AV-Receiver ohne Infrarot-Signal steuern

Ich habe in letzter Zeit an einem etwas schwierigen Thema herum experimentiert. Gleich vorweg muss ich sagen, dass ich dabei bisher nicht erfolgreich war. Bevor ich das Thema aber für eine Weile ruhen lasse, möchte ich euch meine Erfahrungen damit nicht vorenthalten. Die tatsächliche Lösung — wenn man ein wenig des Programmierens mächtig ist — war die Möglichkeit der Netzwerk-Steuerung.

Ausgangspunkt war folgende Situation: Ich verwende einen Mitsubishi HC7800D Projektor, dessen hervorragende 3D-Wiedergabe damals Ende 2011 für Schlagzeilen sorgte. Der Projektor verwendet die Shutter-Technik und sendet dafür ein Infrarot-Signal aus, dass an der Leinwand reflektiert und dann von den 3D-Brillen empfangen wird. Soweit funktioniert das prächtig.

Nun gibt es nur leider ein kleines Problem damit: Bei der Aufstellung meiner Geräte kommt sich das dauerhafte Infrarot-Signal des Projektors mit den Signalen der Fernbedienung in die Quere. Ich habe die Logitech Harmony 900 und nutze intensiv die externen Infrarot-Sender, was sehr praktisch ist, weil meine Geräte allesamt hinten im Raum stehen.

Normale Infrarot-Übertragung: Das 3D-Shutter-Signal des Beamers stört die Infrarot-Signale der Fernbedienung (und umgekehrt)
Normale Infrarot-Übertragung: Das 3D-Shutter-Signal des Projektors stört die Infrarot-Signale der Fernbedienung (und umgekehrt)


Das 3D-Signal feuert nun ständig gegen die Geräte hinten und sorgt dafür, dass manche Befehle von der Fernbedienung nicht mehr richtig reagieren. Man muss oft mehrmals und länger drücken, bis das Gerät reagiert. Umgekehrt stört das Signal der Fernbedienung bzw. des Infrarot-Senders die 3D-Brillen. Wenn ich mitten im Film zum Beispiel die Lautstärke ändere, schaltet die Shutter-Technik kurz ab und nimmt erst wenige Sekunden später ihre Arbeit wieder auf. So lange gibt es ein Doppelbild.

Soweit das Problem und der Auslöser für mein Experiment. Wenn jemand eine gute Lösung dafür kennt, lasst es mich bitte wissen.

Die Idee für eine Lösung

Dann kam mir die Idee, den Remote-Eingang irgendwie zu nutzen, den nahezu jeder moderne AV-Receiver heute hat. So auch der Yamaha RX-V775. Dieser kleine Anschluss befindet sich an der Rückseite und dient laut Bedienungsanleitung dazu, externe Steuergeräte anzuschließen. Was auch immer externe Steuergeräte sind.

Remote-Anschlüsse an der Rückseite eines Yamaha-ReceiversEine Anfrage beim Kundendienst bestätigte mir, was ich bereits vermutet hatte: Der Anschluss ist für externe Infrarot-Empfänger gedacht, die von Nutzen sind, wenn man die Geräte in einem Schrank verstecken will. Das ist erstmal praktisch, wenn man nicht über eine Universalfernbedienung wie eine Logitech Harmony verfügt, für die es bereits Komponenten gibt, die eine Übertragung des Infrarot-Signals in einen geschlossenen Schrank ermöglichen. Bei Logitech ist das der Wireless Extender, den es als Zusatz für fast alle Universalfernbedienungen gibt, bzw. bei der Harmony 900 bereits mitgeliefert der sogenannte Blaster. Genau diesen nutze ich ja bereits. Um all das zu verstecken und damit das Störsignal zu beseitigen käme es mir aber gelegen, den IR-Empfänger an der Gerätefront deaktivieren zu können und stattdessen den Anschluss an der Rückseite zu nutzen. Der Logitech-Sender sowie der Empfänger mit Direktanschluss am Receiver könnten sich dann vollständig versteckt hinter den Geräten befinden.

Infrarot-Übertragung an einen externen Empfänger: Die Signale bleiben außerhalb des Wirkungsbereichs des Beamers
Infrarot-Übertragung an einen externen Empfänger: Die Signale bleiben außerhalb des Wirkungsbereichs des Projektors

Schnell stellte sich heraus, dass Yamaha selbst keine externen Komponenten anbietet, die mit diesem Anschluss kompatibel sind. Der Kundendienst empfiehlt stattdessen einige Produkte unabhängiger Hersteller:

Irgendwas davon würde sicher funktionieren und das Problem lösen. Allerdings sehe ich da auch ein paar Nachteile:

  • Die Kosten für diese Komponenten sind teilweise unverschämt hoch, wie das bei Hausautomatisierung nun mal leider so ist.
  • Einige der Komponenten scheint es nur mit zusätzlicher Hardware zu geben, die ich gar nicht brauche.
  • Ein externer Infrarot-Empfänger braucht zwangsläufig eine Stromquelle, weil er dem Receiver ja ein Signal liefern muss. Noch ein zusätzlicher Kasten, der eine Steckdose will.

Der Leidensdruck ist bei mir noch nicht groß genug, damit ich auf sowas zurückgreife. Die Störungen, insbesondere die bei der Bedienung, treten nicht so häufig auf, dass ich mir eine unnötig komplizierte Lösung anschaffen wollte. Aber dann kam mir beim Stöbern im Internet eine andere Idee.

Direktverbindung zwischen Logitech-Blaster und AV-Receiver

Der externe Blaster der Logitech Harmony 900 (oder Wireless Extender bei anderen Harmony-Modellen) empfängt die Funksignale der Fernbedienung und strahlt diese selbst als Infrarot-Signal aus. Zusätzlich kann man über die Anschlüsse A und B die zusätzlichen kleinen Infrarot-Sender anschließen. Diese kann man dank langem Kabel irgendwo im Raum anbringen, wo sie „Blickkontakt“ zu den Geräten haben.

Wenn das Signal, das der Blaster an diesen Anschlüssen ausgibt, ein Infrarot-Signal ist (nur eben elektrisch statt optisch), und der Anschluss am Receiver die selben Signale verarbeiten kann, die er auch von seiner Fernbedienung bekommen würde (nur eben elektrisch statt optisch) – warum sollte da nicht auch eine Direktverbindung funktionieren?

Schnell ein wenig gegoogelt und tatsächlich findet man hier und da gewisse Wortmeldungen, die diese Vorgehensweise bestätigen. Wenn man auf diese Weise ein Gerät steuern kann, dann ließe sich das Signal auch auf das nächste Übertragen. Der Clou wäre dann noch, wenn man am Remote-Out des letzten Gerätes den übrigen Logitech-Infrarot-Sender anschließen könnte, so dass dieser zusätzlich weiterhin funktioniert (wäre in meinem Fall praktisch für die Lichtsteuerung).

Direkter Anschluss des Harmony Blasters an den Receiver: Funktioniert nicht, wäre aber optimal gewesen
Direkter Anschluss des Harmony Blasters an den Receiver (Versuch): Optional kann ein Infrarot-Sender am Ende der Kette angeschlossen werden

Das war es mir Wert, ein Experiment zu wagen – schließlich könnte die Steuerung der Geräte kaum besser laufen, als über eine Direktverbindung. Die beiden Ausgänge am Blaster sind für 2,5 mm Klinkenstecker gedacht, die Remote-Anschlüsse am Receiver nehmen dagegen 3,5 mm Klinkenstecker auf. Klinkenstecker sind üblicherweise für Kopfhörer gedacht, weshalb es sie vornehmlich für Stereo-Betrieb (3 Adern: Links, Rechts, Masse) gibt. Die Anschlüsse für die Fernbedienungen sind dagegen Mono. Das macht erstmal nichts, weil die beiden Stereo-Adern genauso gemeinsam für eine Mono-Übertragung genutzt werden können. Ein erster Versuch mit einem alten Klinke-Verlängerungskabel und einem Adapter, den ich günstig erworben habe, war aber erfolglos. Irgendwo war zu lesen, dass es nur mit Mono-Kabeln funktionieren würde. Nicht unbedingt logisch, aber denkbar. Um alle Fehlerquellen auszuschließen, investierte ich also noch ein paar Euro.

Bei einer Filiale von Mükra Elektronic habe ich einen Mono-Adapter von 2,5 mm auf 3,5 mm gefunden. Außerdem gibt es dort äußerst günstig 3,5 mm Mono-Klinkenstecker zum selber löten. Der Elektriker meines Vertrauens hat mir daraus ein langes Kabel für die Hauptverbindung sowie ein kurzes für die Weiterleitung des Signals vom Receiver zum Blu-ray-Player gebastelt.

Leider war der Aufwand vorerst umsonst. Nachdem die Verbindung hergestellt und eine versehentliche Infrarot-Übertragung ausgeschlossen war, ließen sich die Geräte nicht von dem neuartigen Input beeindrucken. Schade. Die Informationen im oben verlinkten Beitrag sind also definitiv falsch.

Vorerst weiter mit Infrarot

Was mich trotzdem veranlasst hat, diesen Artikel zu verfassen, sind die vielen Möglichkeiten, warum das nicht funktionieren kann. Schließlich habe ich versucht, zwei Geräte mit zwei wahrscheinlich sehr unterschiedlichen Schnittstellen miteinander zu verbinden. Die Remote-Signale sind möglicherweise genormt und bei vielen Herstellern ähnlich aufgebaut – aber Logitech kocht vermutlich sein eigenes Süppchen, da der Anschluss ja auch einen etwas anderen Zweck hat. Es besteht trotzdem die Möglichkeit, dass die AV-Receiver mancher Hersteller das Signal von Logitech verstehen können und es umsetzen. Vielleicht ist es nur die Stromstärke, mit der Yamaha nicht klar kommt. Ausprobieren kann sich also unter Umständen lohnen, zumal die Komponenten wirklich nur ein paar Euro kosten.

Zweck dieses Artikels war es daher also, Euch vielleicht auf neue Ideen zu bringen. Eine Direktverbindung kann in Sachen Reaktionszeit und Ausfallsicherheit sehr große Vorteile haben. Vielleicht denkt jemand noch weiter oder hat Lust, die Signale auszumessen, um eine Lösung zu finden. Mir war nur wichtig, dass meine Versuche nicht völlig umsonst waren, sondern zumindest anderen als Bestätigung dienen, dass eine Kabel-Verbindung von Logitech-Blaster zu AV-Receiver höchstwahrscheinlich nicht funktioniert. Wenn Ihr andere Erkenntnisse sammelt, freue ich mich über einen Kommentar.

2 Gedanken zu „AV-Receiver ohne Infrarot-Signal steuern

  1. Hallo Herr Kößler,

    ich bin durch eine Suche im Netz zufällig auf Ihre Seite gestoßen. Ich hatte bereits vor gut 2 Jahren das Problem mit der nicht exakt definierten IR-Steuerung und eine Lösung gefunden. Ich habe das im Hifi-Forum ausführlich dokumentiert. (http://www.hifi-forum.de/index.php?action=browseT&forum_id=276&thread=7952&postID=10#10)

    Sollten Sie Fragen haben, stehe ich per eMail gern mit Infos zur Verfügung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Frank Langner

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