HDMI ist seit knapp 20 Jahren der Standard in der Signalübertragung bei Heimkinotechnik. Dummerweise steckt die Schnittstelle voller Fehler, Fallstricke und Fettnäpfchen, die so nicht hätten sein müssen. Eine Abrechnung mit der Alternativlosigkeit.
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HDMI ist seit knapp 20 Jahren der Standard in der Signalübertragung bei Heimkinotechnik. Dummerweise steckt die Schnittstelle voller Fehler, Fallstricke und Fettnäpfchen, die so nicht hätten sein müssen. Eine Abrechnung mit der Alternativlosigkeit.
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Hmm, den Rant kann ich in seiner Härte nicht nachvollziehen.
Klar wäre eine optische Schnittstelle besser, aber die Datenrate von TOSLINK ist für moderne Medien auch nicht mehr ausreichend. Da ist bei wenigen MBit/s Schluss, während HDMI im Gigabit-Bereich läuft. Da TOSLINK unidirektional ist, geht damit auch kein Handshake.
Klar wäre das technisch lösbar, aber die Glasfasertechnik aus dem IT-Bereich ist halt teurer und anspruchsvoller, u.a. kommen dort Laser zum Einsatz, die dann nicht unbedingt augensicher sind (die existierenden optischen HDMI-Kabel haben keine Stecker).
Die Protokollprobleme werden durch optische Kabel auch nicht gelöst. Hier ist wohl das Problem, dass der Standard komplex ist und zu viele Hersteller ihre Implementierung einfach hinpfuschen.
Die HDMI-Version spielt für elektrische Kabel insofern eine Rolle als dass die Signale im Hochfrequenzbereich liegen und Kabeleigenschaften wie die Impedanz und frequenzabhängige Dämpfung wichtig werden. Daher schafft nicht jedes Kabel jede Version.
Der Handshake umfasst auch die Konfiguration der Datenleitungen (Takt, Zuordnung der Leitungspaare zu den logischen Datenströmen sowie deren Richtung und Synchronisation). Wenn ein Monitor nicht den Takt für 4k schafft, kann er sich auch nicht das HD-Bild rausziehen, denn dafür müsste er 4k empfangen und runterrechnen können.
Ein Vergleich mit Scart ist insofern unfair als dass selbst wenn darüber HD möglich wäre, die Rechteinhaber dem mangels Kopierschutz nie zustimmen würden. Somit macht es auch keinen Sinn, das Heimkino wie im TV-Studio mit SDI zu verkabeln, das ist auch unverschlüsselt.
Ich stelle nicht in Abrede, dass HDMI durchaus seine Probleme hat, aber die Entwickler des Standards waren auch keine Vollidioten und ich erkenne an, dass es da auf technischer Ebene einige Herausforderungen gibt.
Hallo Lars,
ja, ich bekomme relativ viel Feedback dazu, wo jemand das nicht nachvollziehen kann. Liegt sicher auch daran, dass a) zum Glück nicht jeder diese Probleme mit seiner Technik-Konstellation hat und b) viele noch nicht lange genug im Thema sind, um die früheren Lösungen zu kennen und zu schätzen.
Hier müssen wir zum Beispiel aufpassen, dass wir nicht Dinge durcheinander werfen. TOSLINK hat erstmal gar nicht viel mit der Datenrate zu tun. Das ist in erster Linie nur die Art, wie die Stecker mit den Geräten verbunden werden und wie die Übertragung zustande kommt. Das eigentliche Signal dahinter ist S/PDIF, und das ist es, was maßgeblich die Datenrate einschränkt. Was ich hier einfach nur sagen will ist: Es hätte von Anfang an nichts dagegen gesprochen, bei TOSLINK zu bleiben und nur die Signalart dahinter gegen eine mit höherer Datenrate auszutauschen. Oder vereinfacht: von vorneherein bei einer optischen Datenübertragung bleiben, ganz egal wie diese im Detail gelöst wird (gerne auch mit neuen Steckern).
Mit dem Handshake hat das erstmal nur bedingt was zu tun. Man kann auch in einem Signal in regelmäßigen Abständen eine Information übertragen, was da gerade gesendet wird (bzw. passierte das ja auch schon), so dass sich das Empfangsgeräte darauf einstellen kann. Bezüglich Handshake ging es mir vor allem auch darum, zu sagen, dass dieser (zumindest für Anwendungen mit Qualitäts-Fokus) von der falschen Seite her gedacht wurde. Nicht der Sender sollte sich auf den Empfänger einstellen, sondern der Empfänger auf den Sender. Denn nur so umgehen wir Probleme wie „zu spät bemerkte Qualitätsminderung“. Aber HDMI verfolgt eben den Ansatz „Hauptsache es funktioniert“, den ich durchaus auch verstehen kann.
Das sind Probleme, die hätte man auch vor 20 Jahren schon locker lösen können. Dann braucht’s halt Stecker, wo man nicht reingucken kann. 😉
Das ist ja genau das, was ich meine. Wenn ein Monitor nicht 4k-fähig ist, der Sender aber 4k in die Leitung schiebt – wo liegt dann der Fehler? Meine Meinung: beim Anwender. Denn der Anwender versteht in diesem Fall nicht, dass man (Achtung, Autovergleich) Benzin nicht in ein Dieselfahrzeug kippen darf. Nun kann man es machen wie HDMI und den Anwender für blöd hinstellen und ihm diese Entscheidung einfach abnehmen – aber dann leben eben alle Anwender mit dem Problem, dass in gewissen Situationen die Qualität reduziert wird. Oder man hält den Anwender einfach für intelligent genug, zu verstehen, dass 4k nicht mit einem 2k-Monitor geht, und für diejenigen, die es trotzdem versuchen, gibt der Monitor eben ein dezentes „geht nicht“ aus.
Wir sind da schon voll auf der selben Wellenlänge. Idioten waren das gewiss nicht. Viele der Probleme entstehen ja auch nicht durch die Schnittstelle selbst, sondern durch die Implementierung der verschiedenen Hersteller. Bestes Beispiel dafür dürfte CEC sein. Gerade hatten wir bei uns im Heimkino Praxis Club wieder einen Fall, wo jemand in einer bestimmten Konfiguration ARC nicht vernünftig zum Laufen bringen konnte, weil CEC ausgeschaltet wurde, da dieses Probleme gemacht hat. Da muss ich mich fragen, warum Hersteller auf diese Idee kommen, zwei völlig unterschiedliche Funktionen, die sinngemäß nichts miteinander zu tun haben, aneinander zu koppeln bzw. gegenseitig zur Bedingung zu machen.
Darüber hinaus liegen die Probleme von HDMI aus meiner Sicht rein im konzeptionellen Ansatz begraben, nicht im technischen Teil. Wie erwähnt eben, dass man versucht hat, eine Schnittstelle zu schaffen, die jeder Depp ohne nachzudenken verwenden kann.
> TOSLINK hat erstmal gar nicht viel mit der Datenrate zu tun.
Jein. Bei meiner ersten Surround-Anlage in den 90ern habe ich mir Lichtwellenleiter von der Rolle gekauft (die Geräte standen in unterschiedlichen Räumen) und mit Streichhölzern in den TOSLINK-Steckern festgeklemmt (ich hatte Stecker besorgt, der LWL war aber wohl zu dünn). Das lief viele Jahre ohne Probleme. Aber mit der Datenrate steigen auch die Präzisionsanforderungen an die Verbinder.
> Mit dem Handshake hat das erstmal nur bedingt was zu tun. Man kann auch in einem Signal in regelmäßigen Abständen eine Information übertragen, was da gerade gesendet wird (bzw. passierte das ja auch schon), so dass sich das Empfangsgeräte darauf einstellen kann.
Eine reine „Deklaration“ des Signaltyps könnte man so machen. Aber ein Handshake ist per Definition bidirektional. Ich sehe auch nicht, wie man auf einen Handshake bei einem modernen Protokoll verzichten können sollte, von der DRM-Thematik mal ganz abgesehen. Die Details sind zu komplex als dass ein durchschnittlicher Kunde die Protokollparameter manuell einstellen könnte, somit halte ich die Auto-Konfiguration für sinnvoll und unverzichtbar.
HDMI wird auch auf Konferenzen verwendet, wo jeder Vortragende mit seinem eigenen Notebook ankommt und wo keine Zeit ist, manuell Notebook und Beamer in Einklang zu bringen. Siehe zu VGA-Zeiten, wo man „nur“ die Monitorfrequenzen einstellen musste. Wobei selbst VGA schon einen einfachen Handshake (DDC) hatte.
Wenn der Beamer dann nur mit „Computer (bzw. Beamer) sagt nein“ reagiert, kann der Hersteller die Support-Hotline gewaltig aufstocken.
Ohne Rückkanal wäre es auch schwierig, die Datenströme zur Latenzkompensation (zwecks Lippensynchronität) zeitlich zu verschieben, jedenfalls wenn man die Datenströme nicht im AV-Receiver kompliziert zwischenspeichern möchte.
Dass bei jeder Änderung an der Geräte-Kette einmal kurz das Bild weg ist, dürfte eine reine Kostenfrage sein: Es ist einfacher, die Aushandlung einmal komplett neu zu starten als genau zu unterscheiden, welche Parameter unverändert weiterlaufen sollten, ein Subset neu auszuhandeln und im laufenden Betrieb alles wieder synchron zu bekommen.
Die im Podcast erwähnten „Signalisierungs-Faker“ beweisen eigentlich auch, dass Hersteller schon jetzt eine manuelle Steuerung des Handshakes umsetzen könnten, bei der der Benutzer dem Gerät genaue Vorgaben machen könnte, welche Optionen ausgehandelt werden dürfen und welche nicht. Als Hersteller würde ich mir aber auch genau überlegen, ob ich in den Kaninchenbau absteigen möchte.
Ladet doch mal einen Experten von einem Hersteller in den Podcast ein, das könnte extrem spannend sein. Ich denke, da gibt es noch viel mehr Wechselwirkungen, die einem erst klar werden, wenn man wirklich tief in der Materie drinsteckt.
Hast du schon mal versucht, einen Hersteller für sowas zu kontaktieren oder sogar einen echten Experten an die Leitung zu bekommen? Viel Glück dabei. In der Regel bekommst du keine Antwort.
Da hab ich ehrlich gesagt auch nichts davon, weil das die Situation nicht verbessern würde. Es ist nun mal Fakt, dass HDMI eine Menge Macken hat, die einem ambitionierten Anwender gehörig auf die Nüsse gehen. Nichts anderem habe ich hier mal Luft gemacht. 😉