1 Schritt zurück, 10 Schritte vor

Vom Heimkino zum Multifunktionskeller

Jedes Heimkinoprojekt ist anders – und dieses hier war ganz besonders anders! So viel kann ich schon mal versprechen. Wer schon ein Heimkino hatte und dann ein zweites in Angriff nimmt, hat damit normalerweise eine Steigerung an Kinoatmosphäre im Sinn. Aber das ist nicht immer die treibende Kraft. Wie Norbert sein Heimkino eingestampft und in ein gigantisches Wohnzimmer-Kellerkino umgebaut hat, das liest du hier.

Alle Fotos: Norbert G.

Angefangen hatte nämlich alles damit, dass das heimische Wohnzimmer aus familiären Gründen in den Keller ausweichen musste. Das kann einen schon mal hart treffen – aber nicht, wenn es so wie hier gelöst wurde. Das Spannende daran: In besagtem Kellerraum befand sich bereits seit 13 Jahren ein Heimkino!

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Allerdings war das alte Heimkino für Norbert nie so richtig zufriedenstellend gewesen. Klar, denn anno 2007 war das Thema Raumakustik noch nicht so in aller Munde wie heute. Der Klang war dumpf und brummig und ließt vollkommen die Lebendigkeit vermissen.

Das war auch nicht weiter verwunderlich: Die damals noch weit verbreiteten Falschinformationen verleiteten so manchen dazu, viel zu viel Teppich zu verarbeiten, aber die eigentlich sinnvollen raumakustischen Maßnahmen völlig zu vergessen. Was zwar schon sehr gut aussah, hörte sich leider überhaupt nicht so an.

Vorher: Schickes Heimkino im Kellerraum…
… aber ohne akustische Maßnahmen.

Die exakt quadratische Grundfläche des Raums von 588×588 cm bei 213 cm Höhe tat ein übriges. Die Raummoden der Länge und Breite lagen perfekt übereinander und verstärkten so Dröhnen und Auslöschungen extrem. Auch der künstlich abgetrennte Vorraum konnte daran nicht viel verbessern.

Die Karten neu gemischt

Den geänderten Platzbedarf in der Wohnung wollte Norbert nun zum Anlass nehmen, sein Heimkino zurückzubauen und in einen “Multifunktionskellerraum” umzuwandeln.

“Heller Raum mit Wohnzimmer-Charakter, also kein nachgebildetes Heimkino mit Teppich und Vorhängen – Fernseher anstatt Beamer, aber 9-Kanal und Dolby Atmos.”

Neben diesen Hauptanforderungen ging es aber vor allem auch darum, diesmal eine gute Raumakustik zu bekommen und neue Technik anzuschaffen. Eine Menge Stauraum als Ausgleich für den verlorenen Lagerraum sowie Schreibtische für 2 Personen waren ebenfalls zwingend erforderlich.

Nebenbei sollte der Fußboden neue gemacht werden und eine Fußbodenheizung bekommen. Das verringerte die Raumhöhe weiter auf 208 cm und ließ noch weniger Spielraum für akustische Maßnahmen. Eine dezentrale Wohnraumlüftung über das Kellerfenster schien dagegen noch das kleinere Problem zu sein.

Spielwiese für einen begnadeten Heimwerker

Was Norbert hier nach wenigen Wochen Planung und 3 intensiven Beratungsterminen anfing umzusetzen, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Eines ist jedoch sicher: Hier konnte er sich mal so richtig austoben!

Ein IKEA-Hacker wie er im Buche steht

Der wohl auffälligste Hingucker, wenn man den neuen Raum betritt, sind die Regale in den vorderen Raumecken. Dazu hat Norbert – wie überhaupt für den gesamten Raum – den Möbel-Schweden geplündert und eine einzigartige Kallax-Installation gezaubert.

Die überwiegend 1×2 und 1×3 großen Regalteile wurden teilweise bewusst unvollständig zusammengebaut und über die Raumecken montiert und aufgehängt. Hier und da wurden die Teile modifiziert, gekürzt und anderweitig ausgesägt, damit sie perfekt zusammenpassten, ohne an Stabilität zu verlieren.

Die Zwischenräume hat Nobert etwas zurückgesetzt mit Rigipsplatten abgehängt, die an einer Konstruktion aus Alu-Profilen befestigt wurden, wie es im Trockenbau üblich ist. Die verwinkelten Hohlräume wurden mit Steinwolle gefüllt und dienen so im Tiefton ein Stück weit als Absorber, während die Regale im Mittel- und Hochton eher einem einfachen Diffusor gleichen. Die Rückwände der offenen Fächer wurden jeweils mit einer zugeschnittenen Basotect-Platte verkleidet, was nochmal einen gewissen Schallanteil absorbiert.

Durch diese Konstruktion konnte Norbert zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Es ergab sich eine Menge Stauraum, während gleichzeitig die vorderen Raumecken noch akustisch zu etwas gut waren, ohne sie mit auffälligen Bassfallen vollzustellen.

Mit Sicherheit ein Hingucker!
Rechts: Luftauslass für die aktive Wohnraumlüftung.

Die Front als Blickfang

Ein weiterer Hingucker ist die auffällige Gestaltung der Front hinter dem TV. Was auf den ersten Blick wie ein riesiger Diffusor aussieht, verhält sich aber nur bedingt wie ein solcher.

Der komplette Hintergrund wurde mit selbst zugesägten Holzkacheln in 2, 3 und 4 cm Tiefe verkleidet. Das Ergebnis ist ausgesprochen schick!

Kein Diffusor, aber eine diffundierende Wirkung.

Eine gewisse diffundierende Wirkung entsteht dadurch mit Sicherheit, jedoch nur in einem relativ kleinen Frequenzbereich – für mehr sind die Unterschiede zwischen den Vertiefungen zu gering und die Anordnung zu regelmäßig. Macht aber nichts – denn hier ging es rein um die Optik.

Davor zieht der 85″ QLED die Blicke auf sich und ein fahrbares Lowboard beherbergt die Technik.

Im Hinblick auf Zukunftssicherheit verläuft von der Front bis zur Rückwand ein Kabelschacht im Boden und ermöglicht in der Raummitte unter dem Sofa einen Kabelauslass, um dort später Strom für Ladegeräte oder Lautsprecherkabel für Bass Shaker hinzuführen.

Funktionale Rückwand mit akustischer Wirkung

Ein weiteres kleines Meisterwerk für sich ist die Konstruktion der Rückwand. Hier ging es einmal mehr darum, eine Menge Stauraum zu schaffen, gleichzeitig aber die Akustik nicht aus den Augen zu verlieren. Zudem mussten noch 2 Schreibtische untergebracht werden – Home Office lässt grüßen.

In den Raumecken beginnt die Rückwand jeweils mit einer ca. 70 cm breiten Bassfalle, daran anschließend die 100 cm breiten Pax-Schränke. Die Verkleidung wurde bündig zu den Schranktüren gelöst.

Unauffällige Bassfallen in der Rückwand

Weiter zur Mitte hin folgt jeweils ein weiterer Absorber mit geringerer Tiefe. Darin hat Norbert zugleich Standlautsprecher für die Surround-Back-Kanäle bündig eingebaut. Was etwas übertrieben erscheint, hat durchaus seinen Grund: Die Standlautsprecher waren zum Zeitpunkt der Anschaffung aufgrund einer Rabattaktion schlicht und ergreifend deutlich günstiger, als die kleineren Vertreter der Serie, die an den Seiten zum Einsatz kommen.

In der Mitte folgt schließlich eine Kallax-Wand mit viel Stauraum sowie Steckdosen und Netzwerkanschlüsse für die beiden Arbeitsplätze. Auch hier wurde jede freie Lücke nochmal zusätzlich für Absorber genutzt. Und auch dafür hat Norbert einige Regalteile zerlegt und auf unkonventionelle Art verbaut.

Abgehängte Decke mit Deckensegel

Die Decke sollte aus optischen Gründen etwas abgehängt werden, weil die rohe Kellerdecke nicht übermäßig wohnlich war. Wegen der ohnehin schon niedrigen Deckenhöhe musste das aber auf ein Minimum reduziert werden.

Deckensegel in der abgehängten Decke versenkt.

Um trotzdem auch an der Decke noch etwas für die Akustik zu machen, hat Norbert ein großes zweigeteiltes Deckensegel installiert, das nur wenige Zentimeter aus der übrigen Deckenverkleidung hervorsteht. Somit konnte er noch mehr absorbierende Fläche im Raum schaffen.

Gleichzeitig ließ sich am Rand um den Raum herum eine Fuge für indirekte Beleuchtung schaffen. Auch die Deckenlautsprecher wurden in der Decke versenkt und wirken so weniger dick.

Technik auf den neuesten Stand gebracht

Das Lautsprechersystem wollte Norbert komplett neu anschaffen und dabei das Aussehen auf das helle Wohnzimmer abstimmen. Weiße Hochglanzoptik war angesagt. Die Wahl fiel auf die Serie coolSOUND von Saxx.

Perfekt integriert …

An der Front spielen nun die CX 90 mit dem CX 50 Center, zwei CX 30 als Surround sowie die CX 70 als Surround Back. An der Decke sorgen zwei CX 25 für die Atmos-Effekte.

Zu spät stellte sich heraus, dass die CX 30 nicht in die Kallax-Regalfächer passen, was auf der linken Seite erforderlich war. Also hat Norbert nochmal kurz die Oberfräse ausgepackt und die Innenwand des Regalteils bearbeitet, so dass der Lautsprecher perfekt hinein passte.

… mit ausgesägter Regal-Innenseite.

Als AV-Receiver kommt jetzt der Marantz SR6015 zum Einsatz. Für das Bild ersetzt der Sony KD-85XH9505 die frühere Leinwand. Für den nötigen Tiefbass sorgt der Saxx deepSOUND DS 12.

Ein Zwischenstand der laufenden Planung (ich kritzle während den Beratungsterminen sehr viel im letzten Planungsstand herum).

Fazit

Was Norbert hier in wenigen Wochen geschaffen hat, kann sich wirklich sehen lassen! Von einer Verwandlung zu sprechen wäre eigentlich untertrieben. Sehr schön zeigt sich hier, dass es durchaus von Vorteil sein kann, ein separates Heimkino zurückzubauen und ein Wohnzimmerkino daraus zu machen.

Wenn du dich bisher noch nicht zu einem Heimkino durchringen konntest, sollte spätestens das der Anstoß dazu sein. Mit der richtigen Beratung kannst du das schaffen. Melde dich dazu einfach bei uns. Das Gefühl, so ein Projekt gestemmt zu haben, kann dir keiner mehr nehmen.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

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