Serie Leinwand-Maskierung zur Bildverbesserung (Teil 1 2 3 4 5 6 7 8)

Rollo-Leinwand mit manueller mechanischer Maskierung nachrüsten

Auch bei einer Rollo-Leinwand lohnt es sich, sie mit einer Maskierung nachzurüsten. Viele Rollo-Leinwände haben bereits eine integrierte Maskierung, gehören damit aber eher in die obere Preisklasse. Nachdem wir hier bereits eine manuelle, magnetische Maskierung für eine Rahmenleinwand gebaut haben, will ich in diesem Beitrag meine Lösung für eine manuell verstellbare, mechanische Maskierung an einer Rollo-Leinwand zeigen.

Rollo-Leinwand mit manueller mechanischer Maskierung (21:9)

Nachdem unsere Gästezimmer-Heimkino-Kombination im Dachgeschoss fertiggestellt war und wir die ersten Filme im Format 21:9 auf der 16:9-Rollo-Leinwand (110 Zoll) geschaut hatten, war ich angesichts der grauen Streifen doch recht bald von den Vorteilen einer Leinwand-Maskierung überzeugt. Meine erste Version einer magnetischen Maskierung aus Forex-Smart-Platten in 5 mm Stärke funktionierte bei einem Gewicht von knapp 0,9 kg pro Teil mit den Neodym-Magneten sehr gut. Allerdings war die Anbringung wegen der vorhandenen Biegsamkeit der Platten doch etwas umständlich, vor allem, wenn man dies allein machen will.

Es musste also bald eine bequemere Lösung her. Voraussetzung war für mich aber, dass der Raum weiterhin als Gästezimmer nutzbar ist, die Maskierung genauso wie die Rollo-Leinwand irgendwie auch nach oben verschwindet und eine Nutzung der Leinwand im Format 16:9 ohne Probleme möglich bleibt.

Vorüberlegungen für eine Rollo-Leinwand mit Maskierung

Ich hatte schließlich die Idee, zwei Plattenstreifen seitlich an Schnüren aufzuhängen und die Schnüre über eine Umlenkung am Rollogehäuse zu führen. Bewegt sich dann die eine Maskierungsplatte nach oben, fährt automatisch die andere Platte nach unten, wodurch eine simple mechanische Maskierung entstanden wäre. Zur Aufbewahrung sollten beide Platten einfach an der Umlenkung aufgehängt werden.

Größtes Problem für die Realisierung war allerdings, ein geeignetes Plattenmaterial zu finden. Voraussetzung war, dass die Platte, an den äußersten Enden aufgehängt, gerade bleibt und nicht seitlich ausknickt. Es musste also ein entsprechend steifes Material sein.

Geeignetes Plattenmaterial

Mein erster Versuch mit Alu-Dibond 3 mm (2×0,3 mm Alu-Deckschichten mit Polyethylenkern) scheiterte kläglich, da das Material zwar äußerst steif und widerstandsfähig ist, allerdings aufgrund des relativ hohen Eigengewichts unweigerlich “die Biege” machte.

Bei der Aluverbundplatte KAPA®tech 5 mm von 3A Composites, die unter anderem auch in der Werbebranche für Schilder verwendet wird, wurde ich dann endlich fündig. Diese Platte besteht aus 2 × 0,2 mm Alu-Deckschichten und einem PUR-Hartschaumkern, ist damit äußerst steif und vor allem sehr leicht.

Dieses Material zu bekommen, kann allerdings Probleme bereiten. Mit der Suche nach Firmen aus der Werbebranche, die Schilder aus Display-Platten herstellen oder auch nach Unternehmen, die im Messebau tätig sind, wird man aber sicher irgendwann fündig. Ich habe einen Großhändler für Pappen und Display-Platten hier in München entdeckt, der mir das Material sogar entsprechend zugeschnitten hat. Allerdings musste ich eine ganze Platte abnehmen (und hab halt jetzt noch 4 Plattenstreifen auf Reserve). Meine 6 Streifen 250 × 20 cm haben bei Selbstabholung rund 120 € gekostet. Diese Platten werden zwar auch in einer Länge von 3,05 m produziert, sind aber in dieser Größe bei meinem Händler nicht erhältlich.

Umlenkung und Aufhängung

Für die Umlenkung der Schnüre habe ich an den äußeren Enden des Leinwandgehäuses jeweils mittig in dem Bereich zwischen Außenkante Leinwandtuch-Rolle und Außenkante Gehäuse unterseitig zwei verzinkte offene Schraubhaken M4×40 angebracht. Die Löcher hierfür sollten unbedingt mit Gefühl oder besser mit Anschlag gebohrt werden, damit nicht versehentlich die Leinwandmechanik beschädigt wird! Für die Befestigung der Haken wurden ober- und unterseitig des Bleches selbstsichernde Muttern mit Beilagscheiben verwendet, wobei darauf zu achten ist, dass innenseitig der Gewindeüberstand möglichst gering ist. Die Ausrichtung der Haken erfolgt dabei senkrecht zur Leinwand.

Meine zur Kontrolle durchgeführten Zugversuche mit einer Kofferwaage haben ergeben, dass ich eine Belastung bis 5 kg pro Haken ohne Probleme realisieren könnte. Bei meiner fertigen Konstruktion sind es jetzt sogar nur ca. 1,2 kg, die jeder Haken tragen muss.

Schnurzug

Für den Schnurzug kommen geflochtene PP-Schnüre mit 3 mm Durchmesser zum Einsatz. Die benötigte Länge einer Schnur pro Seite kann hierbei grob wie folgt ermittelt werden:

  • Abstand Unterkante Leinwandgehäuse bis Bildmitte
  • abzüglich halbe Breite der Maskierung,
  • dieser Wert multipliziert mit 4
  • plus ca. 30 cm für den Überstand der Schnurenden.

Da durch die Platzierung der Haken die Maskierung zwangsweise mit einem gewissen Abstand (bei mir knapp 2 cm) vor der Leinwand hängt, dienen Neodym-Magnete und Blechstreifen an den Plattenrückseiten auch bei dieser Ausführung dazu, die Maskierung plan an die Leinwand zu bringen.

Mein Plattenlängenproblem

Da die Schnüre seitlich der Leinwand laufen sollten, wollte ich ursprünglich die Maskierungsplatten seitlich über das Leinwandtuch bzw. das Endformat der Rollo-Leinwand hinausragen lassen. Da ich diese aber nur in 2,50 m Länge (der exakten Tuchbreite meiner Leinwand) bekommen habe, musste ich noch zwei “Nasen” für die Aufhängung anbringen.

Hierfür habe ich den Schaum in einem Bereich von 50 x 30 mm vorsichtig entfernt und zwischen die verbliebenen Alu-Deckschichten einen 30 mm breiten Alu-Dibond-Streifen mit 4 mm Stärke eingeklebt. Diese Verbindungen habe ich ergänzend noch mit Hilfe eines professionellen Handtackers mit jeweils zwei in der Länge passenden Klammern gesichert. Der Tacker hat problemlos die Klammern durch die Materialien getrieben, was ich auch vorher an einem Probestück getestet hatte. Die weißen Alu-Dibond-Vorderseiten wurden abschließend noch mit glatter, mattschwarzer d-c-fix-Folie beklebt.

Maskierung herstellen

Die beidseitigen, kaum erkennbaren Schutzfolien hatte ich vor Montage meiner “Nasen” bereits abgezogen, so dass die Plattenstreifen jetzt genauso wie bei meiner rein magnetischen Maskierung weiter bearbeitet werden konnten.

Damit der weiße Schaum an den Schmalseiten der Platten später nicht mehr sichtbar ist, sollten diese ebenfalls durch mattschwarze d-c-fix-Folie abgedeckt werden. Hierfür wurde ein Folienstreifen in Plattenbreite hergerichtet und seitlich auf der Vorderseite mit ca. 2 cm Überlappung aufgeklebt, wobei das restliche Abziehpapier noch auf der Folie belassen wurde. Den Folienstreifen habe ich in der Länge bereits so gewählt, dass er die später rückseitig noch aufzubringenden Glattbleche einschließlich Überstand mit abdeckt. Anschließend wurde vorderseitig die schwarze d-c-fix-Veloursfolie aufgebracht, über die Längskanten gezogen und mit jeweils ca. 5 cm Überstand auf die Rückseite geklebt.

Dort wurden jetzt jeweils 3 Stück verzinkte Glattbleche in 0,5 mm Stärke in der Größe 170×60 mm senkrecht aufgeklebt und hierfür vorher die Veloursfolie entsprechend ausgeschnitten. Zum Aufkleben der Bleche ist z.B. das doppelseitige Klebeband von 3M gut geeignet, da es relativ dünn ist und nicht zu stark aufträgt. Glattblech und Veloursfolie sind damit an diesen Stellen genau bündig.

Abschließend habe ich die anfangs angebrachten Folienstreifen um die Seitenkante herumgezogen und über Glattbleche und Veloursfolie geklebt, womit in diesem Bereich auch ein Schutz vor möglichen Beschädigungen der Leinwand entstanden ist. Aus diesem Grund wurden auch im Bereich der mittigen Bleche glatte mattschwarze Folienstreifen ca. 15×20 cm aufgeklebt.

Die noch fehlenden Bohrungen mit 3 mm Durchmesser, durch die der Schnurzug gefädelt wird, habe ich mit gut 1 cm Abstand ab Oberkante (Dibond-) Platte hergestellt. Bei der Lösung mit seitlich über das Leinwandtuch überstehenden Platten hätte ich diese am Schluss direkt in die KAPA®tech-Platten gebohrt.

Maskierung an der Rollo-Leinwand montieren

Dann war es endlich soweit! Die Endmontage an meiner Rollo-Leinwand stand an. Damit sich die PP-Schnüre besser einfädeln lassen, wurden zunächst die Schnurenden mit einem Feuerzeug verschmolzen und “angespitzt”. Dann sind die PP-Schnüre bei der ersten Platte von hinten nach vorne und weiter bei der zweiten Platte von vorne nach hinten, quasi ringförmig durch die Löcher der Maskierung geführt worden. Die Schnurenden liegen dann idealerweise “hinten” und wurden mit zwei Stück 2-Loch-Kordelstoppern verbunden. Die beiden Platten konnten dann beidseitig an den Schnüren über den als Umlenkung dienenden Haken gehängt werden.

Nun musste noch die Lage der Maskierung justiert werden. Die Höhenanpassung ist am einfachsten, wenn man beide Platten genau übereinander bringt und dann die Schnur mithilfe der Kordelstopper längenmäßig soweit anpasst, bis beide Platten genau in Bildmitte hängen, also der Abstand von Oberkante Plattenpaar bis zum oberen Bildrand dem von Unterkante zu unterem Bildrand entspricht. Ich habe mir aus dieser Vorgabe das fixe Maß von Oberkante der zwei Platten bis Unterkante Rollo-Gehäuse errechnet und notiert. Auf dieses Maß konnten die Platten dann einfacher justiert werden und auch eine Kontrolle der Höhenlage und eventuell später notwendige Nachjustierung ist damit leicht möglich.

Hinweis: Während der Justierung zwischendurch immer wieder die Platten ein paarmal gegenläufig bewegen, damit sich die Spannung auf alle Schnüre gleichmäßig verteilt. Mit einer Verkürzung / Verlängerung der Schnur um 4 cm wird eine Änderung der Höhenlage von 1 cm für beide Platten erreicht.

Rollo-Leinwand mit manueller mechanischer Maskierung (16:9)

Die manuelle Verstellung der beiden Maskierungsteile funktioniert, wie bereits beschrieben, dann gegengleich. Sogar die Einstellung des Formats 16:9 ist damit möglich.

Tipp: Das ganze System ist viel leichtgängiger, wenn die Platten nicht durch Zug an den Schnüren nach unten, sondern durch Entlastung derselben bewegt werden.

Alternative Verbindung der Schnurenden

Nachdem meine Konstruktion fertig montiert war, hat sich herausgestellt, dass die Höhenanpassung der Maskierung mithilfe der Kordelstopper zwar sehr einfach von statten geht, sich diese aber auch leicht nachträglich wieder verstellen, wenn man mal versehentlich daran hängen bleibt. Außerdem haben diese doch irgendwie “rustikal” gewirkt.

Eine etwas unauffälligere Lösung für die Verbindung der Schnurenden habe ich daher dann noch wie folgt realisiert:

Zunächst wurden in einem definierten Abstand (z.B. insgesamt 35 cm) zwei Markierungen ober- und unterhalb der Kordelstopper mit Kreppband angebracht. Die Einhaltung dieses Abstandes bei der neuen Schnurverbindung sollte die unveränderte Höhenlage der Maskierung nach dem Umbau sicherstellen.

Danach habe ich die Maskierung abgenommen, die Kordelstopper entfernt und auf jedes Schnurende ein 5 cm langes Stück schwarzen Schrumpfschlauch (6,4 mm Schrumpffaktor 2:1) aufgeschoben. Jetzt wurden die Schnurenden mit einem einfachen Kreuzknoten verbunden und der Schrumpfschlauch über die offenen Enden von beiden Seiten bis jeweils ca. 1 cm vor den Knoten geschoben.

Die Schrumpfung erfolgte dann mit einem Heißluftgebläse oder Heißluftfön, kann aber auch ganz einfach mit einem Feuerzeug durch vorsichtige Erwärmung vorgenommen werden. Das überstehende Schnurende habe ich so abgeschnitten, dass es noch ca. 2 cm aus der Schrumpfung heraussteht.

Da sich das halbe Gewicht einer Platte auf zwei Schnüre verteilt (Last pro Schnur bei mir ca. 300 g), erwarte ich dadurch eigentlich keine Längenänderungen durch Dehnung. Sollte aber doch einmal eine Nachjustierung notwendig werden, ist dies nachträglich auch später noch möglich! Dazu wird der Knoten durch Zusammenschieben der Enden gelockert und mit kräftigem Zug am freien Ende (Schrumpfung eventuell festhalten bzw. nachschieben!) die Länge verkürzt und der Knoten danach einfach wieder festgezogen.

Maskierung an der Rollo-Leinwand verstauen

Wenn die Maskierung nicht gebraucht wird, hänge ich die beiden Teile lediglich mittels kurz bemessener Schlaufen aus PP-Schnur-Resten mit den “Nasen” an die Haken. Bei der Variante mit seitlich überstehenden Platten hätte ich die Schlaufe um beide Platten gelegt. Die durch die Aufhängung seitlich entstehenden Schnurschlaufen hänge ich zur Verkürzung mit den unteren Enden zusätzlich nach oben an die Haken. Da hinter dem so verstauten Paket immer noch genügend Abstand zur Leinwand besteht, kann diese weiterhin ganz normal ausgezogen werden, die Maskierung also an ihrem Platz bleiben, wenn man “nur” das Format 16:9 benötigt.

Maskierung verstaut …
… und Leinwand eingefahren.

Mögliche Probleme

Ich bin mit meiner variablen Lösung und nach Verbesserung der Schnurverbindungen auch mit dem optischen Ergebnis meiner Konstruktion bisher sehr zufrieden und hoffe, dass sich diese auch über einen längeren Zeitraum bewährt.

Abschließend möchte ich jedoch noch ein paar Punkte anführen, die eventuell problematisch sein könnten und anfangs bedacht werden sollten, wenn dir meine Lösung gefallen hat und du ein ähnliches Projekt angehen willst:

  • Da die Maskierung in der Höhe fixiert ist, muss auch das vom Beamer projizierte Bild immer an der gleichen Stelle sein und die Rastfunktion der Rollo-Leinwand so konstruiert sein, dass der Bildausschnitt auch immer in der gleichen Höhe arretiert werden kann.
  • Die Leinwand muss genügend Vorlauf am oberen Bildrand haben, damit die Maskierungsteile in diesem Bereich hängen bleiben können, wenn lediglich die Leinwand im Format 16:9 benutzt wird. Alternativ wäre zwar auch ein Abnehmen der Maskierung denkbar, was aber wieder entsprechenden Stauraum erforderlich macht.
  • Für die Montage der Schraubhaken muss das Gehäuse ausreichend stabil und von der Konstruktion her geeignet sein, eine vernünftige Befestigung zu realisieren.
  • Das Plattenmaterial KAPA®tech von 3A Composites ist in Kleinmengen für private Abnehmer nicht allzu leicht zu bekommen.

Wenn du diese Anleitung nützlich fandest und eine Maskierung auf ähnliche Weise nachgebaut hast, hinterlasse gerne einen Kommentar. Vielleicht hast du auch Ideen für alternatives Plattenmaterial oder Umlenkhaken bzw. -rollen für Leinwände, deren Gehäuse man lieber nicht anbohren sollte.

Über Bernd Wagner

Mit Beginn seines Ruhestandes wollte Bernd endlich den noch ausstehenden Ausbau des Dachgeschosses vornehmen. Die damit verbundenen lange Planung und vor allem auch die Kino-Begeisterung der restlichen Familie haben schließlich dazu geführt, dass mit viel Spaß am Heimwerken und Tüfteln ein eigenes Heimkino realisiert wurde.

2 Gedanken zu „Rollo-Leinwand mit manueller mechanischer Maskierung nachrüsten

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