Das hört man doch nicht! … Oder doch?

Lautsprecher mischen: Was bedeutet das für ein Heimkino-System?

Wie wichtig ist es wirklich, alle Lautsprecher vom selben Hersteller und sogar aus der selben Serie zu nehmen – oder gar rundum komplett identische Lautsprecher zu verwenden? Die Frage, ob man verschiedene Lautsprecher in einem System mischen darf, stellt sich ziemlich oft. Hier gehen wir der Sache einmal auf den Grund.

Mann mit zwei Lautsprechern auf den Schultern
Foto: Hallux Makenzo von Pexels

Auf der Suche nach Rat und Verbesserungen durchstreifen wir oft rastlos das Netz und tauschen uns auch gerne mal mit Gleichgesinnten aus. Aber seien wir doch mal ehrlich zu uns selbst: Wie viele akustische Kompromisse gehen wir auf unserem ganzen Weg mit einem Surround-Setup tatsächlich und auch bewusst ein? Sind es zwei? Acht? Oder sogar drölf?

Es wird ja schon einiges in der HiFi-Szene kontrovers diskutiert. Nun reiht sich durch Gründe wie dem Kostenfaktor, jahrelanger Falsch- oder auch Nichtberatung, bzw. Suggestion durch massig Negativbeispiele gepaart mit einer gewaltigen Unterschätzung, langsam aber sicher ein weiteres Thema in die Reihe beliebter Streitthemen mit ein:

Lautsprecher aus verschiedenen Serien oder verschiedener Hersteller mischen

Wir beziehen das generell auf ein Heimkino-Setup, in diesem Beispiel aber auch vor allem auf die sogenannten Höhenlautsprecher.

Ein Go oder doch eher ein No-Go?

Dieser Beitrag begleitet ein generelles Thema, welches von 5.1 bis 7.1.4 Dolby Atmos Anwendung findet, wird aber auf den technischen Grundlagen von Auro-3D ausgelegt, da sich in den letzten Jahren speziell bei diesem Format (bzw. auch bei dem praktischen One-for-All-Setup) die meisten Negativ-Beispiele vieler Nutzer gezeigt haben.

Während man bei Dolby für detaillierte technische Ausführungen und Anforderungen, außer den Winkelvorgaben für die Positionierung und einem groben Frequenzgang, doch etwas tiefer buddeln muss, so richten die Guidelines für Auro-3D direkt ein paar mehr spezifizierte Ansagen an seine Nutzer.

„Da kommen doch eh nur Effekte von oben…“

… liest man häufig als Kommentar zu entsprechenden Beiträgen. „Vertical stereo field from all around the listener“ bekommt man dann als Einstieg in den Auro-Guidelines serviert. Doch was bedeutet das und wie funktioniert Auro-3D eigentlich genau? Das ist die Frage auf deren Antwort auch ein Großteil dieser Abhandlung basiert.

Auro-3D ist ein sehr leistungsfähiges Format, dessen Software im Post-Processing Klangobjekte beliebig zu platzieren vermag, sowie deren wichtige akustische Reflexionen passend im Raum berechnet, so dass es in der Lage ist, bei guter Abmischung reale Effekte außerordentlich gut zu replizieren.

Diese Objekte können sowohl starr (z. B. ein Kirchturm) aber auch beweglich (z. B. ein Vogel, Flugzeug oder Hubschrauber) sein. Aber auch sich ebenerdig bewegte Objekte (wie z. B. Autos) erfahren durch besagte Reflexionen ebenfalls eine wesentlich räumlichere Darstellung. Denn auch im echten Leben hören wir von diesen meist Reflexionen von allen Seiten.

Betrachten wir nun ein bewegliches, fliegendes Beispiel:

Ein Vogel, Hubschrauber oder ähnliches Höhenobjekt fliegt eine Runde um unseren Kopf, bevor es anschließend wieder verschwindet. Um das Objekt so realistisch wie möglich im dreidimensionalen Raum zu platzieren, kann jeder Lautsprecher in der unteren Ebene mit seinem diagonalen Gegenspieler in der oberen Ebene einen Stereoeffekt kreieren, der möglichst plastisch abgebildet wird. Beispiel für die Positionierung eines Effekts (Phantomschallquelle) bei Auro-3D in der Höhe: Front Height links oder rechts bildet mit Center einen Effekt auf deren Achse ab.

Dieser diagonale Stereo-Effekt muss bei Bewegung des Objektes (oder auch der Kamera bei starren Objekten) von der unteren Ebene zur oberen weitergereicht werden und dies im besten Falle klanglich komplett unverändert. Andere Lautsprecher im gleichen Setup geben währenddessen Reflexionen dieses Klangobjekts wieder und aufgrund dieser vom Auro-Algorithmus perfekt berechneten und minimal zeitversetzten Reflexionen, die unser Ohr Bruchteile später erreichen, ergibt sich dann der für Auro typische dreidimensionale Klangeindruck.

Kommen wir damit zur Basisfrage:

Funktionieren räumliche Stereoeffekte mit zwei unterschiedlichen Lautsprechern?

Etwa vergleichbar ist dies auch mit einem regulären Stereo-Effekt auf horizontaler Ebene, also mit Musik in 2.0 oder auch einer Front ohne Center, die einen sogenannten Phantomcenter-Effekt abbilden muss. Was erachtet man hierfür am wichtigsten?

Zunächst einmal sind dies

  • zwei identische Lautsprecher mit gleichem Frequenzgang und
  • deren möglichst exakte Positionierung (bzw. eine korrekte Wahl des Hörplatzes).

Wer daran schon zweifelt, kann einfach mal versuchen eine plastische Stereoabbildung mit zwei komplett verschiedenen Lautsprechern zu kreieren (gut zu testen mit hochwertig abgemischter Musik in 2.0). Kurz gesagt: Es funktioniert schlecht bis gar nicht!

Aber hier gilt: Um einen solchen Vergleich wirklich gelten zu lassen, muss die ideale Referenz bekannt sein. Man muss also auch wissen wie es sich in seinem Raum im Falle des komplett erfüllten Optimums anhört.

Eben nach diesem Prinzip werden bei Auro Effekte auf der Höhenachse im Raum abgebildet und – bei Bewegung desselben – diese an einen diagonalen Gegenspieler oder ein Stereopaar in der oberen Ebene weitergereicht (sogenannter Klangverlauf). Sind die Lautsprecher nicht identisch, so verändert sich auch zwangsläufig der Klang des Objekts während diesem Übergang auf ein anderes Paar verschiedener Lautsprecher, bzw. kann die Phantomschallquelle (das Klangobjekt) von vorneherein schon nicht perfekt positioniert bzw. klanglich unverändert wiedergegeben werden.

Warum klingen unterschiedliche Lautsprecher überhaupt verschieden?

Jeder Lautsprecher unterscheidet sich schon einmal physisch von anderen Modellen.

Fassen wir die Unterschiede mit ihren Haupt-Einflussbereichen auf deren Klang einmal zusammen:

FrequenzbereichAbstimmungKlangfarbeAbstrahlverhalten
Anzahl der Chassis
Chassis-Material, -Größe, „-Potenz“
Anordnung der Chassis
Frequenzweiche
Volumen des Lautsprechers
Gehäusematerial
Dämmung
Gehäuseaufbau
Größe der Schallwand
Auswirkung verschiedener Faktoren auf den Klang eines Lautsprechers

Man sieht, jeder einzelne physische Unterschied bringt teils sogar mehrere klangliche Unterschiede mit sich. Selbst nur die Größe der Schallwand kann schon gewisse Unterschiede verursachen. Somit wird recht schnell klar, dass eine homogene Wiedergabe mit grundverschiedenen LS nicht ausreichend möglich sein kann.

Unterschiedliche Klangfarben und von der Norm versetzte Hörachsen können von einem Einmesssystem auch nicht ausreichend korrigiert werden, denn dies ist über die Laufzeitkorrektur oder einen Eingriff in den Frequenzgang nicht möglich.

„Dann ist es halt nicht perfekt, Hauptsache die Winkel stimmen!“

Mit dieser Aussage wird unter vielen Beiträgen oft eine grob suboptimale Lösung abgetan. Warum uns dies aber doch weiter vom Optimum entfernt, als man zu denken wagt, dazu kommen wir nun im Folgenden.

Unterschiedliche Lautsprecher im System: mischen ist leider der Normalzustand

Die erste Anhäufung von Mittelwegen, die so gut wie jeder von uns in seiner Konstellation eingeht (die heutzutage aber meist unwissentlich als komplett selbstverständlich hingenommen wird) ist tatsächlich das klassische 5.1 Set selbst.

Selbst in perfekter Aufstellung und im akustisch optimierten Raum ist das klassische Surround Set an sich schon eine Ansammlung von Kompromissen. – Hä, wie denn das?

Ein klassisches Surround Set besteht schonmal aus drei recht unterschiedlichen Lautsprechern:

  • den Fronts
  • dem Center
  • und den Surrounds

Wenn das schon nicht optimal sein soll, warum ist das so und wie ist das entstanden? – Kurz gesagt, in erster Linie aus dem Verkaufsergebnis wohnlicher Gegebenheiten der Gesellschaft.

Ein typisches System aus 5 Lautsprechern: 2 Standlautsprecher, 2 kleine Surround-Lautsprecher und ein liegender Center.
Klassiker: Mehrkanalsystem bestehend aus 3 verschiedenen Lautsprechern

Große Standlautsprecher: ein Kompromiss

Große Standlautsprecher entstanden zum einen aus dem Kompromiss, dass mit einem Setup auch Musik in 2.0 Stereo gehört werden kann. Zum anderen resultierten daraus dann ebenfalls optisch angeregte Kaufgewohnheiten der Konsumenten. Ein Multikanal-Set wirkt so für viele Anwender optisch ansprechender. Es suggeriert zudem mehr Leistung und verkauft sich somit immer besser, als Sets mit 4–5 komplett identischen Lautsprechern.

Da meist aber alles bei der THX-Norm von 80 Hz getrennt wird, sind Standlautsprecher für reinen Filmbetrieb (mit Subwoofer) in keinster Weise nötig. Im Übrigen setzt besagte THX Norm ebenfalls identische Lautsprecher voraus, bzw. kann sie notfalls mit eigener Hard- und Software sich etwas unterscheidende Lautsprecher per sogenanntem „Timbre Matching“ aufeinander anpassen – was Zuhause aber nicht ohne eine solche, enorm teure Hard- und Software möglich ist.

Zudem werden in größeren Standlautsprechern auch häufig stärkere Hoch- und Mitteltöner verbaut und natürlich zwangsweise auch andere interne Abstimmungen über die Weiche vorgenommen, als in den anderen, kleineren Lautsprechern. Somit bilden Standlautsprecher schon einen ersten Kompromiss im Setup.

Der (meist völlig unterschätzte) Center

Wer sich etwas mit Lautsprecher-Selbstbau oder zumindest mit physikalischen Aspekten der Akustik beschäftigt, der weiß bereits, dass ein liegender Center mit einer horizontalen D’Appolito-Anordnung (Hochtöner mittig, seitlich umgeben von Tief-/Mitteltönern) schon aufgrund seines Abstrahlverhaltens lange kein akustisches Optimum darstellt. Eben weil sich die Treiber nebeneinander, also nicht auf einer vertikalen Achse zum Hörplatz, befinden.

Entstanden ist diese Form schlicht und einfach aus dem Grund, dass sich ein stehender Lautsprecher im Heimbereich nicht gut unter einem TV platzieren und somit auch nicht wirklich verkaufen lässt.

Zudem ist der Center innerhalb der meisten zusammengestellten oder auch Komplett-Sets als wichtigster Kanal völlig unterdimensioniert und nicht in der Lage den selben Frequenzbereich identisch stark und mit identischer Abstrahlung wiederzugeben, wie die restlichen vier Lautsprecher. Immerhin gibt dieser Kanal doch alles wieder, was sich auf dem Bild abspielt. Somit übernimmt er den Großteil der Wiedergabe und sollte eigentlich auch der stärkste bzw. mindestens ein identischer Lautsprecher sein.

Auch sein Hochtöner befindet sich (gezwungenermaßen) so gut wie nie auf gleicher Höhe mit den Hochtönern der Fronts und Surrounds, was einen weiteren kleinen Schritt vom akustischen Idealfall weg bedeutet.

Surrounds: immer kleiner als der Rest

Warum die Surround-Lautsprecher wesentlich kleiner sind als der Rest, ist nicht schwer zu erraten. Hier geht es schlicht um eine einfache Positionierung, denn größere Surrounds schrecken viele Kunden schon aus optischen Gründen oft ab. Somit sind sie aber ebenfalls meist unterdimensioniert und oft nicht in der Lage, wirklich homogen zum Rest aufzuspielen.

Vergleichen wir das 5.1-Set nun mit den oben genannten Punkten der physischen Unterschiede und ihrem Einfluss, so wird deutlich, dass sich schon mit einem ganz klassischen 5.1-Setup so einige Kompromisse bei uns eingeschlichen haben, von denen wir eventuell nicht mal etwas wussten.

Heights – es wird nicht besser

Fügen wir einem solchen Setup nun einen weiteren, sehr verschiedenen Lautsprecher als Height hinzu, so kann man doch schon ganz gut zusammenzählen, wie weit man sich damit tatsächlich vom Optimum entfernt.

„Haarspalterei“ oder „Pedant“ mögen nun vielleicht immer noch einige sagen. Doch suchen wir ja alle in unseren Communities nach Verbesserungen, also sollten wir uns im Umkehrschluss auch allen bereits eingegangenen akustischen Mittelwegen bewusst sein, um möglichst viele weitere zu vermeiden. Schließlich wollen viele Nutzer ja früher oder später so nahe wie möglich an ein gewisses Optimum kommen.

Wir müssen uns ebenfalls bewusst sein: Ganze 100% des perfekten Klangs können selbst mit behandelter Raumakustik und allen perfekt eingehaltenen Anforderungen nicht erreicht werden, aber würden wir selbst in einem Wohnzimmer-Kino nicht wenigstens gerne 40–50% einer möglichen Benchmark erreichen?

(Und realistisch gesehen muss man selbst für 50% schon enorm viel beachten und einhalten!)

„Also ich hab gemischt und bei mir klingt es trotzdem geil!“

… kommentieren natürlich diejenigen gerne, die selbst Lautsprecher mischen.

Das mag dem einen oder anderen stillen Mitleser dann leider ausreichen und ihn animieren, einfach dasselbe zu tun. Hierbei muss jedoch immer folgendes im Hinterkopf behalten werden:

Der Vorher-Nachher-Vergleich dieser Anwender beschränkt sich in der Regel auf

  • ein vorher installiertes 5.1/7.1-Set und
  • den neuen, gemischten 3D-Zustand.

Sprich, es wird auf 3D-Sound erweitert, aber ihre Konfiguration haben sie dennoch nie mit identischen Lautsprechern (insbesondere Heights) bei sich gehört. Eine echter Vergleich zur Referenz, wie es dann sogar klingen könnte, fehlt bei diesen Argumenten leider schlichtweg.

Und niemand, der alle Vorgaben einhalten konnte und auf identische Lautsprecher als Heights gesetzt hat, hat aus Enttäuschung jemals wieder zurück gebaut. (Falls doch, gerne melden.)

Anwender, die andere Vorgaben schon nicht zu 100% erfüllen können, sollten diesen Schritt der möglichst vielen identischen LS also erst recht gehen, um sich nicht noch weiter weg vom Optimum zu entfernen.

(Wer absolut nicht auf nur zwei bis drei verschiedene Lautsprecher im Setup gehen kann, der sollte sich vergewissern, dass zumindest die Hochtöner aller sonstigen Lautsprecher aus der selben Serie identisch sind. Das wäre dann der naheliegendste Kompromiss vom Kompromiss.)

Auro-3D macht brauchbare Vorgaben

Werfen wir noch einen Blick auf gewisse Ausführungen in den Auro-3D-Guidelines. Folgende Zitate sind weder aus einem Kontext gerissen, noch wurden sie beschnitten oder verändert:

The vertical resolution ist thus a key element in achieving the most natural and immersive sound.

Auro Guidelines, Punkt 1.3 (Seite 7)

„Die vertikale Auflösung ist das Schlüsselelement“, schneidet in den Guidelines quasi das erste Mal das Thema eines perfekten, oberen Gegenspielers an.

In all cases, a space is required that can allow for the placement of at least 9 full range (20Hz–20kHz) speakers around the main listing position.

Auro Guidelines, Punkt 3.2 (Seite 16)

Natürlich lässt dieser Punkt einige von uns doch schmunzeln, denn einen echten Vollbereichs-Lautsprecher hat wohl niemand im Setup stehen. Geschweige denn wäre dieser durch seine schiere Größe und sein Gewicht (saubere 20 Hz brauchen nun mal Membranfläche und ein gewisses Volumen und Steifigkeit) niemals möglich als Height zu installieren.

Dennoch zeigt uns dieser Punkt, dass jeder Kanal von Auro – und laut den Dolby Specs auch die Höhenkanäle für Atmos (!) – als vollwertiger Frequenzbereichskanal angesehen und angespielt wird und so auch genutzt werden kann.

It is advised to use the same number of Surround speakers in both the Lower and Height layer to maintain equal power and spread in both layers.

Auro Guidelines, Punkt 3.2 (Seite 17)

Natürlich geht es hier um die gleiche Anzahl der Gegenspieler. Aber um auf beiden Ebenen auch wirklich „equal power“ zu generieren, liegt es ebenso leichtverständlich nahe, dass dies bestenfalls mit möglichst identischen LS geschehen sollte. Eine exakte Ausführung bleibt uns Auro aber auch nicht schuldig und liefert sie bereits im übernächsten Punkt sehr exakt nach.

All speakers should be equidistant from the main listening position.

Auro Guidelines, Punkt 3.3 (Seite 18)

Schon die 5.1-Aufstellungsempfehlung der International Telecommunication Union (ITU) hat vor sehr vielen Jahren identische Abstände der einzelnen Lautsprecher zur Hörposition als ideal festgelegt. Auro wurde quasi auf der Basis dieser ITU-Empfehlung entwickelt und legt ebenso identische Abstände der Heights zum Hörplatz als Optimum fest.

Geringere Unterschiede der Tiefen-Abstände können recht gut durch die Laufzeitkorrektur eines Einmesssystems korrigiert werden. Aber auch das Verbiegen durch Software ist und bleibt eben ein Kompromiss (durch räumliche Gegebenheiten aber natürlich meist auch ein unverzichtbarer).

Auch durch die Azimuth- (horizontale Winkel des unteren Layers) und Elevationswinkel (vertikale Winkel der Heights) werden in diesem Zusammenhang in den meisten Heimkino-Setups sehr häufig zusätzliche Kompromisse erzeugt. Dass sich dann noch jeder Lautsprecher im Setup exakt gleich weit vom Hörplatz entfernt befindet, ist nun wirklich äußerst selten, vor allem in Wohnzimmer-Setups.

Nun aber kommt der wichtigste Punkt in den Guidelines zu diesem Thema:

To achieve the best tonal balance and acoustical imaging, it is recommended to use the same type of speaker for each channel. However, in case this is not possible, smaller speakers of the same product line may be used for the Surround and Center channels. This can be done in different combinations:

  • All speakers equal, type A
  • All speakers equal, type A, except the Front Height speakers (HL, HC, HR) a smaller type B
  • All lower speakers equal, type A and all Height speakers a smaller type B
  • The three lower front speakers type A, and all other speakers the smaller type B
  • The L/R pair of type A and all other speakers of type B
Auro Guidelines, Punkt 4.1 (Seite 25)

Zur besseren Übersicht wird das ganze nochmal in dieser Tabelle veranschaulicht:

FrontCenterSurroundFront-HeightRear-Height
AAAAA
AAABA
AAABB
AABBB
ABBBB

Auro empfiehlt hier also klipp und klar und nicht ohne Grund identische Lautsprecher auf allen Positionen.

Kann dies partout nicht eingehalten werden, so bieten selbst die aufgeführten Kompromiss-Szenarien maximal zwei (!) verschiedene Speaker (und diese, ebenfalls erwähnt, aus derselben Serie!) in einem Setup.

Dies bedeutet nun, streng genommen fallen fast alle handelsüblichen Setups schon mal weiter aus dem Optimum heraus, da sie in aller Regel aus drei verschiedenen Lautsprecher-Typen bestehen.

Kommen nun andere Lautsprecher als Heights hinzu (auch selber Hersteller, selbe Serie – dennoch ein weiteres, anderes Modell), so liegt man nur für diese eine Anforderung bei gerade mal 50% (!) des Optimums. Und wie viel alleine dieser Punkt ausmacht, kann man sich nun hoffentlich ganz gut vorstellen.

Packen wir jetzt aber noch alle anderen (oben genannten) Kompromisse dazu – wir addieren also die in der Regel suboptimale Raumakustik, weitere Kompromisse bei den Azimuth-Winkeln (5.1-Basis-Norm der ITU), den Elevationswinkeln der Heights und, und, und – so brauch man kein Mathe-Genie zu sein, um zu erkennen, wie riesig die Range zum Optimum letztendlich wird.

Zudem können sich gewisse Kompromisse untereinander beeinflussen und somit zusätzlich verstärken. Das echte Ausmaß seiner realen Situation ist also niemandem wirklich bewusst.

Und dennoch wird dieser wichtige Punkt meist nur belächelt und leider auch oft mit fadenscheinigen Argumenten kleingeredet.


Bevor man sich also immer mehr teure Technik zulegt, die klanglich nur einen sehr kleinen Bruchteil (abgesehen von den Lautsprechern selbst) ausmacht, so macht es eben wesentlich mehr Sinn, Kompromisse wie diese von vornherein auszuschließen bzw. bestehende Mittelwege im Nachhinein zu optimieren.

Über Florian Hohl

Heimkino-Pedant mit Helfer-Syndrom, Immer-alles-Ausprobierer, sturer aber auch liebevoller Perfektionist, begeisterter Heimwerker und Froschlockenfrisör, liebt Filme und Serien mit 3D-Sound und Musik in Stereo gleichermaßen – und ist immer traurig, wenn es gerade mal nichts zu optimieren gibt.

4 Gedanken zu „Lautsprecher mischen: Was bedeutet das für ein Heimkino-System?

  1. Hallo Florian,
    das macht einen doch (leider) wieder einmal nachdenklich…
    Ergibt es denn Sinn, bei einem bis auf den Center homogenem 5.1 Set, die selben Center Lautsprecher als Heights einzusetzen? Oder wäre deren Abstrahlverhalten für diesen Einsatz gänzlich ungeeignet?
    Aber auch ein solches Szenario wäre aus deiner letzten Tabelle nicht abzuleiten. Demnach müsste man für den Center ein Äquivalent zu geeigneten Heights schaffen, sprich diesen austauschen.
    Sieht mir sehr danach aus, als müsste man bei einem bestehenden 5.1 Set doch wieder (oder weiter) mit einem Kompromiss leben.
    Trotzdem danke für den Bericht und den Denkanstoß.

    1. Hi Oliver,
      da eine liegende D‘Appolito Anordnung schon als Center Nachteile hat, wird das oben natürlich nicht besser…
      Ich würde von „liegenden“ Center LS als Heights definitiv absehen, zumindest horizontal befestigt. (Allerdings kann man auch nicht jeden Center einfach hochkant betreiben, je nach Bauart und Vorsatz z.B. muss evtl. auch noch der Hochtöner mit gedreht werden.)
      In deinem Falle würde ich den zweiten Lautsprecher aus dem Setup als Höhenlautsprecher wählen. Sollte das aber ein Standlautsprecher sein, dann evtl. sich selbst die folgende Frage stellen:
      Benötige ich hier tatsächlich Standlautsprecher oder werden die sowieso bei 80Hz getrennt und darunter übernimmt der Sub? In diesem Falle ginge der Frageverlauf weiter:
      Gibt es evtl. auch Kompakte in der Serie mit selbem Hochtöner?
      Um dein spezifisches Beispiel zu erörtern bräuchte man ein paar mehr Details. 🙂
      Und Kompromisse geht man ja immer irgendwo ein, man sollte sich aber immer im Klaren sein wie viele es wirklich sind, um unter‘m Strich einige dann evtl. doch zu vermeiden und sich so noch zu verbessern, anstatt sich aus Gründen der Klangverbesserung einen neuen AVR zu kaufen (Denn den allergrößten Klangunterschied bei AVR‘s bringen wohl versch. Einmesssysteme).
      Vor allem die Kompromisse, die mit geringem Kostenaufwand, dafür aber großem Nutzen verbunden sind.
      Und Homogenität ist definitiv so ein Nutzen.

  2. Wird interessant werden, wenn sich diese LED-Wände aus einzelnen Segmenten durchsetzen dank Preisverfall. Dann müssen die Installateure LS oben und/oder unten positionieren. Habe mal gelesen, dass in den ersten LED-Wand-Kinos der Center durch Trinnov-artige Technik in die Mitte gerechnet wird.

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