Vergleich zu einem 2D PRD ist?

    Würde das Bohren in die recht dicken quadratischen Klötzen (3-5cm Kantenlänge), also weitere Vertiefungen unterschiedlichster Tiefe einen Vorteil bringen oder nur den Diffusor „verstimmen“?
    Ich denke mir, dass damit weitere Vertiefungen entstehen und der Schall öfter gebrochen wird.
    So wäre ein weitaus aufwendigerer Aufbau mit viel mehr kleineren Klötzen vielleicht vermeidbar.

    Auch habe ich viele Modelle mit angeschrägten Klötzen gesehen.

    Wie effektiv ist dies, da doch die Länge und Anordnung der Klötze bereits auf einem berechneten Schema beruht.

    1. Hi Benjamin,

      den Raum vorher akustisch zu vermessen bringt jetzt erstmal nicht so viel. Du weißt dann halt zuerst mal, wie hoch deine Nachhallzeit ist und ob du schon zu viel oder noch zu wenig absorbierst. Aber die Messung sagt nicht aus, aus welcher Richtung zum Beispiel ein Echo kommt bzw. welche Fläche im Raum dafür verantwortlich ist. Von daher ist eine Messung da jetzt nicht zwingend erforderlich. Ob Diffusoren oder nicht ist eher so eine Gefühlssache, z.B. wenn sich eben der hintere Bereich tot anhört.

      Welche Bauweise eines 2D-Diffusors du dann nimmst, entscheidet ja am Ende nur darüber, wie dieser Streut. Du kannst sowohl mit QRD als auch PRD eine ähnliche Streuung hinkriegen, wenn er entsprechend berechnet wurde. Bei QRD hast du eben durch die Zwischenwände mehr Kanten, an denen der Schall gebrochen wird, wodurch man vereinfacht sagen kann, dass die Streuung hier „feiner aufgelöst“ wird. Das kann ein PRD aber zum Beispiel schon durch eine feinere Auflösung (kleiner Klötzchen) ausgleichen. QRD ist eben erheblich aufwändiger zu bauen als PRD.

      Die angeschrägten Klötzchen haben natürlich erstmal einen optischen Effekt, aber beeinflussen natürlich zum Teil auch die Streuung.

      1. Hi Bert,
        danke für die Erklärung.
        Bei der Vielzahl an Diffusoren auf dem Markt ist es schon schwierig, den richtigen zu finden, in der Hoffnung, dass dieser dann auch Wirkung besitzt.

        Als Testobjekt hatte ich mal an einen günstigen PRD aus Styropor gedacht.
        Die sollen aber dann doch nicht schallhart genug sein, richtig?
        Wäre die Abhilfe hier das Lackieren dieser Syropordiffusoren?
        Der Vorteil wäre, neben dem Anschaffungspreis ja auch das geringe Gewicht.

        1. Ja, Styropor (EPS) bringt’s nicht wirklich, ist viel zu leicht und reflektiert nur Hochton. Da hilft auch kein Lack. Hängt im Einzelfall aber natürlich von der Bauweise des Produktes ab. Wenn da ne harte Schicht davor ist, sieht das wieder anders aus.

          Aber letztendlich ist Holz die beste Lösung. Je mehr Masse und je größer die Höhenunterschiede, desto besser.

      2. Hallo,

        nur ein kurzes Feedback zu diesem Statement:

        „Aber die Messung sagt nicht aus, aus welcher Richtung zum Beispiel ein Echo kommt bzw. welche Fläche im Raum dafür verantwortlich ist.“

        Doch, anhand der Impulsantwort kann über den zeitlichen Verlauf und der daraus ermittelten Entfernung bzw. Laufzeit sehr gut die Quelle ausgeprägter Erstreflexionen und deren Intensität geschossen werden. D.h. es wird deutlich von welcher Wand, Decke, Boden etc. diese Reflexion kommt.

        1. Hi Thomas,

          du hast im Prinzip Recht – man kann in manchen Fällen darauf schließen. Aber das Statement ist dennoch richtig: Die Messung an sich sagt nichts über Richtung und konkrete Fläche aus. Das ist der Witz an Messungen: Man muss sie interpretieren können. 🙂

  5. hallo bert,
    ich beabsichtige für mein tonstudio zwei D1 diffusoren zu bauen.
    diese werden hinter dem schlagzueg an einer wand installiert.
    der aufnahmeraum ist ca. 80 qm groß. ein diffusor wird 2000 x 670 mm groß werden (höhe x breite). also insgesamt 2,68 qm. zwischen den beiden diffusoren besteht die wand aus einer 800 mm breiten, groben sandsteinwand. der rest der wand ist absorbierend gebaut. laut qr-dude könnte ich einen diffusor mit 17 fächern je 30 mm breit und 8 mm fin stärke bauen. die tiefe wäre 242 mm. diese maße wären optimal für die freien flächen, die ich noch habe. alles schön und gut. aber ich hab das gefühl, daß die flächen der diffusoren zu klein sind für den raum. was meinst du?
    liebe grüße, harry

    1. Hallo Harry,

      die Fläche der Diffusoren ist ja schon mal okay. Auf die Raumgröße bezogen aber natürlich wieder relativ wenig. Letztendlich kommt es ja aber auch auf die sinnvolle Platzierung an.

      Ich kann dir da aber so pauschal nicht weiterhelfen. Das muss man immer individuell betrachten und Studiobau ist jetzt nicht so mein Ding. Andere Anforderungen als im Heimkino.

  6. Hallo und danke für den super Artikel.
    Ich richte mir gerade in meinen Keller einen Hörraum ein, der allerdings sehr klein ist (3,6*3,6*2,3m). An insgesamt etwa 80% der Decke hängen 4 große Deckensegel zur Absorption und für den Bassbereich habe ich mir ein kleines pseudo-DBA aus 2*2 Subwoofer gebaut.
    Nun möchte ich als nächste Schritte noch die erstreflektionen an den Seitenwänden absorbierend behandeln und an die Rückwand einen großen Diffusor hängen, bin mir aber nicht sicher, ob ein Diffusor in dem kleinen Raum mit einem Sitzabstand zur hinteren Wand von 1,2-1,5m überhaupt zufriedenstellend funktioniert.
    Wie ist deine Einschätzung dazu? Oder würdest du grundsätzlich etwas anders machen?
    (Der Raum wird für Musik und als Fitnessraum genutzt, es stehen also nur Lautsprecher, ein Crosstrainer und eine Kraftstation darin).
    Danke vorab und viele Grüße,
    Martin

    1. Hi Martin,

      lohnt sich nicht, da mit einem Diffusor anzufangen. Nutze die verfügbare Wandfläche einfach für Absorber, bis du die gewünschte Nachhallzeit erreicht hast. Und sieh zu, dass die Absorber dafür möglichst dick ausfallen.

      1. Hallo Bert,
        Danke für die schnelle Antwort.
        Ok, dann verwerfe ich die Idee mit dem Diffusor an der Rückwand.
        Eine Frage noch: Deine Aussage gilt vermutlich auch für die Decke? Denkbar wäre auch noch die hinteren beiden Deckensegel gegen einen Skyline-Diffusor zu tauschen. Aufgrund der Deckenhöhe von nur 2,3m wird das aber vermutlich auch nicht zielführend sein oder?

        1. Naja, ist eine halbwegs normale Raumhöhe. Könnte man schon machen. Wenn exzellente Stereo-Wiedergabe für dich ein Thema ist, wäre es eine Überlegung wert. Wenn du Musik mehr so nebenbei und an verschiedenen Punkten im Raum hörst, reichen auch da Absorber.

          1. Ich höre zwar auch beim Sport Musik, aber die Maßnahmen, die ich hier durchführen will, sind schon für die explizite Stereo-Musikwiedergabe auf dem Hörplatz gedacht.
            Ich werde jetzt erstmal noch die Erstreflektionen absorbierend behandeln und mal sehen wie es klingt. Hinterher kann ich dann immernoch weitere Schritte einleiten.
            Danke für deine Hilfe.

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