Podcast Episode 33

Lippensynchronität – Wenn das Bild vom Ton abweicht

Themenwunsch unseres Hörers Lars: Wie funktioniert eigentlich die Synchonisierung zwischen Bild und Ton über unsere aktuelle Technik? Welche Stellschrauben gibt es, um Abweichungen zu beseitigen? In dieser Folge lernst du die Hintergründe kennen.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Dein persönlicher Mentor, wenn du dich an die Umsetzung deines Heimkinos machst.

2 Gedanken zu „Lippensynchronität – Wenn das Bild vom Ton abweicht

  1. Vielen Dank für die schnelle Wunsch-Episode. 🙂

    Ich habe noch etwas tiefer gegraben und will euch meine Erkenntnisse nicht vorenthalten damit sie jemand anders nützen mögen (ich hatte viel gegoogelt und nichts gefunden – vielleicht freut sich jemand):

    1. Kern des Problems ist, dass die automatische Lip-Sync-Funktion im TSR700 ausgeschaltet ist und sich im im On-Screen-Menü auch nicht einschalten lässt. In der erweiterten Weboberfläche sieht man, dass die Funktion auf Automatik steht, der AVR aber die manuelle Delay-Einstellung zurückfällt.

    2. Warum die Automatik nicht funktioniert, habe ich bisher nicht rausfinden können. Die Anleitung sagt, dass das Wiedergabegerät die Funktion unterstützen muss. Der Projektor (LG CineBeam HU70LS Largo 4K) sollte eigentlich passende Latenz-Werte liefern können und da mir vorher keine größeren Lip-Sync-Defizite aufgefallen waren, vermute ich, dass er es bisher auch getan hat.

    Oder ich achte da jetzt bloß mehr drauf? (Daher die Idee mit der objektiven Messung.)

    Ich habe ein wenig die Yamaha-Firmware in Verdacht. Ich hatte schon mal ein anderes Problem, bei dem die 2. Zone keinen Ton mehr ausgegeben hat wenn der Zone-Sync aktiv war. Mit dem nächsten Firmware-Update ging’s dann wieder. Die Qualitätskontrolle scheint also gewisse Lücken zu haben.

    Könnte natürlich auch am Projektor liegen, aber der bekommt nur noch selten Updates, da hat sich glaube ich schon länger nichts mehr geändert. Man kann auch nicht viel einstellen.

    3. Ich habe nun die 007-Sprung-Sequenz aus „You Only Live Twice“ (Englische DTS-HD-MA-Spur; ungefähr um Minute 46 herum) genommen und den manuellen Wert feinjustiert bis er nach meiner Wahrnehmung passte.

    Ein paar Minuten vorher gibt es eine Schießerei, bei der man das Mündungsfeuer sieht. Die passte nicht ganz, daher habe ich noch mal nachjustiert, worauf hin die Sprungsequenz nicht mehr ganz passte, aber noch akzeptabel ist.

    Ich will dem Studio jetzt keinen Mastering-Fehler unterstellen. Zum einen ist es ein alter Film (wobei die DTS-HD-MA-Spur deutlich jünger sein muss). Zum anderen habe ich die A-B-Wiederholung im REAVON-Player benutzt. Trotz etwas Vorlauf will ich nicht ausschließen, dass sich die AV-Synchronität immer erst einen Moment „einschwingen“ muss.

    Auch möglich, dass die eine Szene eine gewollte Verzögerung zur Simulation der Schallgeschwindigkeit enthält – die Schüsse sind Indoor, die Sprünge sind auf einem weitläufigen Hafengelände. Echos und Schallreflektionen mögen auch den Schwerpunkt des Knalls etwas verschieben.

    4. Nachdem ich mit dem Ergebnis für die Bluray soweit zufrieden war, habe ich die Latenz am FireTV-Cube neu eingestellt. Ich verstehe nicht, warum Yamaha keine Latenz-Einstellungen pro HDMI-Eingang zulässt, das kostet ja nun wirklich kein Geld. Aber wahrscheinlich wollen die teuren AVR auch irgendwie verkauft werden.

    Der FireTV-Dialog enthält neben dem erwähnten springenden Ball oben in der Ecke auch einen aufblitzenden Kreis.

    Meine Versuche haben ergeben, dass das Einstellen deutlich einfacher wird, wenn man den Ball im Bild abdeckt, so dass man nur den Kreis sieht (zumindest für mich – your mileage may vary). Grund: Der Ball ist ständig in Bewegung und es erfordert daher deutlich mehr mentale Ressourcen zu erkennen, wann der Ball den Umkehrpunkt erreicht statt einfach das Blitz-Event des Kreises mit dem Sound-Ping zu vergleichen. Auch das ist aber schon schwierig genug.

    5. Die Idee hinter der objektiven Messung ist auch, wechselnde Latenzen im Hirn aufgrund von z.B. Müdigkeit und Tagesform auszuschließen. Ich habe keine Ahnung, ob das in der Praxis eine Rolle spielt und jetzt in der Pandemie ist es auch schwierig, eine zweite Meinung einzuholen, aber Wahrnehmung hat bekanntlich immer einen subjektiven Anteil.

    Wäre toll, wenn eine AV-Synchronitätsmessung Teil der normalen Einmessung werden würde (Test-DVD mit hellen weißen Blitzen und Fototransistor am Messmikrofon).

    6. Spannend finde ich, dass Du im Podcast rätst, die Filmklappe direkt vor die Leinwand zu halten.

    Das bringt mich zu der Frage, was eigentlich der Sollwert ist, auf den das Einmesssystem korrigiert: Ist die Latenz-Korrektur für den Center immer 0ms, weil der Hörer den Abstand zur Leinwand sieht und eine entsprechende Schallaufzeit unterbewusst erwartet?

    Wahrscheinlich schon. Physikalisch starten Licht und Schallwelle gleichzeitig an der Quelle (virtuell hinter der Leinwand) und der Toningenieur muss sicherstellen, dass Licht und Ton mit dem richtigen Offset aufgezeichnet werden wie sie die Leinwand-Ebene passieren würden.

    Aber was sind dann die Referenzpunkte für die anderen Lautsprecher? Ein Kreis mit dem Radius Leinwandabstand-Hörplatz? In der Praxis vermutlich egal, denn ob Offscreen-Inhalte synchron sind, kann man eh nicht beurteilen solange man nicht wie bei ATMOS echte Koordinaten der Quellen hat.

    Somit hast Du wohl Recht. Ich hätte die Klappe intuitiv direkt vor die Kamera gehalten um die Kamera als solche zu kalibrieren und keine Messfehler bei den anderen Tonkanälen zu bekommen. Das ist für eine Surround-Messung sicherlich präziser, aber dann muss man die Schalllaufzeiten manuell rausrechnen. Kann man tun, wenn man auch das Einmesssystem einmal nachrechnen will, aber lassen wir die Kirche mal im Dorf. 🙂

    Klappe vor der Leinwand ist einfacher, dann aber nur mit Center messen.

    Wenn man darüber nachdenkt, ist das alles ganz schön kompliziert.

    Fazit:
    Für den Moment läuft es, aber die Lösung ist irgendwie unbefriedigend. Ich muss noch mal die Gegenprobe mit meinem TASCAM-19″-Player machen. Wenn der eine andere Latenz als der REAVON hat, gehen mir langsam die Freiheitsgrade aus um das zu kompensieren. Vielleicht ist es ja wirklich nur ein Firmware-Bug und nächsten Monat behoben…

    1. Du machst dir da glaube ich mehr Gedanken, als nötig. 😉 Letztendlich muss es einfach vom Eindruck her passen, wenn du einen Film schaust. Wenn kein auffälliges Delay mehr vorhanden ist, dann ist doch alles prima.

      Die Tonmischung ist sowieso eine Sache für sich. Das trifft man immer wieder in Filmen an, dass die Schallgeschwindigkeit überhaupt nicht berücksichtigt wird. Wenn irgendwo eine Explosion in weiter Ferne zu sehen ist, dann ist der Ton meistens synchron abgemischt, anstatt ein paar Sekunden verzögert, wie es richtig wäre. Vermutlich wird das aus dem gleichen Grund gemacht, wie auch Raumschiffe und Laser meistens hörbar sind: Es würde die Zuschauer oft nur verwirren, wenn es physikalisch korrekt wäre.

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