60° – Theorie einer perfekten Lautsprecheraufstellung

Kaum ein Themengebiet ist für angehende Heimkino-Besitzer so schwer zu durchschauen, wie die Aufstellung ihrer Lautsprecher. Ich versuche es hier einmal auf eine völlig andere Art. Mit Hilfe des theoretischen Ansatzes einer 60°-Lautsprecheraufstellung will ich aufzeigen, wie du die perfekten Positionen für Lautsprecher in jedem beliebigen Raum findest.

Zeichnung eines Sechsecks, an dessen Ecken sich jeweils ein Lautsprecher befindet: FL (Front Left), FR (Front Right), SL (Surround Left), SR (Surround Right), SBL (Surround Back Left) und SBR (Surround Back Right). Der Center (C) nimmt eine Sonderstellung zwischen FL und FR ein und belegt keine der 6 Ecken.
Die theoretisch optimale Aufstellung eines Mehrkanal-Lautsprechersystems mit 7 Lautsprechern in einem Sechseck.

Die 60°-Lautsprecheraufstellung ist eine Idee, die mir schon lange im Kopf herumschwirrt. Sie ist keine offizielle Hersteller-Empfehlung wie die von Dolby oder Auro-3D, obwohl sie zumindest der Erstgenannten nicht wesentlich widerspricht. Würdest du dich genau an die hier vorgestellte Lösung halten, wäre das grundsätzlich nicht falsch. Ich gebe nur zu bedenken, dass es sich eben nur nicht um die Hersteller-Vorgaben für Dolby Atmos oder ein anderes System handelt.

Grundaufstellung: Die untere Ebene

Wir gehen von einem Sechseck aus, an dessen Ecken sich die Lautsprecher befinden. Der Mittelpunkt des Sechsecks ist die Sitzposition: der Hörplatz bzw. Referenzplatz. Dort befindet sich der Kopf der coolsten Person im Raum. All das spielt sich also auf Ohrhöhe, sitzend, also ca. 90 cm über dem Boden ab.

Der Center nimmt wie in jedem System eine Sonderstellung ein. Seine einzige Aufgabe ist es, Stimmen und Geräusche in die Bildmitte zu verlagern, auch wenn man sich auf einem seitlichen Sitzplatz befindet. Für die übrige Lautsprecheraufstellung ist er völlig irrelevant; ebenso hat er für den Referenzplatz keinen Nutzen. Du kannst ihn gedanklich ausblenden.

Wie du siehst, bringt diese äußerst geometrische Art der Lautsprecheraufstellung alles mit sich, was du üblicherweise beachten solltest.

  • Aus Referenzplatz und Frontlautsprechern ergibt sich ein perfektes Stereo-Dreieck für den optimalen Musikgenuss.
  • Die Surround-Lautsprecher befinden sich genau seitlich und damit innerhalb der Toleranz der von Dolby empfohlenen 90–110°.
  • Surround-Back kommt von hinten und liegt gleichmäßig verteilt auf einem Bogen mit den Surround-Lautsprechern. Zudem befinden sie sich innerhalb der Toleranz der von Dolby empfohlenen 135–150°.

Auch zwischen allen anderen nebeneinander liegenden Lautsprechern ergibt sich jeweils ein Dreieck, zum Beispiel zwischen FR (Front Right) und SR (Surround Right) oder zwischen SL (Surround Left) und SBL (Surround Back Left). Das sind lauter gleich große Stereo-Dreiecke, wenn man es so nennen will. Laut geometrischer Definition betragen alle Winkel eines gleichwinkligen Dreiecks 60° – daher der Name dieser Aufstellung.

Einschränkung auf die Raumdimension

Nun wäre es vermessen zu glauben, diese perfekte Aufstellung ließe sich einfach so in einem Raum unterbringen. Aber das ist auch gar nicht nötig. Der eigentlich Maßstab ist das Dreieck aus Frontlautsprechern und Sitzposition. Diese Konstellation will man üblicherweise so groß wie möglich in der verfügbaren Heimkino-Fläche unterbringen.

Fügen wir also mal eine typische Begrenzung eines Raums ein, der der Länge nach genutzt werden soll.

Die Lautsprecheraufstellung im Sechseck mit zusätzlicher Raumbegrenzung, durch die sich die Front über eine kurze Wand ausbreitet und die Sitzposition an eine realistische Stelle rückt. Alle 4 Surroundlautsprecher befinden sich außerhalb der Raumbegrenzung.
Die 60°-Lautsprecheraufstellung mit einer typischen Raumdimension überlagert …

Die vier Surround-Lautsprecher werden dabei meistens irgendwo außerhalb der Raumbegrenzung landen. Das ist normal und nicht weiter schlimm, wie wir gleich noch sehen werden.

Wenn du dieses Sechseck auf einem Grundriss deines Raums nachbilden willst, ist es meistens einfacher, nicht mit dem Mittelpunkt (der Sitzposition) zu beginnen, sondern mit den Frontlautsprechern. So hast du zwei Bezugspunkte, die meistens von vorneherein weitestgehend feststehen. Über das Stereo-Dreieck ergibt sich daraus die Sitzposition und damit der Ausgangspunkt für alle weiteren Lautsprecher.

Dummerweise können wir die Surround-Lautsprecher nicht hinter der Wand stehen lassen. Deshalb verschieben wir jeden einzelnen auf seiner Achse zum Sitzplatz hin, bis er sich im Raum befindet – wie auf einer Schiene.

Die Lautsprecheraufstellung im Sechseck mit Raumbegrenzung, bei der die Surroundlautsprecher auf ihrer Achse in Richtung Mittelpunkt des Sechsecks verschoben werden, bis sie sich innerhalb der Raumbegrenzung befinden.
… und auf die Raumdimension angepasst. Alle Lautsprecher können nach Bedarf auf ihrer Achse verschoben werden.

Die Achse eines Lautsprechers führt immer vom Mittelpunkt des Sechsecks zu der entsprechenden Ecke und dahinter weiter bis ins Unendliche. Das Sechseck ist also nicht als Begrenzung zu sehen, sondern nur als geometrische Orientierungshilfe. Wenn dein Raum zu einer Seite hin offen ist, kannst du die Achse beliebig verlängern, bis du auf eine Wand stößt.

Auf die Winkel kommt es an, weniger auf den Abstand

Wenn du das einmal verstanden hast, wirst du nie wieder Probleme haben, eine passende Lautsprecheraufstellung zu finden.

So lange ein Lautsprecher auf seiner Achse bleibt, wird auch sein Winkel zum Referenzplatz immer der gleiche sein. Egal wie nah oder fern er ist, der Ton von diesem Lautsprecher wird immer aus der selben Richtung kommen.

Ich schreibe bewusst, dass es weniger auf den Abstand ankommt, nicht dass es nicht darauf ankommt. Würde sich der Lautsprecher nur 20 cm hinter deinem Kopf befinden, so wäre das ebenso suboptimal, wie wenn er sich 200 m entfernt befinden würde.

  • Befindet sich ein Lautsprecher zu nah, wirkt sein Klang sehr direkt. Er sticht aus dem Rest des Systems heraus.
  • Ist ein Lautsprecher zu weit entfernt, erreichen dich neben dem Direktschall auch viele Reflexionen von den umliegenden Wänden. Diese werden mit zunehmendem Abstand stärker, weil die Streuung größer ist.

Einen ungünstigen Abstand zum Hörplatz kannst du bis zu einem gewissen Grad ausgleichen.

  • Der Pegel wird für jeden einzelnen Lautsprecher angepasst, so dass am Hörplatz alles gleich laut ankommt.
  • Die Verzögerungszeit wird aus dem Abstand berechnet, so dass Schallereignisse aus allen Lautsprechern zum selben Zeitpunkt am Hörplatz eintreffen.

Das sind die zwei wesentlichen Aufgaben des automatischen Einmesssystems, das heute nahezu jeder AV-Receiver besitzt. Du kannst diese Angaben aber auch einfach selbst machen – das ist meistens genauer.

Wenn aber der Winkel, in dem sich ein Lautsprecher zum Hörplatz befindet, nicht stimmt, kann auch der teuerste AV-Receiver nichts mehr retten. Der Winkel ließe sich nur virtuell verändern, indem ein Kanal über mehrere Lautsprecher wiedergegeben wird. Das verursacht aber meistens mehr Probleme, als es löst.

Höhenebene mit 2 Deckenlautsprechern

Gehen wir mal eine Ebene höher: Dolby Atmos mit 2 Deckenlautsprechern. Auch hier wenden wir das 60°-Prinzip wieder an. Würden wir von unserem Sitzplatz aus ein paar Schritte zurück treten, könnten wir in etwa das sehen:

Seitenansicht der 60°-Lautsprecheraufstellung mit Blick in Richtung Front. Die Ansicht gleicht einem halben Sechseck mit SL (Surround Left), TL (Top Left), TR (Top Right) und SR (Surround Right) an den Ecken.
Seitenansicht mit Blick in Richtung Front; Schnitt durch ein weiteres Sechseck entlang der Achse zwischen den Surround-Lautsprechern

Drei gleichwinklige Dreiecke ergeben ein halbes Sechseck. Damit ergibt sich auch über die Raumbreite eine perfekte Gleichverteilung zwischen links und rechts – nämlich in einem Bogen über dem Referenzplatz.

Um die Abdeckung der gesamten Sphäre über dem Sitzplatz gleichmäßig zu gewährleisten, müssen diese zwei Lautsprecher genau darüber hängen, also von vorne und hinten bei 90°. Dolby empfiehlt 80°, aber zur Erinnerung: Wir ignorieren hier mal alle Empfehlungen der Soundsysteme. Bei 90° erreichen wir die gleichmäßige Abdeckung über die Raumlänge.

Was die Dolby-Empfehlung nämlich nicht exakt aussagt ist, wie weit außen die beiden Deckenlautsprecher hängen müssen. Und tatsächlich ist das eine der häufigsten Fragen, die ich in meinen Beratungen zu Dolby Atmos gestellt bekomme. “Einspruch,” wirst du jetzt vielleicht denken, “es gibt eine Empfehlung von Dolby.” Ja tatsächlich, und diese lautet: so breit wie die Frontlautsprecher auseinander stehen. Sehen wir uns mal an, warum ich das für Quatsch halte und was die 60°-Lautsprecheraufstellung besser macht.

Seitenansicht der 60°-Lautsprecheraufstellung mit Blick in Richtung Front und Raumbegrenzung.
Mit einer typischen Raumbegrenzung überlagert …

Wenn wir auch hier die Raumbegrenzung einzeichnen, sieht man schnell, dass nicht nur die Surround-Lautsprecher auf ihrer Achse näher gerückt werden müssen, sondern auch die Deckenlautsprecher. Nicht nur bei Kellerräumen mit 210–220 cm Raumhöhe wird das erforderlich sein, sondern auch bei gewöhnlichen Wohnräumen mit 235 cm Raumhöhe und mehr.

Seitenansicht der 60°-Lautsprecheraufstellung mit Blick in Richtung Front und Raumbegrenzung. Die Lautsprecher wurden jeweils auf ihrer Achse, die auf den Mittelpunkt des Sechsecks zuläuft, nach innen verschoben, bis sie sich innerhalb der Begrenzung befinden.
… und mit den Lautsprechern auf die Raumdimension angepasst.

Je niedriger die Raumhöhe ist, desto näher rücken die Deckenlautsprecher dabei zusammen, wenn sie auf ihrer Achse und damit im korrekten Winkel bleiben sollen.

Draufsicht der 60°-Lautsprecheraufstellung innerhalb der Raumbegrenzung. Die Positionen, über denen sich die 2 Deckenlautsprecher befinden, sind markiert. Diese befinden sich nicht in einer Linie mit den Frontlautsprechern, sondern weiter innen.
Die Positionen zweier Deckenlautsprecher in der Draufsicht markiert.

Überträgt man diese neuen seitlichen Positionen in die Draufsicht, zeigt sich sehr schnell, dass die Deckenlautsprecher bestenfalls zufällig bei einer ganz bestimmten Raumhöhe in einer Flucht mit der Front hängen müssen. Rein geometrisch gesehen haben sie aber überhaupt keinen Bezug dazu. Was der Dolby-Empfehlung also fehlt, ist die Angabe eines seitlichen Winkels für die Deckenlautsprecher.

Höhenebene mit 4 Deckenlautsprechern

Damit kommen wir zu Dolby Atmos mit 4 Deckenlautsprechern. Die seitlichen Winkel bleiben wie oben beschrieben erhalten. Jetzt wechseln wir in eine Seitenansicht mit Blick zur rechten Seitenwand, also ein Schnitt längs durch den Raum.

Seitenansicht der 60°-Lautsprecheraufstellung mit Blick zur rechten Seitenwand. Die Ansicht gleicht einem halben Sechseck mit F (Front), TF (Top Front), TB (Top Back) und SB (Surround Back) an den Ecken.
Seitenansicht mit Blick zu einer Seitenwand; Schnitt durch die Mitte des Raums entlang der Längsachse

Die Lautsprecher befinden sich in der Zeichnung auf dem Innenradius des Sechsecks, weil sie abseits der Raummitte positioniert sind. Mit einem Blick auf die Draufsicht oben müsstest du das nachvollziehen können.

Seitenansicht der 60°-Lautsprecheraufstellung mit Blick in Richtung rechter Seitenwand und Raumbegrenzung.
Erneut mit einer typischen Raumbegrenzung überlagert …

Wie bereits geschehen fügen wir die Raumbegrenzung hinzu, um die selbe Feststellung wieder zu machen: Die meisten Lautsprecher müssen auf ihrer Achse nach innen verschoben werden. Vielleicht auch nach außen – das hängt ja von deinem Raum ab.

Seitenansicht der 60°-Lautsprecheraufstellung mit Blick zur rechten Seitenwand und Raumbegrenzung. Die Lautsprecher wurden jeweils auf ihrer Achse, die auf den Mittelpunkt des Sechsecks zuläuft, nach innen verschoben, bis sie sich innerhalb der Begrenzung befinden.
… und die Lautsprecher auf die Raumbegrenzung angepasst.

Damit ergeben sich die Positionen der beiden Deckenlautsprecher-Paare auf die Raumlänge bezogen.

Draufsicht der 60°-Lautsprecheraufstellung innerhalb der Raumbegrenzung. Die Positionen, über denen sich die 4 Deckenlautsprecher befinden, sind markiert. Diese befinden sich nicht in einer Linie mit den Frontlautsprechern, sondern weiter innen, und sind außerdem quadratisch um den Sitzplatz herum angeordnet.
Die Positionen von 4 Deckenlautsprechern in der Draufsicht bilden ein Quadrat um den Sitzplatz herum.

Geometrische Probleme

Die aufmerksamen Mathematiker unter den Lesern dürften jetzt feststellen, dass da etwas nicht stimmen kann. Wir haben jeweils nur den zweidimensionalen Schnitt durch den Raum betrachtet und in diesem den 60°-Winkel eingezeichnet. Überträgt man das in die dritte Dimension, ist der Winkel nicht mehr 60°, sondern ein Stück flacher. Um das Prinzip möglichst anschaulich erklären zu können, möge man mir diese Ungenauigkeit aber bitte verzeihen.

Tatsächlich ermittelst du die korrekten Winkel der 60°-Lautsprecheraufstellung, indem du eine Pyramide konstruierst, die auf der Spitze steht. Die Spitze ist die Kopfposition (Mittelpunkt des Sechsecks). Der Pfeil markiert die Blickrichtung zur Front.

Schematische Darstellung einer auf der Spitze stehenden Pyramide mit quadratischer Grundfläche. Alle Winkel der vier dreieckigen Seiten betragen 60°. An den vier Eckpunkten der oben aufliegenden quadratischen Grundfläche befinden sich die vier Deckenlautsprecher.
Die Deckenlautsprecher-Pyramide der 60°-Lautsprecheraufstellung

Die Pyramide hat eine quadratische Grundfläche, deren Ecken die Positionen der 4 Deckenlautsprecher markieren. Die 4 Seitenflächen sind gleichwinklige Dreiecke. Hier haben wir die 60° wieder, und zwar zwischen allen 4 Deckenlautsprechern.

Grundsätzlich haben wir ein kleines Problem, wenn wir das ursprüngliche Sechseck korrekt in die dritte Dimension übertragen wollen. Mit einem Fünfeck geht das wesentlich besser (Pentagondodekaeder). Bei einem Sechseck ist aber nicht ganz klar, was dabei heraus kommt: irgend ein Archimedischer Körper jedenfalls, wahrscheinlich vom Untertyp Oktaederstumpf.

Wir unterliegen außerdem immer noch den gängigen Tonformaten, weil uns all die graue Theorie nichts bringt, wenn wir am Ende keine Signale auf die Lautsprecher schicken können. Da ist Dolby Atmos mit 4 Deckenlautsprechern nun mal immer noch der am besten unterstütze Standard.

Schematische Darstellung der 60°-Lautsprecheraufstellung mit 4 Deckenlautsprechern. Lautsprecher der unteren Ebene sind mit blauen Linien verbunden, die perfekte gleichwinklige Dreiecke mit dem Sitzplatz ergeben. Lautsprecher der oberen Ebene sind mit roten Linien untereinander und zum Sitzplatz hin verbunden. Lautsprecher der unteren und oberen Ebene sind mit grünen Linien verbunden.
Perfekte 60°-Winkel auf der unteren (blau) und oberen (rot) Ebene. Zwischen der unteren und oberen Ebene (grün) können sich geometrisch bedingt keine perfekten Dreiecke ergeben.

Perfekte gleichwinklige Dreiecke zwischen den Lautsprechern der unteren und oberen Ebene können wir also nicht erreichen. Aber mit der 60°-Lautsprecheraufstellung nähern wir uns ganz gut daran an. Eine möglichst gleichmäßige Abdeckung mit Lautsprechern um den Sitzplatz herum war das Ziel, und das ist damit erreicht.

Kompatibilität zu gängigen Empfehlungen

Die Frage ist nun: Was hindert dich daran, die 60°-Lautsprecheraufstellung zu verwenden? Das hängt gänzlich von der Sound-Strategie deines Heimkinos ab. Ich gehe die Vor- und Nachteile deshalb anhand der gängigen 3D-Soundformate durch.

Dolby Atmos

Es dürfte kaum zu übersehen sein, dass die 60°-Lautsprecheraufstellung besonders kompatibel zu Dolby Atmos ist. Der wesentliche Unterschied ist wohl der,

  • dass Dolby sich zuerst Gedanken darüber gemacht hat, wie ein 3D-Format für große Kinos mit vielen Sitzplätzen realisiert werden kann; erst danach musste das ganze für Wohnzimmer tauglich gemacht werden.
  • Die 60°-Aufstellung nimmt von vorneherein ausschließlich Heimkinos in den Fokus. Dabei wird alles für den Hauptsitzplatz optimiert, die übrigen Plätze sind im Nachteil (was aber zwangsläufig bei jeder anderen herkömmlichen Aufstellung auch so ist).

Dolby Atmos gibt bei 4 Deckenlautsprechern 45°-Elevationswinkel von vorne und hinten vor (80° von vorne bei 2 Deckenlautsprechern). Die seitlichen Winkel sind nur vage definiert.

Bei der 60°-Aufstellung mit 4 Deckenlautsprechern betragen alle Winkel zwischen den Lautsprechern 60°. Darüber hinaus gibt es keine Abweichungen. Bei 2 Deckenlautsprechern würde ich wahrscheinlich bei den 80° von Dolby bleiben oder sogar noch etwas weiter nach vorne gehen. Das Geschehen spielt sich dann doch eher vorne ab.

Der Elevationswinkel von 60° zu den Seiten dürften sich darüber hinaus in vielen Heimkinos als Vorteil für seitliche Sitzplätze herausstellen. Die Chancen stehen gut, dass die Lautsprecher damit in einer Linie mit den äußeren Sitzplätzen hängen – eine Empfehlung, die ich immer wieder gebe. Dadurch sind Effekte von oben nicht auffallend seitlich versetzt, wenn man nicht in der Mitte sitzt.

DTS:X

Die Vorgaben von DTS:X sind im übertragenen Sinne in etwa so definiert:

Unser 3D-Soundsystem war als letztes marktreif, deshalb richten wir uns nach den anderen etablierten Systemen. Stellt die Lautsprecher so auf wie ihr wollt, unser System biegt den Sound dann schon zurecht.

Das ist vielleicht etwas überspitzt ausgedrückt, aber letztendlich gibt es keine genauere Aussage (wenn sie doch mal jemand findet: bitte her damit). Insofern: volle Kompatibilität!

Auro-3D

Auro-3D geht schon von Anfang an einen anderen Weg. Es ist ja auch das einzige 3D-Tonformat, das kanalbasiert arbeitet, nicht objektbasiert, wofür es gute Gründe gibt.

Die erste Höhenebene wird bei Auro-3D auf einen Elevationswinkel von 30° gelegt. Das kommt vielen Heimkinobesitzern entgegen, weil die Lautsprecher so meistens noch an die Wand geschraubt werden können, und nicht an die Decke müssen – oft ein riesiger Vorteil in Mietwohnungen!

Der eigentliche Grund für die 30° ist aber, dass die Ortung von Geräuschen durch unsere Ohren in diesem Winkel noch sehr gut funktioniert. Bei den von Dolby vorgegebenen 45° (und erst recht bei 80°) lässt unsere Fähigkeit, die genaue Richtung eines Geräuschs zu bestimmen, erheblich nach. Ich konnte das in einem Selbstversuch weitestgehend bestätigen. Die Abdeckung des oberen Bereichs beantwortet Auro-3D mit einer zweiten Höhenebene, dem “Voice of God”.

So gesehen ist Auro-3D eine 30+60°-Lautsprecheraufstellung. Das Ziel der vollständigen Abdeckung der oberen Sphäre ist damit ähnlich, aber es wird auf einem anderen Weg erreicht. Somit gibt es keine Kompatibilität.

In Anbetracht des dünn gesäten nativen Auro-3D-Filmmaterials sehe ich darin aber kein Problem. Auro-3D-Besitzer nutzen die meiste Zeit über den Upmixer (Auro-Matic), der technisch bedingt keine gezielt ortbaren Effekte produzieren kann, sondern nur die allgemeine Klangkulisse geschickt nach oben hebt. Ich sehe keinen Grund, warum das bei einem 60°-Winkel nicht mindestens genauso gut funktionieren sollte.

Fazit

Die 60°-Lautsprecheraufstellung liefert eine unmissverständliche, geometrische Antwort auf die Frage, welcher Lautsprecher sich in welchem Winkel zum Referenzplatz befinden sollte. Sie sorgt für die gleichmäßige Abdeckung der halben Sphäre über dem Referenzplatz eines Heimkinos mit den Lautsprechern eines gängigen 7.1.4-Systems.

Die Kompatibilität zu bestehenden Systemen ist weitestgehend vorhanden. Gravierende Nachteile scheint es nicht zu geben. Also – wer traut sich, das mal nachzubauen?

In jedem Fall interessiert mich deine Meinung dazu – sei es zu der Idee der 60°-Lautsprecheraufstellung an sich, oder einfach nur zur Verständlichkeit dieser Erklärung. Ab in die Kommentare damit!

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

11 Gedanken zu „60° – Theorie einer perfekten Lautsprecheraufstellung

  1. Hallo Bert,

    sehr schön erklärt, Deine Theorie.

    Aufgrund der Idee, im Kino alles so symmetrisch wie möglich aufzubauen, finde ich Deinen Ansatz eine Überlegung wert, auch wenn ich jetzt nicht alles deswegen umbauen würde. Wenn ich aber mal neue Lautsprecher für “oben” mein eigen nenne (also nach der Ansparphase :-D), werde ich aber diese Empfehlung auf jeden Fall mal ausprobieren. Ansonsten bin ich eher dem Dolby Ansatz gefolgt. Mein Receiver kann kein Auro, daher habe ich mich mit dem Setup mangels Sinn nicht auseinander gesetzt und wie Du sagst, ist es DTS ja völlig egal 🙂

    Viele Grüße,
    Marco

  2. Ich finde das ist eine naheliegende und geometrisch elegante Lösung. Sehr schön.
    Deinen Ausführungen zu den Deckenlautsprechern konnte ich aber nicht so ganz folgen. Es gibt doch Receiver, die sechs Deckenlautsprecher unterstützen und abgesehen vom Preis hindert uns bei einem objektbasiertem Standard nichts daran, diese auch zu nutzen. Zwischen den von dir eingezeichneten TFL/TFR und TBL/TBR fänden dann noch TSL und TSR ihren Platz (sechsseitiger Pyramidenstumpf). Dass sich dann z.B. zwischen TFL und TSL vom Hörplatz aus ein kleinerer Winkel als 60° ergibt, erscheint mir ein geometrisch eleganterer Ansatz zu sein. Zwischen TFL und TRB ergeben sich so aber wieder die angestrebten 60°.
    Einwerfen könnte man noch, dass sich so ein System wohl am besten für eine einzelne Person eignet, da die Surrounds leicht vom Sitznachbarn verdeckt würden. Ein Center würde sich dann tatsächlich aber auch erübrigen.

    Viele Grüße
    Jens

    1. Hallo Jens,

      vielen Dank für deine Ergänzung. Ich habe tatsächlich länger überlegt, wie man 6 Deckenlautsprecher sinnvoll in das System einbinden kann. Der sechseckige Pyramidenstumpf schien mir dabei auch am sinnvollsten zu sein. Allerdings um 30° versetzt, so dass man oben einen Center und einen Top-Back-Surround hätte.

      Im Endeffekt ist das so oder so aber nicht wirklich relevant. 6 Deckenlautsprecher sind aus meiner Sicht nur bei 2 oder eigentlich sogar erst 3 Sitzreihen interessant. Dann ist man aber ganz schnell in einer Ecke, wo es nicht mehr sinnvoll ist, hauptsächlich auf einen Einzelplatz zu optimieren. Die Grundbedingungen für die 60°-Aufstellung verblassen dann sehr schnell und vermindern so deren Sinn.

  3. Hi und danke für den tollen Artikel.

    Wie würde das ganze denn bei 5.1.4 aussehen? Die beiden Surround LS dann einfach etwas weiter nach hinten stellen, damit sie sich leicht hinter der Hörposition befinden?

  4. Ich bin gerade dabei, mir ein 3D-Soundlayout aufzubauen. Zum Jahresanfang sollte es geschafft sein. Ich werde der Auro-Empfehlung mit 30° Evelationswinkel folgen.

    Wie du selbst erkannt hast, funktioniert die Ortung bei seitlich angebrachten Lautsprechern besser. Außerdem lassen sich die Soundformate mit Dolby-Atmos und DTS-X sowieso bei richtiger Aufstellung gemeinsam nutzen. Und die seitliche Aufstellung klappt hier ebenfalls gut, es entsteht viel besser das Gefühl von Räumlichkeit & einhüllendem Sound. Das halte ich persönlich für angenehmer als “von oben drauf”. Das fällt beim Hören von Musik (auch Filmmusik) besonders auf. Aus meiner Sicht ziehst du falsche Schlüsse.

    Ich glaube, seitlich passt besser zu uns Menschen. Da sitzen auch unsere Ohren.

    1. Was ich an der Auro-3D-Aufstellung bei 30° bemängle, ist der fehlende Abstand zur unteren Ebene. Dadurch kann man sie kaum von dieser unterscheiden. Je kleiner der Winkel, desto überflüssiger die zusätzlichen Lautsprecher.

      Anatomisch gesehen magst du mit den seitlichen Ohren Recht haben. Aber bedenke: Den Vogel auf dem Baum interessiert das nicht, wenn er über dir pfeift.

      1. Na dann lies mal oder schau Dir mal einige Videos von Auro-Päpsten an (z.B.: https://www.youtube.com/watch?v=xHNc7c-9q5U). Die Auroisten werden nicht müde, die wissenschaftliche Bestätigung (“Unstrittig”) der 30 Grad für die obere Ebene zu wiederholen.
        Mit “anderen Konstellationen” ist ein geschlossener/lückenloser Übergang von der unteren zur oberen Ebene “auch, aber nicht so gut” möglich …
        Was man nicht alles tut, um seine Produkte als die ideale Rundumlösung zu verkaufen; irgendwie muss man eben gegen die Übermacht von Dolby antreten.

        Ich stimme Dir voll zu. Ganz einfach weil ich eine Atmos-Idealpositionierung bei mir umgesetzt habe (45 Grad nach hinten und vorne an der Decke); Stereodreieck mit Center vorne. Atmoslautsprecher auf einer Linie mit den Front- und Surraundlautsprechern.
        Und das Ganze klingt schlicht beeindruckend; eine Lücke zwischen unterer und oberer Ebene ist nicht vorhanden. Im Gegenteil: die obere Ebene harmoniert (insbesondere auch im 2D-Surroundbereich) ganz hervrorragend.
        Beim Zuschalten eines DSP wird es noch harmonischer …

        Also wer unbedingt Denon und Marantz kaufen möchte, wird diesen Ausführungen sicher bedenkenlos zustimmen. Und Auro bzw. die Auromatic mag ja auch sehr gut funktionieren.
        Aber sie ist bestimmt nicht (und auch nicht in der dargestellten Form) die einzige Lösung, um einen umhüllenden 3D-Klang zu Hause zu erreichen!

    2. Es scheint mir so zu sein, dass auch Du dem Vorurteil unterliegst, dass bei einer Dolby Atmos-Tonspur bzw. einer entsprechenden Deckenanbringung der Lautsprecher, ständig und immerwährend etwas “von oben” und möglichst auch noch “drauf” erfolgt … Was für ein Trugschluss bzw. was für ein Falschwissen!
      Dolby Atmos ist nicht gleichbedeutend mit dauerhaftem Klang von oben, sondern ergänzt (deswegen der große Unterschied als objektbasiertes Tonformat gegen dem kanalbasierten Auro …) die untere Ebene nach oben. Dazu kommen (im Filmbereich) mögliche dislozierte Effekte direkt und alleine von oben bei Bedarf. Aber eben nur dann, bei richtiger Abmischung.

      Ansonsten ergänzen die oberen Lautsprecher die untere Ebene, um einen einhüllenden Klang zu erreichen. Und das funktioniert tadellos. Auch mit Upscalern wie DSU oder DTS Neural:X. Von den evtl. vorhandenen DSP des AVR mal ganz zu schweigen.

      Ich kann das ganze Werbegeschwurbel von Auro-Anhängern oder Verkäufern (wie z.B. Grobi-TV) ja aus ökonomischer Sicht ja verstehen: Aber es als die einzige Technologie zu verkaufen, die einen immersiven Klang gut und richtig hinbekommt, ist schlicht falsch und eine Fehlinformation.

      Eine über mir zwitschernder Vogel, eine Gewitterdonner über mir oder der berühmte über mir fliegende Helikopter, nehme ich auch als “über mir” war! Auch wenn unser aller Ohren seitlich am Kopf angebracht sind …

  5. Hi,

    Tolle Seite erstmal! Hab hier schon viel gelernt 🙂

    Habe eine Frage hierzu. Ich habe ein 5.1 System und mein Denon AV sagt das ich die auf 120 Grad aufstellen soll. Die Lautsprecher laufen im Dipol Betrieb. Sollte ich dieser Empfehlung folgen? Werde wahrscheinlich noch ein 2. Sitzreihe auf ein Podest machen. Sowie noch 2 Atmos Höhenlautsprecher hinzufügen.

    Eventuell kannst du ja auch noch was zur Höhe der Sorround LS sagen 🙂 Bin derzeit bei ca. 120cm, die Front Stand LS sind auf ca. 90cm Höhe (bezogen auf die Hochtöner.

    1. Hallo Janek,

      ich verweise dich mal direkt auf diesen Artikel hier. Dort werden deine Fragen eigentlich alle beantwortet.

      Bei der Verwendung von Dipolen kommt es nicht so sehr auf den Winkel an, sondern vielmehr darauf, dass sie im hinteren Bereich sinnvoll platziert sind, so dass sich der Schall bestmöglich streuen kann.

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