Der etwas andere Kaufberater

Welcher AV-Receiver ist der Beste im Heimkino?

Wenn du gerade in das Hobby Heimkino einsteigst, stellt sich schon mal die Frage, welcher der beste AV-Receiver für deine Zwecke ist. Keine leichte Frage, denn irgendwelche Kaufberater, die dir schnell mal ein paar Modelle vor die Nase halten, werden dich nicht zu einer zufriedenstellenden Entscheidung führen. Deshalb probieren wir hier mal einen anderen Ansatz aus, wie du den besten AV-Receiver für dich findest.

Was der beste AV-Receiver für dein Heimkino ist, hängt von ein paar wenigen Faktoren ab.

Du brauchst zuerst ein wenig Grundverständnis dafür, was an einem AV-Receiver überhaupt wichtig ist – wichtig für dich! Du fühlst dich vielleicht erschlagen von der Fülle an Funktionen, die diese Geräte bieten. Aber wirklich wichtig sind davon nur ein paar wenige.

AV-Receiver Hersteller im Überblick

Lass uns für den Anfang einen kurzen Blick auf die Hersteller von AV-Receivern werfen. Es ist immer sehr hilfreich, die Namen schonmal gehört zu haben und sie besser einordnen zu können.

  • Denon
  • Harman Kardon
  • Marantz
  • Onkyo
  • Pioneer
  • Sony
  • Yamaha

 

  • Anthem
  • Arcam
  • Emotiva
  • IOTAVX
  • Lexicon
  • Lyngdorf
  • NAD
  • Rotel
  • Trinnov

Warum sind das 2 Listen und warum sind in der ersten Liste einige Namen fett markiert?

Nun, zunächst einmal sind beide Listen alphabetisch sortiert, was bedeutet, dass sie wertungsfrei sind. Nur weil ein Hersteller ganz oben steht, heißt das nicht, dass er besser ist als andere.

  1. In der ersten Liste findest du die „Consumer-Geräte“ – das sind die Hersteller, die üblicherweise für Einsteiger empfohlen werden. Einfach zu bedienen, alle wichtigen Features vorhanden.
  2. In der zweiten Liste findest du die Geräte für professionelle oder semi-professionelle Anwender. Die Features beschränken sich hier häufig auf die wirklich wichtigen Dinge, bieten dafür aber erheblich mehr Flexibilität, wenn man weiß, was man tut.

Die fett markierten Hersteller sind „die üblichen Verdächtigen“. Das sind die, die in den allermeisten Fällen zum Einsatz kommen und normalerweise ohne größere Bedenken jeden Einsteiger und fortgeschrittenen Heimkinobesitzer zufriedenstellen werden.

Zu erwähnen wäre hier noch, dass Denon und Marantz quasi derselbe Hersteller sind (die Geräte sind sich sehr ähnlich). Und auch Onkyo und Pioneer gehören mehr oder weniger zusammen. Genauere Infos erspare ich dir an dieser Stelle, da solche Zusammenschlüsse und Holdings häufiger wechseln, als das Serienangebot bei Netflix.

Features! Was braucht der beste AV-Receiver?

Du bist vielleicht hier, weil du denkst:

Ich würde gerne dies und das damit machen können – welcher AV-Receiver kann das?

Aber lass dir gesagt sein: Die Funktionen sind nicht dein Problem. So ziemlich jeder halbwegs aktuelle AV-Receiver kann heute alles, was du dir wünschst. Man nennt sie nicht umsonst die Schaltzentrale für dein Heimkino.

Die Hersteller können es sich heute gar nicht mehr leisten, bestimmte Features nicht zu unterstützen, weil sie dann innerhalb kürzester Zeit weg vom Markt wären. (Ich spreche hier insbesondere vom Einsteigerbereich – wie oben erwähnt sind die teureren, professionelleren Modelle oft auf die wirklich wichtigen Funktionen beschränkt und bieten absichtlich nicht mehr jeden Schnickschnack.)

  • Bluetooth-Verbindung vom Handy? Haben alle.
  • Streaming für Spotify, Amazon Music, Deezer, Tidal, … Meistens integriert.
  • Kabellose Surround-Lautsprecher einbinden? Geht oft sehr gut.
  • 4k-Fähigkeit und aktuelle HDMI-Standards? Klar! (Kauf halt keinen von vorgestern.)
  • Dolby Atmos? Schon lange Standard. (Auro-3D fehlt hier und da noch.)
  • Verstärkerleistung? Haben sie aus Prinzip alle zu wenig (aber trotzdem genug).

Es ist alles da! Wenn du etwas bestimmtes brauchst, dann weißt du das sicher schon. Du kannst also vor dem Kauf eines bestimmten AV-Receivers nochmal darauf achten, dass diese eine Sache wirklich vorhanden ist.

Entscheidend für die Auswahl wird das aber in erster Linie nicht sein. Dafür gibt es erheblich wichtigere Kriterien, auf die ich jetzt zu sprechen komme.

Die wirklich wichtigen Kriterien, wenn du den besten AV-Receiver für dich finden willst

Es gibt eine Reihe von absoluten Basics, auf die du achten musst, wenn du einen AV-Receiver finden willst, mit dem du lange Zeit zufrieden sein wirst. Hier sind sie:

Kanäle (Decoder und Endstufen)

Wie viele Lautsprecher willst du jetzt und in naher Zukunft in deinem System betreiben? Reicht dir 5.1 oder kannst du 7.1 in deinem Raum gut aufstellen? Hast du dir schon Dolby Atmos in den Kopf gesetzt? Wenn ja, mit 2 oder 4 Deckenlautsprechern?

Der Wunsch nach einem bestimmten Lautsprecher-Setup lässt sich oft nicht besonders lange unterdrücken. Daher solltest du vorbereitet sein.

Wenn du heute einen günstigen 5.1-AV-Receiver kaufst, aber in einem halben Jahr auf ein 5.1.4-Setup erweitern möchtest, machst du nur Verlust. Du kommst besser weg, wenn du schon jetzt auf den dann erforderlichen 9.1 AV-Receiver setzt.

Die Anzahl der unterstützten Kanäle wird in jedem Shop immer schon im Titel des Produktes angegeben: 5.1 – 7.2 – 9.2 – 11.2 – 13.2

Es handelt sich hierbei um die Zahl der Kanäle, die aus dem Tonformat decodiert werden können. Mit einem 7.2 AV-Receiver kannst du also Dolby Atmos maximal als 5.2.2-Setup aufbauen. (Die zweite Zahl ist immer die Anzahl der Subwoofer-Ausgänge, sagt aber nicht wirklich viel darüber aus, wie viele Subwoofer du anschließen kannst.) Hier erfährst du mehr über Tonformate.

Aber Vorsicht: Nicht jeder AV-Receiver hat auch so viele Verstärker-Endstufen an Bord, wie er Kanäle decodieren kann. Es gibt viele 11.2-Receiver, die nur 9 Endstufen haben (das ist eine häufige Konstellation). Er kann dann zwar 11 Kanäle decodieren, aber du kannst nur 9 Lautsprecher gleichzeitig daran betreiben. Für die fehlenden zwei Endstufen musst du einen separaten Verstärker anschließen.

Die Anzahl der Kanäle schlägt sich unmittelbar im Preis des AV-Receivers nieder. Man kann sagen, die Preisklasse wird dadurch weitestgehend definiert. Je mehr Kanäle, desto teurer also.

HDMI Ein- und Ausgänge

AV-Receiver gibt es mit 4 bis 8 HDMI-Eingängen und 1 bis 3 HDMI-Ausgängen. Das klingt jetzt vielleicht übertrieben wichtig, aber im täglichen Gebrauch gibt es kaum etwas nervigeres, als zu wenige Anschlussmöglichkeiten zu haben.

  • 4 HDMI-Eingänge sind schnell mit allen möglichen Geräten und TV-Sticks gefüllt. Überleg dir also gut, was du jetzt und in Zukunft anschließen willst. Ein Eingang sollte immer als Reserve übrig bleiben.
  • 2 HDMI-Ausgänge sind wichtig, wenn du TV und Beamer parallel betreiben willst. Ebenfalls interessant ist das für einen Vorschaumonitor.

Fehlen dir Eingänge, musst du sie mit einem HDMI-Switch nachrüsten. Das ist aber unter Umständen unbequem beim Umschalten zwischen den Quellen. Aber immer noch besser, als Kabel umstecken zu müssen.

Fehlen dir Ausgänge, musst du dir mit einem HDMI-Splitter behelfen. Das geht meistens noch ganz gut, ist aber trotzdem ein unnötiges Kästchen, das man lieber vermeiden will.

Menüführung & Bedienung

Du wirst deinen AV-Receiver bestenfalls viele Jahre lang fast täglich nutzen. Dabei wird es dich weniger stören, ob die Anschlüsse an der Rückseite etwas wirr gestaltet sind oder der Lautstärkeregler mit einer Skala beschriftet ist oder nicht. Was langfristig zählt, ist eine sinnvolle, einfache Bedienung.

Dazu muss einerseits natürlich die Fernbedienung praktisch gestaltet sein (sofern du keine Universalfernbedienung verwenden willst). Viel wichtiger ist aber fast noch, dass die Menüführung im Gerät für dich eingängig ist.

Wenn häufig benötigte Funktionen tief in schwer erreichbaren Untermenüs vergraben sind, unwichtiges aber an der Oberfläche schwimmt, dann läuft etwas falsch.

Die Menüführung ist ein sehr subjektives Thema. Jeder empfindet etwas anderes als praktisch, gut, eingängig, selbsterklärend. Wenn du kannst, mach dir also vorab selbst ein Bild davon, indem du das Gerät bei einem Händler oder Freund ausprobierst.

Das Einmesssystem

Das automatische Einmesssystem ist sowas wie die Gangschaltung deines AV-Receivers. Damit werden alle Parameter passend zu deinem Lautsprechersystem und deinem Raum festgelegt. Das passiert bei den meisten Leuten in 3 Etappen:

  1. In der Regel zuerst immer durch eine automatische Einmessung mit Hilfe eines kleinen Messmikrofons (im Lieferumfang enthalten).
  2. Später, wenn du mehr herausholen willst, durch nachträgliche Anpassungen der Einstellungen.
  3. Wenn du mit dem Hobby schon weiter fortgeschritten bist, werden später manuelle Einstellungen unterstützt durch akustische Messungen sehr interessant für dich.

So ziemlich jeder AV-Receiver bringt heute ein Einmesssystem mit, solange er nicht aus der ganz unteren Preisklasse kommt. Bekannte Vertreter sind:

  • Audyssey
  • YPAO
  • Dirac Live
  • AccuEQ
  • MCACC

Es geht also gar nicht mal so sehr darum, ob dein AV-Receiver ein Einmesssystem hat. Viel wichtiger ist, wie gut du die 3 Etappen oben damit durchlaufen kannst. Während die Automatik (1) praktisch immer in irgendeiner Form vorhanden ist, sind manuelle Korrekturen (2) oft nur innerhalb gewisser Grenzen möglich. Die absolute Freiheit (3) gibt es entweder nur in Ansätzen oder dann eben bei den teureren Geräten.

Innerhalb der Systeme gibt es oft auch nochmal Abstufungen im Funktionsumfang. So zum Beispiel beim bekanntesten Vertreter Audyssey (Denon und Marantz), wo du entweder

  • nur mit dem AV-Receiver klarkommen kannst,
  • oder mehr Möglichkeiten über eine kostenpflichtige App bekommst,
  • oder noch mehr Möglichkeiten über eine noch viel kostenpflichtigere Softwarelösung nachkaufen kannst.

Ich persönlich bevorzuge da mehr die in sich geschlossenen Komplettlösungen wie YPAO (Yamaha), wo alles im AV-Receiver enthalten ist und die Möglichkeiten für manuelle Eingriffe trotzdem gegeben sind.

Aber das würde hier zu weit führen. Wichtig zu verstehen ist für dich an dieser Stelle:

  • Wenn alles möglichst einfach sein soll, sind „no-brainer“ wie Audyssey oder die Einmesssysteme in Onkyo- und Pioneer-Geräten eine gute Wahl.
  • Für etwas mehr Flexibilität klingelt bei Audyssey nochmal die Kasse, oder du greifst gleich zu flexibleren Lösungen, wie der von Yamaha.
  • Wenn du alles profimäßig machen willst, kommst du an Dirac Live oder ähnlichen Lösungen der gehobenen Preisklasse nicht herum.

Deshalb ist auch der Vergleich mit der Gangschaltung beim Auto ganz zutreffend. Du kannst entweder Automatik fahren und super-happy damit sein. Oder du schaltest manuell und holst erheblich mehr raus – musst aber auch kuppeln können.


Wenn du diese 4 Faktoren berücksichtigst –

  1. Anzahl Kanäle
  2. HDMI Ein- und Ausgänge
  3. Menüführung & Bedienung
  4. das Einmesssystem

– bist du auf der sicheren Seite, dass du den besten AV-Receiver für deine Zwecke schnell finden wirst, an dem du lange Freude haben kannst.

Die ersten beiden Punkte in Kombination mit dem Preis werden deine Auswahl extrem einschränken. So wirst du dich am Ende nur noch zwischen 1–2 Modellen verschiedener Hersteller entscheiden müssen. Punkt 3 kannst du ausprobieren oder einfach darauf vertrauen, dass du damit klarkommen wirst. Punkt 4 ist eine Sache, die dich zumindest als Einsteiger noch nicht allzu sehr tangieren wird.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Dein persönlicher Mentor, wenn du dich an die Umsetzung deines Heimkinos machst.

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