Selbst verwirklicht

Saal 1: Traumkino mit 1200 Sternen

„Der 1200-Lichtfasern-Sternenhimmel wäre fast zum Scheidungsgrund geworden,“ ist eine der ersten Sachen, die mir Dietmar nach der Fertigstellung seines Heimkinos erzählt. Dennoch ist das der mit Abstand größte Hingucker in seinem wunderschönen Heimkino geworden, das er „Saal 1“ getauft hat. Der Aufwand hat sich gelohnt.

Fotos und Zeichnungen: Dietmar T.

In Kombination mit dem halbrunden Deckenkranz wirkt der Sternenhimmel fast wie ein Sonnenaufgang im All. Ideal für anspruchsvolle Science-Fiction-Kost. „Ich würde weniger Fasern nehmen (in meinem Fall von ca. 1200 runter auf vielleicht 400), sonst wirkt der Himmel schon fast überladen,“ resümiert Dietmar im Hinblick auf diese unendlich aufwendige Installation.

Planung

Wenn man einen Kellerraum wie diesen frei verwenden kann, stehen manchmal alle Möglichkeiten offen. So auch hier. Die Raummaße von 480×420×240 cm und die komplette Abwesenheit von Fenstern luden dazu ein, den Raum sowohl quer als auch längs zu nutzen.

Ersteres hätte den Vorteil gehabt, einen Wanddurchbruch zu schaffen und den Beamer so in den Nebenraum auszulagern. Leider stellte sich hier der Statiker quer – der Aufwand wäre zu groß gewesen.

Immerhin hatte die Längsausrichtung den Vorteil, bequem eine zweite Sitzreihe unterbringen zu können und nicht auf starke Absorber im hinteren Bereich verzichten zu müssen.

Raumplanung in 3D

Die ursprüngliche Planung hatte Dietmar in Power Point angefangen, was für unsere ersten Überlegungen auch ausreichend war.

Mit steigender Komplexität (es gibt ja so viel zu bedenken) wurde das aber zu ungenau. Zum Glück konnte er auf eine richtige CAD-Software ausweichen. Hier ließ sich die Planung wesentlich besser fortsetzen.

Technik

Die Technik sollte hier teilweise neu beschafft werden. Als neuer Bildwerfer kommt nun – am Ende doch früher als ursprünglich geplant – der Sony VPL-VW270 zum Einsatz. Auch den AV-Verstärker musste Dietmar neu beschaffen, um aktuelle Formate zu unterstützen und 3D-Sound wiedergeben zu können. Hier fiel die Wahl auf den Denon AVR-X4500H. Als UHD- und BD-Player dient der Panasonic DP-UB9004.

„Hier bewahrheitet sich einfach: gute Lautsprecher können auch mal 15 Jahre alt sein.“

Die Lautsprecher wurden hingegen größtenteils aus seiner bisherigen Anlage übernommen. Auf der unteren Ebene spielen 7 Stück KHT 9000 ACE aus dem Komplettsystem von KEF. Für den nötigen Wumms sorgt ein Infinity Kappa Subwoofer.

Für die Deckenlautsprecher in Kombination mit dem Sternenhimmel wurde Dietmar handwerklich tätig. Hier spielen vier KEF Ci160QS mit Koaxial-Chassis, die in eigens dafür konstruierte und abgeschrägte Gehäuse eingebaut wurden, um die bestmögliche Ausrichtung auf die Sitzplätze zu gewährleisten.

Die Kinobestuhlung wird durch einen Dreisitzer und einen Viersitzer vom Typ MATERA von Sofanella gebildet. Diese sind mit Reckhorn BS-200i Bass Shakern bestückt, die von zwei t.amp Quadro 500 DSP angetrieben werden. Licht und Kinosteuerung laufen über ein KNX-System sowie die Logitech Harmony Elite.

Bauphase

Da das Podest fast die halbe Grundfläche des Raums einnehmen sollte, war hier eine besonders massive Konstruktion nötig. Mit 13 Trägern über die Raumbreite verteilt ist sichergestellt, dass hier nichts mehr knarrt oder sich bewegt.

Die Treppenbeleuchtung sorgt für stimmungsvolles Licht und lässt den Aufgang nicht zur Stolperfalle werden. Der Raum unter der Treppe wurde mit Dämmwolle ausgefüllt, um Geräusche weitestgehend zu unterbinden.

Die Wände wurden mit einem Streichputz abgedunkelt, um auch das letzte bisschen Streulicht zu verhindern. Schließlich hielt der rote Teppich Einzug und komplettierte damit die gemütliche Atmosphäre im Raum.

„Das Lichtvolumen muss in einem dunklen Raum enorm gesteigert werden.“

Im hinteren Bereich des Raums sorgt eine Kombination aus Bassfallen, Regalen und einem Hifi-Rack für Ordnung in der Technik sowie eine Menge Stauraum und gute Akustik.

Unendlich aufwendiger Sternenhimmel

Auch wenn der Sternenhimmel im „Saal 1“ jetzt sein ganzer Stolz ist, verlief der Bau alles andere als problemlos: „Nachdem der Himmel schwarz vorgrundiert und komplett montiert war, wirkte er auf mich noch ein wenig zu unausgeglichen. Also dachte ich, das streichen wir einfach nochmal schnell nach.“ Und so ging es weiter:

  • Alle Fugen wurden verspachtelt und die Fugenmasse mit einem nassen Pinsel ausgeschlemmt.
  • Danach einfach nochmal mit der schwarzen Farbe drübergepinselt.
  • Am nächsten Tag: Alles war fleckig. Der Putz hatte offenbar einen anderen PH-Wert als die darunterliegende MDF-Platte.
  • Also in den Fachhandel und einen Primer geholt. Diesen auf die verputzten Stellen aufgetragen, danach nochmal mit Schwarz drüber.
  • Alles nachgestrichen und neu schwarz gemalt. Der Farbunterschied ist geblieben…

Schließlich folgten weitere Versuche mit einer Grundierung aus Acrylfarbe. Letztendlich half nur, das komplette Kino abzukleben und den Himmel nachträglich zu lackieren. Ein unglaublicher Aufwand, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen!

Und nicht zuletzt möchte sich Dietmar an dieser Stelle auch bei seiner Frau bedanken: „Ohne sie hätte die Montage des Himmels sicherlich in einer Katastrophe geendet. Es benötigte Einiges an weiblichem Instinkt, die Fasern in weiser Voraussicht von der Lichtquelle weg in Bündeln quer durch die ganze Decke zu legen.“ Denn schließlich besteht die Decke aus 16 Einzelmodulen, die alle mit der korrekten Anzahl von Fasern bestückt werden wollten.

Kinotraum in 6 Monaten erfüllt

Mit einer Planungs- und Bauzeit von etwa 6 Monaten hat Dietmar sich hier ein Kino im heimischen Keller geschaffen, dass sich sehen lassen kann! Das „Saal 1“ ist ein Erlebnis für die ganze Familie geworden.

Wie man am Ergebnis schön sieht, war die handwerkliche Umsetzung nicht mal ansatzweise ein Problem. Na gut, das mit der schwarzen Deckenfarbe war ungünstig. Aber das hat man manchmal nicht im Griff, wenn bestimmte Materialien aufeinander treffen. Jeder Rückschlag ist etwas, woraus man lernt.

„Insgesamt kann ich deinem Beratungsservice nur vollkommen beipflichten. Wenn ich meine erste Skizze anschaue… OH MEIN GOTT! :-)“

Die eigentlichen Probleme hatte Dietmar bei diesem Projekt mit den vielen, kleinen Detailfragen, die ihm das liebe Internet nicht beantworten konnte. Unsicherheit, ob seine erste Idee funktionieren würde und „weiße Flecken“ in der Planung, die sich nicht von selbst füllen wollten.

Bei diesen Problemen hat sich unsere Zusammenarbeit bestens bewährt (melde dich gerne bei uns, wenn du ähnliche Lücken bei dir siehst). Einmal mehr hat sich bei diesem Heimkino bewahrheitet, dass eine gute Planung die halbe Miete ist.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

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